Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 53)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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- 51 — Mit unserer politischen Vereinsamung hängt natürlich auch der Rückgang unseres Einflusses in den Yertretungskörpern zusammen. Der Procentsatz der jüdischen Abgeordneten und sonstigen jüdischen Functionäre hat auch früher nicht der nummerisehen Stärke der Judenschaft entsprochen; gegenwärtig aber tritt dieses Missverhältnis noch deutlicher hervor. Auch die Traditionen, kraft deren wir im höheren Justiz- und Verwaltungsdienste nichts zu schaffen haben, stehen in vollster Geltung, Allein noch mehr, die Praxis, dass auch zum Eintritt in den öffentlichen Dienst und zur Erlangung auch nur subalterner Posten ein Taufschein beigebracht werden muss, wird nicht nur geübt, sondern unumwunden einbekannt. So erklärte ein Referent im österreichischen Landesausschusse gelegentlich der Besetzung einer Gremeindearztensstelle, dass hiefür ein Jude nicht in Vorschlag gebracht werden könne: so wird für die Aufnahme in Militärbildungsanstalten nudis verbis^ die Beibringung des Taufscheines gefordert, so trat erst in jüngster Zeit mit aller Deutlichkeit die Erscheinung zu Tage, dass jüdische -Rechts- Praktikanten bei der Bewerbung um eine Auscultantenstelle von der hohen Behörde übersehen wurden. Es hat den Anschein, als ob die Regierung auch in dieser Hinsicht mit dem Antisemitismus rechnen wolle. Und so kann es sicherlich nicht Wunder nehmen, dass sie ihn, so weit er sich in autonomen Körperschaften bethätigt, trotz ihres obersten Aufsichtsrechtes anstandslos gewähren lässt, und wer wollte unter diesen Umständen das Factum besonders vermerken, dass die Stadt Wien jedem jüdischen Petenten ausnahmslos das Heimatsrecht verweigert? Die Isolierung der Juden kommt aber weiters nicht minder stark auf socialem Gebiete zum Ausdruck, und auch hierin weisen sämmtliche Provinzen ungefähr das nämliche Gepräge auf. Es gibt vielleicht in West-Oesterreich mehr Hass, in Galizien mehr die Verachtung den Ton im Verkehr mit den Juden an; aber hier wie -dort kann man uns geradezu als social geächtet bezeichnen. Intimere Beziehungen zwischen christlichen und jüdischen Familien gehören zu den Seltenheiten, schon in den Volks- und Gewerbeschulen stehen sich die Christen- und Judenkinder feindlich gegenüber; in den deutschen Studentenkreisen hat der Antisemitismus durch Erweckung der brutalsten Instinkte eine beispiellose Yerrohung hervorgerufen. Und man muss bedauerlicherweise constatieren: es ist die Lehrerschaft, die den Keim des Judenhasses zur Entwicklung bringt, und was die Eltern in dieser Hinsicht etwa unterlassen, das iiolen die Herren Pädagogen eifrigst nach. Ja, auch in die Blüte der Lehrerschaft ist der Antisemitismus eingedrungen; die Professoren -der deutschen Hochschulen Böhmens betheiligen sich demonstrativ «an den Veranstaltungen der antisemitischen Vereine. Unter diesen Umständen ist es nur natürlich, dass uns der Antisemitismus aus Vereinen, Clubs und sonstigen Verbänden hinausdrängt. 4*