Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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— 12 — "; /' ' * abhelfen würde. Galizien übernimmt es, die Kritik dieser Meinung zu liefern. Und nicht Galizien allein. Das Heilmittel der gesetzlichen Emancipation ist in feilen Staaten der obersten Gesittungsstufe versucht worden. Sehen wir, was das Experiment lehrt. Die Juden Westeuropas sind keiner Rechtsbesehrankung unterworfen. Sie dürfen sich frei bewegen und entwickeln, genau wie ihre christlichen Landgenossen. Die wirtschaftlichen Folgen dieser Bewegungsfreiheit waren denn auch unzweifelhaft die günstigsten. Die jüdischen Rasseneigenschaften des Fleisses, der Ausdauer, der Nüchternheit, der Sparsamkeit bewirkten die rasche Abnahme des jüdischen Proletariats, das in manchen Ländern vollständig verschwunden wäre, wenn es nicht durch jüdische Einwanderung aus dem Osten genährt würde. Die emancipirten Juden des Westens gelangen verhältnismässig rasch zu mässigem Wohlstand. Jedenfalls nimmt das Ringen um das tägliche Brot bei ihnen nicht die schauerlichen Formen an, die in Russland, Rumänien und Galizien beschrieben werden. Aber unter diesen Juden wächst die andere Jüdennoth empor: die sittliche. Der Jude des Westens hat Brot, aber man lebt nicht von Brot allein. Der Jude des Westens sieht Leib und Leben kaum mehr vom Pöbelhass gefährdet, aber die Wunden des Fleisches sind nicht die einzigen, die schmerzen und an denen man sich verblutet. Der Jude des Westens hat die Emancipation als wirkliche Befreiung gedeutet und sich beeilt, aus ihr die letzten Folgerungen zu ziehen. Die Völker bedeuten ihm, dass er Unrecht habe, so unbefangen logisch zu sein. Das Gesetz richtet grossmüthig die Theorie der Gleichberechtigung auf. Regierung und Gesellschaft üben eine Praxis der Gleichberechtigung, die aus dieser einen Hohn machen wie die Ernennung Sancho Panzas zum glänzenden Posten eines Vicekönigs der Insel Barataria. Der Jude sagt naiv: „Ich bin ein Mensch und nichts Menschliches erachte ich als mir fremd.44 Ihm tönt die Antwort entgegen: „ Gemach; dein Menschenthum ist mit Yorsicjit zu gebrauchen; dir fehlen der richtige Ehrbegriff, das Pflichtgefühl, die Sittlichkeit, die Vaterlandsliebe,.' der Idealismus, und wir müssen dich deshalb von allen Verrichtungen fernhalten, die diese Eigenschaften voraussetzen." Durch Thatsachen hat man diese furchtbaren Beschuldigungen niemals zu begründen versucht. Höchstens wird ab und zu das Beispiel eines einzelnen Juden, eines Auswurfes seines Stammes und der Menschheit, triumphirend angeführt und allen Gesetzen des richtigen Denkens und Schliessens entgegen kühn verallgemeinert. Aber das ist psychologisch wohlbegründet, Es ist die Gewohnheit des menschlichen Bewusstseins, für die Vorurtheile, die das Gefühl in ihm wachruft, nachträglichvernünftig scheinende Begründungen hinzu zu erfinden. Die Volksweisheit hat dieses psychologische Gesetz längst erkannt und in ihrer anschaulichen Weise in ausdrucksvolle Formeln gefasst. „Wenn man einen Hund ersäufen will,tt sagt