Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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" ' " _ . - ■-, - . ■■ ■ ■:■; - -; : §f ... . - ... . . . * ' . . '• -\ ..... ' / . > .- . . , \ ■ 1 1 - 10 — - des nackten Lebens. Im europäischen Westen ist den Juden der Kampf ums Dasein etwas leichter gemacht, obschon neuerdings die Neigung sichtbar wird, ihn ihnen auch hier wieder zu erschweren. Die Brot- und Obdachfrage, die Frage der Sicherheit yon Leib und Leben martert sie weniger. Hier ist die Noth eine sittliche. Sie besteht in täglichen Kränkungen des Selbst- und Ehrgefühles. Sie besteht in der rauhen Unterdrückung ihres Dranges nach seelischen Befriedigungen, nach denen zu streben kein Mchtjude sich zu versagen braucht. In Russland, dessen jüdische Bevölkerung über fünf Millionen beträgt und das die Heimat von mehr als der Hälfte aller Juden ist, sind unsere Brüder manchen gesetzlichen Beschränkungen unterworfen. Nur eine wenig zahlreiche jüdische Secte, die der Karaiten, geniesst dieselben Hechte wie die christlichen Unterthanen des Zaren. Den übrigen Juden ist der Aufenthalt in einem grossen Theile des Staates untersagt. Der Freizügigkeit erfreuen sich nur gewisse Kategorien von Juden, z. B. Kaufleute der ersten Gilde, Besitzer akademischer Titel u. s. w* Aber um zur ersten Kaufmannsgilde zu gehören, muss man reich sein, und das sind nur wenige russische Juden, und akademische Titel können auch nicht viele Juden in Russland erwerben, denn die staatlichen Mittel- und Hochschulen lassen jüdische Schüler nur in sehr beschränkter Zahl zu, ausländische Diplome aber gewähren keine gesetzlichen Rechte. Es ist den Juden untersagt, mancheGewerbe zu betreiben, deren Betrieb allen christlichen Russen freisteht. Diese unglücklichen Menschen sind in einigen Gouvernements zusammengepfercht, wo es für sie keine Gelegenheit gibt, ihre Fähigkeiten und ihren guten Willen zu bethätigen. Die Bildungsquellen des Staates fliessen spärlich für sie, eigene können sie sich nicht erschliessen, weil sie zu arm sind. Wer irgend kann, der wandert aus, um in der Fremde Luft und Licht zu finden, die ihm in der Heimat versagt sind. Wer dazu nicht jung oder muthig genug ist, der bleibt in seinem Elend und verkommt darin geistig, sittlich, leiblich. " Yon Rumänien mit seiner Yiertelmillion Juden hören wir, dass unsere Brüder auch dort rechtlos sind. Sie dürfen nur in den Städten wohnen, sind jeder Willkür der Behörden und selbst der niederen Beamten preisgegeben, von Zeit zu Zeit den blutigen Gewalttaten des Pöbels ausgesetzt und in den schlechtesten wirtschaftlichen Yerhältnissen. Unser rumänischer Sonderb#rMiterstatter schätzt die Zahl der völlig mittellosen auf die Hälfte aller rumänischen Juden. Grauenhaft sind die Zustände, die unser galizischer Berichterstatter uns enthüllt. Yon den 772.000 Juden Galiziens sind nach den Angaben des Herrn Dr. Salz 70 Procent buchstäblich Bettler, Berufsarme, die Almosen verlangen^ freilich meist ohne es zu empfangen. Die übrigen Einzelheiten seines Berichtes will ich nicht vorwegnehmen. Sieusollen nicht zweimal das Grauen empfinden, das er in Ihnen erregen wird.