Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 27)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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— 25 — Dieses Fernhalten der jüdischen Bevölkerung vom Landbesitze ist ungeachtet der seit dem Jahre 1867 in Oesterreich gesetzlich herrschenden Freizügigkeit eine nöthwendige Folge der faktischen .... V 4} erhaltnisse. Während einerseits die Juden selbst, durch viele Jahrhunderte hindurch vom Grundbesitze durch gesetzliche Beschränkungen abgehalten, eine gewisse Scheu gegen die Beschäftigung mit dem Ackerbau und einen Hang für Handel und Kramerei sich angeeignet haben, werden sie jetzt nach Aufhebung der gesetzlichen Beschränkungen in der Niederlassung auf dem Lande noch durch die Gehässigkeit der autochtonen Landbevölkerung und durch die Cliicanen der autonomen Gemeinde und Bezirksverwaltungen behindert. Die consequente Nichtaufnahme jüdischer Zöglinge in die bestehenden zwei galizischen Acket*bausehulen und in die galizischen Gärtnerschulen, die doch vom jüdischen Steuergelde erhalten werden, ist charakteristisch. Die Polen und Ruthenen geizen um jeden Fuss Erde und ein Sturm der Entrüstung geht durch die Presse, so oft sie gewahr wird, dass ein Jude ein grösseres Stück Boden an sich gebracht hat. Als das Gut Podhajce vor Jahren durch einen Lemberger Juden erstanden worden ist, bemächtigte, sich der Landespresse und breiter Bevölkerungskreise eine solche Aufregung, dass der Jude den Kauf schleunigst rückgängig gemacht hat. Das Gros der galizischen Juden muss daher unter solchen Verhältnissen notgedrungen in den Städten und Marktflecken seinen Aufenthalt nehmen. Die 70% aller Juden Galiziens, die in den Städten zusammengedrängt ihr kümmerliches Dasein fristen, sind aber hier gezwungen, aus Mangel an anderen zugänglichen Erwerbszweigen, ausschliesslich dem Handwerke und Handel obzuliegen. Da in Oesterreich keine Berufsstatistik geführt wird, fehlen zwar genaue Daten über die Vertheilung der städtischen Berufe unter den Juden und das Verhältnis derselben zu den Christen, die in demselben Berufe beschäftigt sind; folgender Zusammenstellung wird es aber vielleicht gelingen, über die Lage dieses Hauptbestandtheiles der galizisch-jüdischen Bevölkerung ein annäherndes Bild zu schaffen. Von den sogenannten freien Berufen sind den Juden Galiziens nur der Advokaten- und der Aerzteberuf zugänglich, während die anderen freien Berufe und vor Allem der Beamtenstand ihnen jetzt beinahe gänzlich unerreichbar wurden. Denn bis vor einigen Jahren, als e3 bei den Eisenbalm-, Post- und Telegraphenämtern an der entsprechenden Zahl christlicher Candidaten mangelte, fanden die Juden wenigstens in diesem Zweige der staatlichen Verwaltung Aufnahme und Beförderung in die wenigstens niedrigsten Rangdassen, seitdem aber seit einer geraumen Zeit dieser Mangel an christlichen Competenten auch für diese öffentlichen Dienstposten zu