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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1912-01-01 · 2 (1912) · p. Seite 45

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
15 (1912)
Issue
2 (1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 45 (sequence 7)
Language
German
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— 45 — 20. Schutz gegen Schußwunden: Kneipe dich in den Leib, während dieser Zeit kann die Waffe des Feindes keine Macht über dich gewinnen. — Oder: Schlangenkopf mit sich führen. — Oder: Nagelwurz samt Wurzel, von Juden ausgegraben, bei sich tragen. 21. Gegen Hexerei: (wörtlich) Wenn einer die Schlich (Schuhe) antut, tue vorher Salz aus drei Häuser herein, und so lange er darin geht, schadet die Hexerei nicht1). — Oder: Nimm eine Nadel, mit welcher Totenkieider genäht; soll mit dem Rest des Fadens in das Kleid gesteckt werden, dann kann die Hexerei nichts anhaben. 22. Gegen Benehmen2) eines Kindes: Nimm einen neuen Topf abgestandenes Wasser, lege die Windeln des Kindes und alles, was es auf sich hat, hinein und köche es aus. 23. Gegen bösen Blick3): Abgestandenes Wasser, welches zweien Brunnen entnommen, ohne daß es jemand bemerkt, erhitzen, Hafer beisetzen, Daumen und kleinen Finger ins Wasser tauchen, Urin des Vaters (bei Knaben) und Urin der Mutter (bei Mädchen) dazugeben, das Kind dreimal mit dem Gesichte nach vorn und dreimal mit dem Rücken nach vorn ins Wasser stellen. Die Windeln in das Wasser stecken und auswinden. In der Apotheke Mastic4), reinen Weihrauch kaufen, Katzenunrat (vom Männehen für Knaben, vom Weibchen für Mädchen), auch Haar vom Kopfe des Vaters (bei Knaben), oder von dem der Mutter (bei Mädchen). Ferner Holz von den vier Enden des Tisches, wenn deren mehrere vorhanden, auch von diesen, auch etwas von allen Kleidungsstücken der dort anwesenden Leute, auch von jeder Farbe5) d. h. sind diese mehrfarbig gekleidet so sind nur die fehlenden Farben zu ersetzen. Kohle (unentgeltlich) vom Grobschmied und vom Goldschmied. Damit das Kind und die Windeln6) beräuchern, das Kind in die Windeln hüllen, so daß es in Schweiß gerät und schläft. Alle diese Anordnungen müssen genau eingehalten werden. Wenn möglich, soll auch der Hafer geschenkt sein. 24. Gegen Herzgespann: Nimm eine Kanne, kratze von der Handhabe mit einem schwarzstieligen Messer etwas ab und gib es4 ins Getränk. 25. Gegen Beschreien: (Wörtlich) Nem (nimm) flieendige Asche, die beim Brennen ins Feuer fällt; gib es zu trinken. — Oder: (Wörtlich) Geh' zu 60 Frauen, die noch haben den ersten Mann und bet sie um wrenig Mehl, geh zu morgens früh ender die Sunn aufgeht zum Bach und schöpf' Wasser stromab. Dann schneid *) Vgl. Rubin, Gesch. d. Abergl. bei allen Völkern mit bes. Hinblick auf das jüdische Volk. S. 172; s. Pesachim 110b. 2) Benemen, s. Monatsschrift für Gesch. u. W. d. J. 1858 S. 98. 3) S. Grunwald § 88f. und Anmerk. 4) Resina mastix. Mastixbaum (Pistacia lentiscus) schwizt ein durchsichtiges, blaßgelbes wohlriechendes Harz aus. 5) S. Grunwald, Anmerk. zu § 89. 6) Krankheitsdämonen durch Ausräucherung austreiben, s. Bartels, Gesch. <ler Medizin S. 191 f.

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