Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3476254-3476255-3476257--0355-3525561- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 5 — , , , > - *•""** ■ " - f «iner unbestimmten Weise, dass diese Lage mit wenigen Ausnahmen eine nicht erfreuliche ist. Wir fänden uns wohl kaum zusammen, <* - 1 ... -c- . ■ ■ ' * wenn es anders wäre. Die Gemeinsamkeit unserer Geschicke hat ^ine lange Unterbrechung erlitten, obwohl die versprengten Theile des jüdischen Volkes allenthalben Aehnliches erdulden t mussten* Erst in unserer Zeit ist durch die neuen Wunder des Verkehres «die Möglichkeit einer Verständigung und Verbindung der Getrennten gegeben. Und in dieser Zeit, die sonst so hoch ist, sehen, fühlen wir uns überall vom alten Hass umgeben. Antisemitismus ist der Ihnen nur zu wohlbekannte moderne Name der Bewegung. Der ^rste Eindurck, den die Juden von heute davon hatten, war Üeberraschung, die in Schmerz und Zorn übergieng. Unsere Gegner wissen vielleicht gar nicht, wie tief im Innersten sie gerade diejenigen unter uns verletzt haben, die sie möglicher Weise nicht in erster Linie-treffen wollten. Das moderne, gebildete, dem Ghetto entwachsene, des Schacherns entwöhnte Judenthum bekam einen Stich mitten in's Herz* Wir können das heute ruhig sagen, ohne uns verdächtig zu machen, dass wir an die Thränendrüsenunserer Gegner appellieren wollen. Wir sind mit uns im Reinen. Man war in der Welt von jeher schlecht über uns unterrichtet. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit, welches man uns «o häufig und grimmig vorwarf, es war in voller Auflosung begriffen, als uns der Antisemitismus anfiel* Dieser hat es wieder gestärkt. Wir sind sozusagen nach Hause gegangen. Der Zionismus ist die Heimkehr zum Judenthum noch vor der Rückkehr ins Xudenland. Wir heimgekehrten Söhne finden im väterlichen Hause manches, was der Besserung bedarf; wir haben namentlich Brüder auf tiefen Stufen des Elends* Man heisst uns aber in dem alten Hause willkommen, weil es wohl bekannt ist, dass wir nicht den vermessenen Gedanken hegen, an Ehrwürdigem zu rütteln* Das wird sich bei der Entwiekelung des zionistischen Programmes zeigen. , Schon hat der Zionismus etwas Merkwürdiges, ehedem für unmöglich Gehaltenes zu Wege gebracht: die enge Verbindung der naodernsten Elemente des Judenthums mit dep/Cpuse^va^ysteiL. Dass «icli dies ereignet hat, ohne dass von der einen oder der anderen Seite unwürdige Concessionen gemacht, Opfer des Inteliectes gebracht worden wären, ist ein Beweis mehr, w^ es noch eines Beweises bedürfte, für das Volksthum der Juden, Mn solcher Zusammen schluss ist nur möglichauf der Grundlage der Nation. Es werden auch Debatten stattfinden über eine Organisation, deren .Notwendigkeit Jeder einsieht Die Organisation ist der Beweis des Vernünftigen in einer Bewegung* Hier ist aber ein Punkt, der nicht deutlich und energisch genug her ausgearbeitet werden kann. Wir Zionisten wünschen zur Lösung der Judenfm^ nicht etwa einen internationaleii Verein, sondern nur die. internationale Discussion. Der Unterschied ist für uns von der höchsten Wich-