Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1899
- Issue
- 2 (1899)
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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— 118 — Die Kanten der Blätter zeigen noch eine Vergoldung. Das Pergament aller drei Sorten ist sehr fein ausgearbeitet und überschliffen worden. Die Composition der Bilder dürfte auf anderen Blättern vorgenommen worden sein, weil die ausgeführten keinerlei Spuren von Proben und Versuchen zeigen. Die Contouren wurden mit einer Feder und blasser Farbe — Sepia oder ähnliches Braun — ausgezogen. Die geraden Linien sind nicht mit der Eeissfeder und dem Lineal gemacht. Mit einem harten Stifte wurden sie vorgerissen und dann sind sie entweder mit dem Pinsel oder mit der Kielfeder nachgezogen worden. Die kreisförmigen Linien sind nicht mit dem Zirkel gemacht, nicht einmal sind sie damit vorgerissen, vielmehr aus freier Hand erzeugt. Alle Darstellungen sind nach Herstellung der Contouren mit den Lasurfarben herausschattirt worden, den Localton gab das Pergament, zum Schlüsse wurden die Hintergründe mit der Deckfarbe gemalt, meist in blau und roth. Hierauf wurden dann die Wanddessins aufgetragen und zwar wieder mit Deckfarben. Eine sehr grosse Geschicklichkeit und Sicherheit verrathen die feinen weissen Bankendessins auf den Wänden. Diese sind; ohne dass sie vorher vorgezeichnet worden sind, direkt mit dem Pinsel aufgetragen worden. Wer selbst solche je ausgeführt hat, weiss, welche Gewandtheit erforderlich ist, das so zu machen, wie es diese Bilder aufweisen. Alle Bilder sind mit Eandleisten eingefasst. Für die Hintergründe wurden nur 2 Hauptfarben verwendet: ein lichtes Blau und ein stumpfes Both. Die Bandleisten haben dann stets die andere Farbe. Ist der Grund roth, dann ist die Leiste blau und umgekehrt. Die Leisten alle haben nahezu die gleiche Breite und ist die farbige Borde derselben durch je einen starken schwarzen Strich begrenzt. Die an den Ecken entstandenen Quadrate sind vergoldet. Auf den farbigen Grund der Babmung wurde mit Deekweiss in feinen Linien ein wellenförmiges Band gezogen, dass von feinen weissen Linien eingesäumt ist. Die geradlinigen Wanddessins rufen den Eindruck einer Plattenverkleidung, mitunter den eines Teppiches hervor. Das Gold ist meist als Blattgold aufgetragen und dann poliert worden. Dieses hat sich auch sehr gut erhalten und zeigt heute noch seinen starken Glanz. Es gibt aber auch Stellen, wo das Gold mit dem Pinsel aufgetragen worden zu sein scheint, dieses erscheint matter und hat sich auch nicht so gut erhalten. Auch den Achatstift hat der Illustrator angewendet, besonders, um durch Goldpunkte, die eingraviert werden, zu wirken. Was im Allgemeinen die Illustrationen betrifft, so weisen sie den Charakter des XII. und XIII. Jahrhunderts auf und könnten ebenso gut von einem kunstfertigen Klosterbruder her-