Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 30)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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. , — 28 — Also auch der Handelsberuf, den bis vor einigen Jahrzehnten die Juden Galiziens fast ausschliesslich innehatten und dem sie, wenn auch nicht reichliches, so doch halbwegs erträgliches Einkommen zu entnehmen wussten, wird ihnen jetzt entzogen. Es darf daher Niemanden Wunder nehmen, dass unter solchen Umständen, wo ihnen Ackerbau zu treiben unmöglich, Beamte zu werden, verboten und dem Handel zu obliegen, erschwert wird, die Proletarisierung und Verkümmerung der jüdischen Massen Galiziens in rapider Progression fortschreitet und die Emigration der Juden immer grössere Dimensionen annimmt. Ueber die Intensität der jüdischen Auswanderung aus Galizien besitzen wir keine genauen statistischen Daten, es wurde jedoch auf Grund annähernder Berechnung festgestellt, däss im Decennium 1880—1890 circa 44.000 Juden Galizien den Rücken gewendet ■* i # i' haben. Dieser Auswanderungsstrom ergiesst sich hauptsächlich nach Niederösterreich (Wien), England, Amerika, Deutschland, Ungarn u. s. w., wo er die ohnehin geschwächte wirtschaftliche Lage der dortigen Juden gefährdet und dem daselbst bestehenden oder im Entstehen begriffenen Antisemitismus reichliche Nahrung zuführt* Diese grosse und akute Judenfrage Galiziens mit ihrem unergründlichen Massenelende, mit ihrer ganzen Trost- und Hoffnungslosigkeit — sie hat daher nicht nur für die galizischen Juden allein, sondern auch für die Gesammtheif der Juden im Westen eine ununterschätzbare Bedeutung. Die prekäre und nach schleuniger Abhilfe rufende Lage der 772.000 Juden Galiziens steht daher in inniger, derzeit unverrückbarer Wechselwirkung zur Lage der Juden in den westlichen Ländern und wenn die letzteren, ohne Rücksicht auf ihre momentane bessere und glücklichere Stellung zur gedeihlichen und radicalen Lösung der Judenfrage im allgemeinen und der particulären galizischen Judenfrage im besonderen hilfreiche Hand reichen, so handeln sie nicht nur im Interesse der gesammten jüdischen Nation, sondern auch zu einem nicht geringen Theile im ureigensten Interesse. (Lebhafter Beifall.) Präsident: Das Wort hat Herr Redacteur J. de Haas zum Referate über die Lage der Juden in England. Jacob de Haas (London, spricht englisch): Verschiedene Factören vereinigen sich, um eine durchaus genaue Uebersicht über die Lage der Juden in Grossbiitannien und Irland unmöglich zu machen. Erstens findet keine confessionelle Zählung statt, was in # * * ' numerischer Hinsicht nur Muthmassungen zulässt, zweitens besitzt die jüdische Gemeinschaft kein Centralburean, durch welches die Zahlen gesammelt und verglichen Werden könnten. Drittens veröffentlicht die Mehrzahl der jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten keine Berichte oder statistische Tabellen, auf Grund deren man eine Uebersicht aufstellen könnte. Der grösste Tb eil der in diesem Aus- \