Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 22)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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20 — schaftliche als religiöse Gründe hat. Für das Judentimm, das um ihretwillen leidet, haben sie nie etwas gethan, als dass sie Almosen hinwarfen, die für sie keine Opfer sind, und dass sie einen specifisch* jüdischen Krebssehaden unterhalten, das Schnorrerthum. Für ideale Zwecke ist ihre Hilfe nie zu haben gewesen und wird sie wohl nie zu haben sein. Viele verlassen denn auch das Judenthum und wir wünschen ihnen Glück auf die Reise und beklagen nur, dass sie demii doch aus jüdischem Blute sind, wenn auch aus dessen Bodensatze. Die Judennoth darf niemand gleichgiltig lassen, die christlichen Völker ebensowenig wie uns Juden. Es ist eine grosse Sünde, einen Stamm in geistiger und leiblicher Noth verkommen zu lassen, dem selbst seine schlimmsten Feinde Begabung nicht abgesprochen? haben; es ist eine Sünde an ihm und es ist eine Sünde an dem "Werke der Gesittung, an dem der jüdische Stamm ein nicht gleichgiltiger Mitarbeiter sein möchte und sein könnte. Und es kann zu einer grossen Gefahr für die Yölker werden, willensstarke Menschen, deren Mass im Guten wie im Schlechten über den Durchschnitt hinausreicht, durch unwürdige Behandlung zu verbittern und durch Verbitterung zu Feinden der bestehenden Ordnung zu machen. Die Mikrobiologie lehrt uns, dass kleine Lebewesen, die harmlos sind, so lange sie in der freien Luft leben, zu furchtbaren Krankheiterregern werden, wenn man ihnen den Sauerstoff entzieht, wrenn man sie, wie der Fachausdruck lautet, in anaerobische Wesen verwandelt. Die Regierungen und Völker sollten Bedenken tragen, aua dem Juden ein anaerobisches Wesen zu machen! Sie könnten es. schwer mitzubüssen haben, was immer sie dann auch unternehmen* würden, um dön durch ihre Schuld zum Schädling gewordenen Juden auszurotten. Dass die Judennoth nach Abhilfe schreit, haben wir gesehen. Die Abhilfe zu finden, wird die grosse Aufgabe des Congresses» sein. Ich trete nun das Wort an meine Mitberichterstattet ab, die das von mir in grossen Umrissen entworfene Bild ausführen: und vervollständigen und bei deren Vorträgen Sie meist die Empfindung haben werden, „Kinnotha anzuhören. (Stürmische, begeisterte Zustimmung.) Präsident: Das Wort hat Herr Architekt Oscar Marmorek: Oscar Marmorek: Geliebte Brüder! Ein Wundertag ist der heutige^ ein Wunder für ein Volk, das achtzehn Jahrhunderte nicht gesprochen und das nun Vertreter der ganzen Welt hieher gesandt, um über sich selbst zu berathen. Hätte der Congress aus nichts anderem bestanden, als aus diesen beiden Reden, die mit so grossem Beifall aufgenommen wurden, so wäre es schon wert gewesen, ihn zu veranstalten. Geliebte Brüder! Die Worte, die wir hier gehört haben, werden nicht aus der Kulturgeschichte der Menschheit, nicht aus der Geschichte des Judenthums verschwinden. Was wir gehört haben, wir werden es nie im Leben vergessen können, und sollen es auch nicht. Aber nicht nur wir sollen es gehört haben. Es soll auch gelesen werden. Alle sollen wissen, was wir sind und was wir wollen und was wir thun wollen. Wir