Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 49)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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Als gesetzlich anerkannte Religionsgesellschaft sind die Juden im Vergleiche mit anderen nicht anerkannten Confessionen ~ durch Torrechte ausgezeichnet: im wesentlichen durch das Privileg der Stellung mit den anderen Bürgern. Es bedarf nicht erst besonderer Erwähnung, dass wir dem Gesetze nach nichts anderes als eine Confession sind: Das Gesetz ignoriert unsere nationale Eigenart. So beschaffen ist die Reehsstellung, die*uns Juden Oesterreichs in Paragraphen und Artikeln zugewiesen wurde. Der Antisemitismus nun, der nach unserer Entrechtung lechzt, hat damit begonnen, das Fundament des uns eingeräumten Rechtes zu erschüttern, eben jene im Gesetz festgehaltene These, dass wir lediglich eine Confession sind* Schönerer und sein Anhang gaben die von Deutschland her überkommene und seither die ganze Richtung des Antisemitismus bestimmende Parole aus: Der Glaube der Juden sei belanglos, relevant sei einzig und allein ihre Stammesart und um dieser willen verdienten sie, ihrer Rechte beraubt zu werden. Es ist bekannt, dass der Antisemitismus Oesterreichs im Laufe der Jahre christkatholisch wurde und so nahmen die Antisemiten in ihr Hetzprogramm auch die Verunglimpfung unseres Glaubens auf; allein diese Schmähungen sind und waren nur eine Waffe mehr, um unsere Bürgerrechte zu vernichten und in letzter Linie unsere ganze Existenz. Daraus erklärt sich aber zur Genüge, warum der Antisemitismus gerade jene Rechte schont, die wir als Confession gemessen^ was er so ehrlich hasst, wogegen er so leidenschaftlich kämpft, das ist nicht unser Gott, das sind wir selbst! Und während er auf unsere Glaubensbücher, auf die religiösen Schriften unserer Väter zu zielen scheint, zielt er in Wahrheit auf das Herz der Juden und _/ # . . - . - ihrer Kinder! Denn es ist dies die Doctrin auch des österreichischen Antisemitismus. Das Judenthum ist eine minderwertige, eine gemeingefährliche, eine vernichtungswürdige Rasse und deshalb überträgt er seinen Hass von Geschlecht zu Geschlecht, in der Ueberzeugung, dass selbst das Taufwasser nicht geeignet sei, die „Bosheit unseres Gemüths" zu tilgen. Es ignoriert der Antisemitismus Oesterreichs mithin nicht nur das Gesetz, kraft dessen der Jude als ein Deutscher, Slave oder Ungar anzusehen ist, er missachtet auch die christliche Lehre von der reinigenden Kraft der Taufe und verachtet sie trotz V-/ «. meines unbezweifelbaren Glaubenseifers — so stark, so souverän ist dieser Judenhass. In dem Hauptpunkte seiner Theorie, der Declarirung des Judenthums als einer fremden, unverbesserlich bösartigen Rasse, setzt sich der Antisemitismus über die Normen des Staates und der