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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 138

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1899
Issue
2 (1899)
Date
1899-01-01
Page
Seite 138 (sequence 52)
Language
German
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— 138 — 176 a. di Wilie (an welcher die Stadt Wilno liegt) brent! b. wos hajlst (eile nicht) di Wilie brent dox nit! 177. er is nit ajn socher (Kaufmann) in Moskau. Aus Böhmen. Von 8. K o h n , P r ag. 178. Jezbere (böhm.Familienname) foll mein daj 011 (Richter)lein? Vor langen Jahren fand man einst am Pesaclifeste an der Tafel eines reichen Mannes in einem Truthahn einen kleinen Körper, der wie ein Weizenkörnchen aussah. Da nach den strengen Pesachgesetzen, wenn auch nur ein ״Maschehu.“ d. i. ein unendlich kleiner Teil eines in Brotgährung beiindlichen Körpers schon auch mit dem grössten Quantum von Speisen vermischt ist, das ganze Quantum zum Genüsse verboten erscheint, — wurde dieser Fall, der höchsten talmudischen Autorität dem berühmten Prager Oberrabbiner Rabbi Jecheskel Landau zur Prüfung und Entscheidung vorgelegt. Dieser agnoscirte den fraglichen Gegenstand als ein kleines Weizenkorn, verbot infolgedessen den Genuss, die Benützung, und Verwertung des Truthahns und verordnete: derselbe müsse in die Moldau geworfen werden, und der Hausherr übertrug die Vollstreckung des Befehls der alten Köchin. Als diese nun mit dem Trutbahn auf einer Schüssel am Flussufer vor der Schänke des Jezbera vorüberging frug dieser, der eine Pfeife Tabak schmauchend vor der Thüre stand, was sie mit diesem prächtigen Braten zu thun beabsichtige, worauf diese in ausführlichster Weise berichtete, dass der prachtvolle Truthahn infolge eines in seinem Innern Vorgefundenen Weizenkörnchens unrettbar dem (für die Besitzer) traurigen Schicksale verfallen sei, in den Fluss geworfen zu werden. Der Wirt bat. den verhängnissvollen Körper besichtigen zu dürfen und stellte nach eingehender Betrachtung die Behauptung auf, dass derselbe nichts anderes als ein unschuldiges unschädliches Stückchen Citronenschale sei, und forderte sie auf sich nicht zu übereilen, lieber nochmals heim zu gehen und diese ]Meldung zu erstatten. Zuerst schalt ihn die fromme Magd einen Dummkopf, der sich einbilde eine sale (religiöse Frage) besser zu entscheiden als der Rabbi, aber da Jezbere ihr zu Gemüte führte, dass hierdurch in keinem Falle ein Schaden entstehe, man den Truthahn ja jederzeit ins Wasser werfen könne, liess sie sich überreden nach Hause zu gehen und dort die Wohlmeinung Jezberas mitzuteilen. Der Hausherr entschloss, sich den Fall dem Oberrabbiner zu nochmaliger Revision und Ueberprüfung zu unterbreiten, und der Oberrabbiner erklärte, dass das schärfere Auge des Schankwirts das Richtige erkannt, der Truthahn wurde in Triumpf in das Haus seines Besitzers gebracht und mit Genehmigung des Oberrabbiners mit bestem Appetit verzehrt. Die alte Köchin aber, die es nicht zu begreifen vermochte, dass das Gutachten des Wirtes den Rabbi zum Widerruf veranlassen konnte, rief bestürzt und erstaunt ״Jezbere soll mein daj0 11 sein?!“ Zu 45. ein jude darf sich nur mit einer deo (einem Gedanken) schlagen und rios (Blicke) schiessen. Preis der Friedfertigkeit. Zu 46. drei ist juden recht. Eins ist dem Juden nicht recht, denn er spricht es lieber as aus; zwei ebenso wenig, denn er sagt zwa: drei ist dem Juden vollkommen recht, denn er spricht unverändert drei.

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