Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
Issue
29. bis 31. August 1897
Date
1898-01-01
Page
Seite 19 (sequence 21)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3476254-3476255-3476257--0369-3525575
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- 19 - ihn seine Todfeinde darstellen. Man hört ihn nicht selten murmeln, ^er müsse yom Feinde lernen und sich von den Gebrechen zu heilen suchen, die man ihm vorhält, und er bedenkt * nicht, dass die antisemitischen Anklagen für ihn gänzlich unfruchtbar und werthlos sind, weil sie nicht eine Kritik wirklich beobachteter Fehler, sondern die Wirkung jenes psychologischen Gesetzes sind, nach welchem ■ Kinder, Wilde und boshafte Thoren für ihre Leiden Wesen oder Dinge verantwortlich machen, gegen die sie Widerwillen empfinden. Zur Zeit des schwarzen Todes beschuldigte man die Juden der Brunnenvergiftuüg; heute beschuldigen die Agrarier sie, den Getreidepreis zu drücken; die Handwerker beschuldigen sie, das Kleingewerbe 3zu vernichten; die Conservativen beschuldigen sie, grundsätzliche Hegierungsgegner zu sein. Wo es keine Juden gibt, da bezeichnet man als Urheber derselben Uebelstände andere Bevölkerungsgruppen, die man hasst, meistens Fremde, manchmal einheimische Minderheiten, Secten oder Gesellschaften. Dieser Anthropomorphismus der Unlustgefühle beweist nichts gegen die Beschuldigten, er beweist nur, dass ihre Ankläger sie schon h&ssten, als sie zu leiden begannen und sich nach einem Sündenbock umsahen. Das Bild wäre nicht vollständig, wenn ich nicht noch einen , Ztig hinzufügte; Eine Sage, an die selbst ernste und gebildete Menschen glauben, die nicht einmal Antisemiten zu sein brauchen, behauptet, dass die Juden alle Macht und Herrschaft haben, dass die Juden alle Reichthümer der Erde besitzen. Sie die unheimlichen Handhaber der Gewalt, diese Juden, die nicht einmal im Stande *sind, ihre Stammgenossen gegen die Mordlust elenden arabischen, marokkanischen und persischen Gesindels zu schützen! Sie die Verkörperung des Mammons, diese Juden, yon denen reichlich die Hälfte keinen Stein besitzt, wo sie ihr Haupt hinlege, und keinen Fetzen, mit dem sie die Blosse ihres Leibes bedecke! Das ist der Hohn, der hinzutritt und Gift einträufelt, nachdem der Hass die Wunde geschlagen liat. Gewiss, es gibt einige hundert überreiche Juden, deren lärmende Millionen weithin bemerkt werden. Aber was hat Israel mit diesen Leuten gemein? Die meisten yon ihnen — eine .Minderheit nehme ich gern aus — gehören zu den niedrigsten -Naturen der Judenheit, die eine natürliche Auslese zu den Berufen bestimmt hat, in denen man rasch Millionen und manchmal Milliarden gewinnt — fragt mich nur nicht wie! In einer normalen mnd vollständigen jüdischen Gesellschaft würden diese Menschen infolge ihrer organischen Eigenschaften in der Yolksachtung die allerunterste Stufe einnehmen und jedenfalls niemals die Adelstitel und hohen Orden erhalten, mit denen die christliche Gesellschaft sie auszeichnet* Das Judenthum der Propheten und Tanaim, das Judenthum Hillels, Thilos, Ibn Gabirols, Jehuda ben Halewys, Ben Maimons, Spinozas, Heines kennt diese Geldprotzen nicht, die alles geringschätzen, was wir verehren, und die hochhalten, was wir verachten. Diese Leute -sind der Hauptvorwand des neuen Judenhasses, der mehr wirth- 2*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.