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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 50

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
Issue
29. bis 31. August 1897
Date
1898-01-01
Page
Seite 50 (sequence 52)
Language
German, English, Hebrew
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— 50 Es ist unsere Persönlichkeit, die er in die Grosse schleift und es ist unsere innerste, angeborene Natur, die er mit Füssen tritt. Er verdächtigt unsere Gefühle, ermissdeutet unsere Worte, er dichtet uns Verbrechen an und entkleidet uns unserer Verdienste, er mordet unseren guten Namen und untergräbt den Ruf unserer Frauen! Dies ist seine Taktik und ihre Furchtbarkeit lässt auf den betrübend grossen Umfang des Verderbens schliessen, in das der Antisemitismus uns gestürzt hat. Ich spreche yon dem uneinbringlichen Verlust an Lebensfreude und an Wagemuth und an lebendiger Kraft. Doch nicht genug an dieser einen "Wirkung: Die Leistungsfähigkeit des Antisemitismus ist noch weitaus grösser, er macht uns einsam im Gewühle der Parteien, er führt auf offenem Markte Mauern um uns auf, er bannt uns in ein geistiges Ghetto! Isolierung der Judenschaft, das ist sein nächstes Ziel und er hat es fast erreicht: Isolierung auf politischem, socialem und ökonomischem Gebiete. Ä- In politischer Beziehung hat der Antisemitismus geradezu zersetzend gewirkt. Das Taufwasser ward zum Scheidewasser, das die grosse Deutschliberale Partei in ihre Elemente auflöste und die Deutschnationalen, die Deutsche Volkspartei, die Deutsch-Fortschrittlichen, die Social-Politiker u. s. w.7 entstehen liess, das aus der jungtschechischen Partei eine antisemitische Gruppe auszulösen vermochte, das selbst die mächtige Organisation des klassenbewussten Proletariats zu zerfressen begann. Der Judenpunkt ward zum Cristallisationspunkt, um den herum sich immer neue Fractionen und Fractiönchen bildeten. Die Juden selbst aber blieben yon allen Combinationen ausgeschlossen. Dies gilt für West-Oesterreich, das ich vorzugsweise zu besprechen habe: in Galizien, dessen Verhältnisse in einem Specialreferate die eingehendste Behandlung fanden und daher von mir auch in der Folge kaum angedeutet werden sollen — in Galizien, sage ich, kann yon einer Coalierung mit den Juden überhaupt nicht die Eede sein, denn yon den Polen wird der Jude auch im öffentliche^ Leben nur als ein Factor angesehen,. im landesüblich verachtungsvollen Sinne des Wortes. In West-Oesterreich haben uns die Parteien theils vor die Thüre gesetzt, theils geben sie uns — und dies gilt auch von den Socialdemokraten — zu verstehen, dass sie auf unsere Mitwirkung füglich verzichten könnten. Manchmal wird uns allerdings gestattet, bis auf weiteres noch mitzuthun, so machte uns beispielsweise der deutschmationale Abgeordnete Hoffmann von Wellenhof darauf aufmerksam, dass wir dermalen und so lange der Sprachenverordnungskampf noch tobe, die Deutschen unterstützen dürften und erst nach Entscheidung dieses Kampfes würde unsere Schonzeit ablaufen und erst dann hätten wir weitere Verfolgungen zu gewärtigen.

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