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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 119

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1899
Issue
2 (1899)
Date
1899-01-01
Page
Seite 119 (sequence 33)
Language
German
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— 119 — gestellt worden sein, was nicht ausschliesst, dass sie später nach älteren Vorlagen hergestellt worden sein können. Höchstwahrscheinlich hatte der Illustrator mit christlichen Künstlern nähere Beziehungen und dürfte manches Vorbild aus derlei älteren Werken genommen haben. Den ersten Theil in Bezug auf künstlerische Durchführung weit überragend ist der zweite Theil; denn in der Schrift, sowohl in der einfachen als in der Zierschrift, sowie im Ornament, zeigt der Miniator eine grosse Gewandtheit, einen feinen Geschmack, eine ausserordentliche Geschicklichkeit und Sicherheit, Die hebräischen Zierschriften gehören zum Besten, was nach dieser Bichtung geleistet worden ist. Sie zeigen auch, wie es möglich ist, die Quadratsehrift, die gegen die Kirchenschrift bei der An- Wendung von Zierraten manche und nicht unbedeutende Schwierigkeit verursacht, ganz ebenbürtig verwendet werden kann, und hat der Schreiber die Arbeiten seiner christlichen Collcgen gewiss studiert, sehr viele gesehen und hat dann selbstständig und ganz originell ihre Anwendungen und Erfahrungen für seine Fälle verwerthet. Das Wort צא der Stelle צא וי״מד מה בקש לבן הארמי לעשרת ist geradezu glänzend durchgeführt. Auch der Wechsel in Grösse und Farbe, dann Vertheilung der Zeilen, Entwickelung der Schriftreihen, Alles zeigt von künstlerischem, feinem Einpfinden. Der Vorgang, den der Schreiber beobachtet hat, scheint folgender gewesen zu sein: er hat zunächst jene Gegenstände, die er zu illustrieren und hervorzuheben beabsichtigte, in ihrem Umfange und in ihrer Lage bestimmt und die Grenzen derselben fixirt, dann die Schrift angeordnet, ausgetheilt und geschrieben. Die Zierschriften jedoch und die Bilder hat er nach Fertigstellung der Schrift und gelegentlich gemacht, er hat gewiss auch Versuche vorher auf andern Blättern vorgenommen. Die Grenzen der Bilder und die geraden Linien für die Sehriftzeilen hat er mit einem harten Gegenstand, vermuthlich einer Knochenspitze, vorgerissen, wie es auch heute noch die Thorarollenschreiber machen, zu deren Gilde er jedenfalls gehört hat, und diese scheinen im Mittelalter eine eigene Gilde gebildet zu haben. Für die fortlaufende Schrift hat er stets bloss die obere Linie vorgerissen und hat mit der Feder gleich ohne jede Vor- Zeichnung geschrieben. Er war so sicher, dass er die zweite untere Linie nicht brauchte, um die Buchstaben gleich gross zu schreiben. Die Schrift ist auch sehr schön und deutlich, namentlieh gleichmässig; der Charakter derselben, ob gross oder Miniatur, ist derselbe, woraus zu schliessen ist, dass der Bildercyclus, die Haggadah und der lithurgische Anhang auch von einer Hand her-

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