Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 15 (1912)
- Issue
- 2 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2638044-2638063-2638065--1266-3525479- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 65 — ersprießliches, ruhmreiches Dasein hatte ihm geleuchtet; irdische Güter und himmlisches Verdienst waren sein eigen, ein hoffnungsvoller Sohn war die Lust seines Alters. Darum heißt es: alt und betagt, er war alt, weil betagt1). 242 irPD )pi )~CV ^CKu" Und er sprach zu seinem Knechte, dem ältesten seines Hauses. Es war der getreue Elieser, dem er die Brautwerbung für Jizchak auftrug, und nicht einem jüngeren, der leicht die Grenzen der Schicklichkeit der zukünftigen Frau seines Sohnes gegenüber hätte überschreiten können2). 'CT finn 1~P Cvtf Lege doch deine Hand unter meine Hüfte. Es war dies die Sitte der damaligen Zeit, um die Ergebenheit und Unterwürfigkeit des Dieners seinein Gebieter gegenüber zu bezeugen3). 243 ^NTi ViVl CCirn Vik 'r,2 l^Z^Nl Ich will dich beschwören bei dem Ewigen, dem Gotte des Himmels und der Erde, — jetzt erst durch mein Verdienst als Gott des Himmels und der Erde verehrt, während Er früher nur als Gott des Himmels gepriesen wurde4). So spricht er auch: 247 rV2£ *>:r)pb TtfX Crcim W 'n Der Ewige, der Gott des Himmels nur, damals, als er mich aus meinem Vaterhause genommen. — Nach anderen jedoch nennt Abraham den Schöpfer nur in bezug auf seinen Aufenthalt im heiligen Lande den Gott des Alls, weil er dort als solcher verehrt wurde, während er in den anderen heidnischen Ländern als Gott der Erde nicht gefürchtet war5). ^jVjDT) nuno ^zb n^K npn Der Abschnitt lehrt uns, daß den Mann bei der Wahl seiner Lebensgefährtin nicht Reichtum, Vornehmheit und Schönheit bestimmen sollen. Er soll sich vielmehr bestreben, ein Weib in gleichem Range mit sich zu linden, die gleichgestimmt, in Seelenharmonie, in Frieden mit ihm das Leben teilt. — Abrahams Abneigung gegen die Töchter Kanaans wird auch darin begründet, daß er die Kanaaniter nicht glauben machen wollte, daß, um seinen Nachkommen ihr Land zu sichern, er sich erst mit ihnen verschwägern müsse. Zudem mußte Jizchak, als Geheiligter Gottes, eine Frau von tadelloser, reinster Abkunft ehelichen uud durfte nicht, wie er selbst, eine Magd oder ein zweites Weib, das seiner nicht würdig wäre, heimführen. Aus diesem Grunde betete Abraham, als Sara kinderlos war, nicht für deren Fruchtbarkeit, weil ihm zur Gewinnung von Kindern noch Hagar blieb, während Jizchak, der nur die fromme Ribka als Gattin besaß, durch sein Gebet den Fluch der Kinderlosigkeit von ihr abwendete6). l) Bech. z. St. 2j Bech. z. St. 8) Bech. z. St. 4j Bech. z. St. 5) Rasi 24. 7. 6) Bech. z. St.