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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 27

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
Issue
29. bis 31. August 1897
Date
1898-01-01
Page
Seite 27 (sequence 29)
Language
German, English, Hebrew
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erreichen oder überschreiten können, während die übrigen circa 100.000 zählenden Juden entweder schon Bettler sind oder auf dem sichersten Wege zum Bettlerstabe sich befinden. Und wie die Lage der Juden in den 126 Ortschaften sich gestaltet hat, ist sie auch in allen anderen übrigen Ortschaften Galiziens. Dies ist die materielle Lage, richtiger die materielle Nothlage der jüdischen Stadtbewohner Galiziens. Und eine Aussicht auf Besserung ist derzeit und für . die nächste Zukunft nicht vorhanden, im Gegentheil berechtigen mehrere vorliegende Anzeichen zur Annahme, dass die Juden Galiziens einem sehr schweren und hartnäckigen Concurrenzkampfe entgegengehen, einem Kampfe, in dem die Juden als die Schwächeren unbedingt unterliegen müssen. Die einheimische Bevölkerung, die bis nunzu dem Handel ferne stand und nur auf dem Gebiete des Handwerkes mit den Juden wetteiferte, hat in den letzten Jahrzehnten nicht nur den Widerwillen gegen den Handelsberuf gebrochen, sondern auch einen organisierten. Verdrängungskampf gegen den jüdischen Handelsstand begonnen. Diese Bewegung wird von der Landesregierung und von den namhaftesten Landes-Creditinstituten in materieller und durch die antijüdische Agitation der Geistlichkeit in moralischer Beziehung auf das Thatkräfiigste unterstützt. . , Mit Hilfe der jüdischen Steuergelder werden allerorts Vereine, die sogenannten „Kölka rolnicze" gegründet, deren Zweck es ist, in den Städten und Dörfern Galiziens „christliche Kaufläden" (sklepiki chrzescianskie) zu eröffnen und den jüdischen Kaufleuten die Kunden zu entreissen und sie selbst an den Bettel- oder Auswandererstab zu bringen. Bis nun wurden auf diese Weise gegen 2600 christliche Kaufläden errichtet, deren Zahl noch immer im steten Wachsen begriffen ist, und die tausende von jüdischen Existenzen vernichtet haben. Auch die Ruthenen haben diese Bahn beschritten, wenn -sie auch von den Landesbehörden nicht unterstützt werden und blos auf die Hilfe ihrer nationalen Vereine angewiesen sind. Dieser systematisch geleitete Verdrängungskampf gegen den jüdischen Handelest and findet den mächtigsten Rückhalt in der jetzt vorherrschenden Tendenz der österreichischen Eeichsgesetzgebung. - Diese Gesetzgebung mit ihrer Sonntagsruhe, Hausier-, Ratennnd vielen anderen Gesetzen — trägt den unleugbaren Stempel christlichsocialer Reformen und richten ihre Spitze direct oder indirect, bewusst oder unbewusst gegen den jüdischen Kleinhändler und Kleinkrämer. Am meisten aber leiden unter diesen Gesetzen die jüdischen Zwischenhändler Galiziens, die von den Beschränkungen dieser christlich-socialen Reformen am meisten betroffen werden und langsam aber stetig dem materiellen Ruine entgegengehen.

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