Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 54)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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{ - 52 - Ueberall und allenthalben organisiert sich die Geselligkeit, der Sport auf nationaler, will sagen judenreiner Basis. Die Turn-, die Badfahr-, die Gesangskunst christianisiert sich mit pedantischer Gründlichkeit. Der zwanglos-gemüthliche interconfessionelle Yereinsverkehr, wie er zumal in Wien, Reichenberg, Troppau, Graz geherrscht, hat wohl für immer aufgehört, Und wie rapid die judenfeindliche Exclusivität an Boden gewinnt, dafür bietet etwa der „Bund der Deutschen in Böhmen44 ein Beispiel. In kaum zwei Jahren ist es dieser antisemitischen Verbindung gelungen, über 150 Ortsgruppen ins Leben zu rufen, welche Tausende von, Mitgliedern zählen. Das Geld für derlei nationale Schöpfungen wird — beiläufig bemerkt — nicht selten bei Juden aufgebracht; so geschah es ad exemplum bei der Gründung des Deutschen Hauses in Prag. Die Ruthen, mit denen man uns züchtigt, ja in der That, wir dürfen sie bezahlen! Und überall und allenthalben peitscht man uns hinaus und zu den Merkmalen, die uns yon den anderen unterscheiden, zählen auch die Striemen, welche wir empfangen. Aber die Antisemiten sprechen ja von unserem Reichthum, der uns für den Entgang yon Aemtern und an Ehren schadlos halte. Nun, man weiss ja, dass die Erzählungen von der Vortrefflichkeit unserer wirtschaftlichen Lage eine einzige grosse Lüge sind. Auch hier kommt es ja auf den Procentsatz an und Sie habend heilte gehört, in welchem namenlosen Elend das Gros der jüdischen- Bevölkerung dahinsiecht, die Juden in Galizien. Und selbst in Mederösterreich, Böhmen,, Mähren, wo die Juden kapitalskräftiger dastehen, als in den anderen Provinzen, sind sie etwa zu zwei Drittel proletarisiert. So laborieren beispielsweise von den 20.000 Haushaltungen 15,000 — ich spreche natürlich nur in runden Ziffern — an einem derartigen Nothstand, dass sie zur Steuerleistung in der Cultusgemeinde gar nicht herangezogen werden können. Yon den 10.000 Besteuerten sind nämlich 90 Procent mit Rücksicht auf ihre prekäre Lage mit der niedersten Steuerquote eingeschätzt und diese sind kaum zum vierten Theile im Stande, den vorgeschriebenen Beitrag zu entrichten. Der Niedergang des Zwischenhandels, der ja auch in West- Oesterreich zum grossen Theile in den Händen der Juden liegt, macht sich unter ihnen geradezu erschrecklich fühlbar, sie liefern ein ganzes Heer berufloser Existenzen. Und die berufmässige Misere der Kaufleute, Aerzte, Advocaten ist unter ihnen im Durchschnitt grösser, als unter ihren christlichen Standesgenossen. Allein trotz alledem und alledem weiss sich der Antisemitismus vor wüthender Erbitterung über unseren Beiehthum nicht zu fassen; von Ort zu Ort, von Haus zu Haus wird agitiert, um unsere vermeintliche Uebermacht zu brechen und als das wirksamste Mittel * , # >