Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 9)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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Unsere Bewegung hat folglich nur dann einen vernünftigen Zug, wenn sie öffentlich-rechtliche Bürgschaften anstrebt. Die bisherige Colonisation hat das erreicht, was sie nach ihrer Anlage erreichen konnte. Sie hat die vielbestrittene Tauglichkeit der Juden zur Landarbeit erhärtet. Sie hat diesen Beweis, wie es in der Reehtssprache heisst, zum ewigen Gedächtnis erbracht. Aber die Lösung der Judenfrage ist sie nicht und kann sie in der bisherigen Form nicht sein. Sie hat auch, gestehen wir es uns offen, einen bedeutenden Anklang nicht gefunden. Warum? Weil die Juden rechnen können, es wird ja sogar behauptet, dass sie es zu gut können. Wenn wir nun annehmen, dass es neun Millionen Juden gibt und dass es der Colonisation gelänge, jährlich zehntausend Personen in Palästina anzusiedeln, so würde die Lösung der Judenfrage neunhundert Jahre in Anspruch nehmen. Das sieht unpraktisch aus. Nun wissen Sie aber, dass die Ziffer von zehntausend Ansiedlern jährlich geradezu phantastisch ist, unter den jetztigen Verhältnissen nämlich. Die türkische Regierung würde bei einer solchen Ziffer sofort die alten Einwanderungsverbote auffrischen — und das wäre uns gerade recht. Denn wer da glaubt, dass die Juden sich in das Land der Väter gleichsam einschmuggeln könnten, der täuscht sich oder täuscht andere. Nirgends wird das Auftauchen von Juden so schnell signalisiert, wie in der historischen Heimat des Volke?, eben weil es die historische Heimat ist. Und es wäre auch gar nicht in unserem Interesse gelegen, verfrüht dahin zu gehen. Die Einwanderung der Juden bedeutet einen Kräftezufluss von unverhoffter Fülle für das jetzt arme Land, ja für das ganze osmanische Reich. Seine Majestät der Sultan hat übrigens mit seinen jüdischen Untertbanen nur die besten Erfahrungen gemacht, gleichwie auch er ihnen ein gütiger Souverän ist. Es liegen, also Bedingungen vor, die bei einer klugen und glücklichen Behandlung der ganzen Sache zum Ziele führen können. Die finanzielle Hilfe, welche die Juden der Türkei bieten können, ist nicht unbeträchtlich und würde zur Beseitigung manches innern Uebels dienen, an dem dieses Land jetzt leidet. Wenn ein Stück Orientfrage zugleich mit der Judenfrage gelöst wird, so ist dies gewiss im Interesse aller Culturvölker. Die Ansiedlung <jier Juden wäre wohl auch eine Besserung der Lage der Christen im Orient. Aber nicht hur von dieser Seite her darf der Zionismus auf die Sympathien der Völker rechnen. Sie wissen, dass der Judenstreit in manchen Ländern zur Kalamität der Regierung geworden ist. Ergreift man für die Juden Partei, so hat man die aufgewühlten Massen gegen sich. Ergreift man gegen die Juden Partei, so hat dies beim eigenthümlichen Einfluss der Juden aufden Weltverkehr oft schwere wirtschaftliche Folgen. Es gibt dafür Beispiele, in Russland. Verhält sich endlich die Regierung neutral, so sehen sich die Juden ojine Schutz in der bestehenden