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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 46

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
Issue
29. bis 31. August 1897
Date
1898-01-01
Page
Seite 46 (sequence 48)
Language
German, English, Hebrew
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Nachmittags-Sitzung. Präsident: Das Wort hat Herr Dr. Mintz zur Berichterstattung über die Lage der Juden in Oesterreich: Dr. Alexander Mintz (Wien): Hochgeehrte Versammlung! Mir ist die Aufgabe zugefallen, über die Lage der Juden in Oesterreich zu referieren — eine Aufgabe, die an sich betrübsam, die aber doppelt schmerzlich ist für einen Oesterreicher, denn das Thema, das ich zu behandeln halbe, umfasst den ganzen Jammer meines Vaterlandes. Ich stehe hier auf fremder Erde und so wird es meine Sorge sein, mich jeder Aeusserung zu enthalten, die als eine Anklage wider mein Vaterland mir gedeutet werden könnte. Ja noch mehr, ich werde schweigen, wo ich zu sprechen in der Lage wäre, eingedenk der Bibelworte: „Du sollst die Blosse deines Vaters nicht enthüllen!44 Was ich aber nicht verschweigen kann, noch will, das ist die Unbill und die Schtaach, die wir Juden Oesterreichs zu erdulden haben. Der Hass wird auch in Oesterreich nicht müde, uns zu geisseln und seit Jahren schlägt er uns die tiefsten Wunden. Die Bedrängnis aber wächst — denn der Antisemitismus hat gesiegt. Der Triumph des Antisemitismus, er verleiht unserer Lage, ja der Lage meines Vaterlandes die ganze Signatur. Und so will ich auch von diesem Sieg zuförderst sprechen. Er bedeutet zweifellos einen Sieg des Volkes über die Regierung. Sie alle, meine sehr Verehrten, kennen die Ereignisse, die mich zu diesem Ausspruche berechtigen: Die Auflösung des Wiener Gemeinderathes im November 1895, das Ergebniss der Neuwahlen im Februar und März 1896, der unglückliche Ausfall der niederösterreichischen Landtags wählen im August 1896, die Mchtbestätigung Dr. Lueger's und endlich seine gegenwärtige unangefochtene Herrschaft. Dieser Triumph des Antisemitismus war ein Sieg der Masse über die Staatsgewalt, ja über die Omnipotenz der Krone. An der Stärke der Machtmittel, die zu seiner Unterdrückung aufgewendet Warden, lässt sich seine eigene Stärke messen, er hat sich unüberwindlich gezeigt in der constitutionellen Wahlschlacht. Und damit ist zugleich die Eigenart der österreichischen Judennoth bezeichnet: Man erdrosselt unser Recht auf dem Wege des Gesetzes. Aber nun lassen Sie mich fragen: Worin besteht unser Recht? Die Antwort auf diese Frage führt zu einer selbstverständlichen. Es ist die allgemeine Rechtssphäre der Judenschaft, als einer gesetzlich anerkannten Religionsgesellschaft, und die individuelle Rechtssphäre der einzelnen jüdischen Religionsgenossen begrifflich auseinanderzuhalten.

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