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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 11

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
Issue
29. bis 31. August 1897
Date
1898-01-01
Page
Seite 11 (sequence 13)
Language
German, English, Hebrew
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\ - 11 Für die Verhältnisse "Westösterreichs mit seinen rund 400.000 Juden ist die Angabe des Herrn Dr. Mintz kennzeichnend, dass in Wien von 25.000 jüdischen Haushaltungen 15.000 wegen Armuth zur Cultussteuer gar nicht herangezogen werden können. Von den 10.000 Besteuerten sind 90 Procent zum niedrigsten Steuersatz veranlagt Aber auch von dieser Kategorie der Medrigstbesteuerten sind drei Viertel nicht imstande, ihre Steuerpflicht zu erfüllen. Das geschriebene Gesetz kennt in Oesterreich, anders als in Eüssland und Rumänien, keinen Unterschied zwischen Juden und Christen. Aber die öffentlichen Gewalten behandeln das Gesetz kühl als todten Buchstaben und die Sitte richtet den Judenbann wieder auf, den der Gesetzgeber niedergelegt hat. Die gesellschaftliche Aechtung erschwert den Juden den Broterwerb und wird ihn in naher Zukunft vielfach ganz unmöglich machen. Aus Bulgarien tönt uns derselbe Klageschrei entgegen: ein heuchlerisches Gesetz, das keinen Unterschied des Rechtes wegen Verschiedenheit des Glaubens kennt, über das die Behörden sich jedoch hinwegsetzen; eine Feindseligkeit in allen Kreisen, die den Juden überall zurückscheucht; Noth und Elend ohne Hoffnung auf Besserung bei der weitaus überwiegenden Mehrheit der Juden. In Ungarn klagen die Juden nicht. Sie sind im Vollbesitze aller Bürgerrechte; sie dürfen arbeiten und erwerben und ihre wirtschaftliche Lage wird günstiger. Freilich dauert dieser glückliche Zustand noch nicht lange genug, um der Mehrheit der Juden ermöglicht zu haben, sich aus der tiefsten Armut herauszuarbeiten, und so sind die meisten Juden auch in Ungarn noch nicht selbst zu einem Anfang von Wohlstand gelangt. Ueberdies versichern Kenner der Verhältnisse, dass auch in Ungarn der Judenhass unter der Decke fortglimmt und bei erster Gelegenheit verheerend ausbrechen wird. Die 150.000 Juden von Marokko, die Juden von Persien, deren Zahl mir nicht bekannt ist, muss ich vernachlässigen. Die Aermsten haben nicht einmal* mehr die Kraft, sich gegen ihr Elend aufzulehnen. Sie tragen es in stumpfer Ergebung, klagen nicht und rufen unsere Aufmerksamkeit nur an, wenn der Pöbel in ihr Ghetto einbricht und unter ihnen plündert, schändet und mördet* Die Länder, die ich angeführt habe, bestimmen die Geschicke von weit über sieben Millionen Juden. Sie alle, mit Ausnahme von Ungarn, drücken durch Rechtsbeschränkung und amtliche oder gesellschaftliche Ungunst die Juden zum Stande der Proletarier und Berufsärmen hinab, ohne ihnen auch nur die Hoffnung zu lassen, durch noch so grosse Einzel- oder Gesammt-Anstrengung sich über diese wirtschaftliche Stufe zu erheben. Die gewissen „praktischen44 Leute, die sich jede „unfruchtbare Träumerei44 versagen und ihr Streben auf Nächstliegendes, Erreichbares richten, sind der Meinun die Aufhebung der gesetzlichen Rechtsbeschränkungen dem Elönd der Juden in Osteuropa

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