Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 55)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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wird der Boycott anempfohlen: „Kauft nichts bei Juden!" Dieser Ruf hat sich yon Wien aus über ganz Oesterreich fortgepflanzt und iron seiner Wirkung wissen tausende der ärmsten jüdischen Geschäftsleute zu berichten. Und hier ist es namentlich Galizien, das die wirtschaftliche Isolierung der Judenschaft mit systematischer Berechnung anstrebt. Wie man durch Errichtung sogenannter christlicher Handlungen, durch Gründung bäuerlicher Consumgeschäfte, durch Bildung exclusiver Creditvereine — wie man durch alle diese Unternehmungen, für welche der galizische Landtag jährlich tausende yon Gulden widmet, die planmässig ihrer Subsistenzmittel beraubt, wie man mit allem Vorbedacht ihr furchtbares Elend noch steigert, dies zu schildern, ist mir in dem ganzen Rahmen meines Referats nicht möglich. Ich beschränke mich auf die Bemerkung, dass Galizien über ein ganzes Arsenal judenfeindlicher Praktiken verfügt. Der Geschäfts-Antisemitismus charakterisiert den Judenhass Galiziens wohl am besten, der Rassen-Antisemitismus wuchert hingegen vorzugsweise in Niederösterreich, in Böhmen, in Mähren und in den Alpenländern. Hüben und drüben aber schwingt bei den Aeusserungen dieses angeborenen und grossgezogenen Hasses auch die religiöse Saite mit. Ich betonte, dass sich unsere Entrechtung auf gesetzlichem Wege vollzieht; man bedient sich im Kampfe gegen uns hauptsächlich des Stimmzettels und der Presse — wir unterliegen zweifelsohne den legalsten, den constitutionellsten Waffen. Allein zuweilen werden alle Schranken des Gesetzes durch die masslos gereizten Instinkte durchbrochen. Der Rassenhass und die Habsucht gehen von der Propaganda des Wortes zur Propaganda der That, von Petitionen und Resolutionen zu Plünderung und To dt schlag über. Und wer wollte leugnen^ — ich spreche von •Galizien — dass sich in jüngster Zeit die Excesse häuften? Und wen könnte dies befremden? Die Spannung ist zu gross, die Explosion ist nur natürlich, sie könnte nur durch ein Ventil verhütet werden. Ja wohl! Durch das Yentil der Colonisation. Die drohenden Gefahren, denen unsere Stammesbrüder in 'Galizien ausgesetzt sind, sie würden schon an sich allein für die Berechtigung des Zionismus sprechen. Doch, obzwar ich durch die Begrenztheit meines Themas genöthigt bin, mich an die Schilderung thatsächlicher Verhältnisse zu halten und Deductionen möglichst aus dem Wege zu gehen, obzwar ich also des Versuches, den Zionismus in Oesterreich speciell durch unsere Lage in Oesterreich zu motivieren, mich enthalten muss, so will ich dennoch zur Vermeidung eines Missverständnisses betonen, dass der Zionismus keineswegs in den blutigen Manifestationen des Judenhasses seine ausschliessliche Begründung findet. Diese sind ja nur der augenscheinliche Beweis dafür, dass die Assimilation sich auch in Oesterreich weder mit unseren besseren, noch dass sie sich mit den schlechteren