Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1899
- Issue
- 2 (1899)
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 117 — Sehr reich ausgestattet ist Seite 5, womit die Erzählung der Haggadah beginnt. Zwei Wappenschilde in den unteren Ecken, von denen das linke auf Goldgrund eine rothe aehttheilige Rosette, das rechte einen rothen Flügel zeigt, sind umrankt von Laubstengein, die rechts und links am Lande sich emporziehen. Die bunten Stengel sind die verlängerten Schwänzenden zweier bunter Greifen, die unten in der Mitte sich gegenüberstehen. Unter ihnen kauert ein Löwe. Auf den Blattspitzen der Aeste des linken Stengels sind verschiedene Yögel, und andere leere Stellen der Tafel füllen ein Yogel, ein Schmetterling und eine Fledermaus aus. Das Wort הא in Goldschrift auf blauem mit weissem Lankenornament geschmücktem Grunde ist eingeschlossen von reichornierten Rahmungen, die in bunten Farben auf Goldgrund ausgeführt sind. Das Ganze ist bekrönt von zwei ornierten dreitheiligen Masswerksgiebeln, als deren Hintergrund eine zinnengeschmückte Mauer mit an den Endseiten angesetzten thurmartigen Gebäuden dient. Ueber der Mauer in der Mitte ist noch ein drittes Wappenschild angebracht, dessen Fläche nach vertikaler Lichtung 5 braune goldgefasste Streifen auf rothem (!runde enthält. In der Farbenstimmung und in den Formen ist dieses Blatt vollkommen den frühmittelalterlichen Malereien an Manuscripten vergleichbar. III. Der poetiseh-lithurgisehe Anhang. Derselbe zeigt keinerlei Illustrationen noch Zierschriften, auch hier fehlen manche Texte und Wörter. Die Schrift ist sehr hübsch und es war wohl auch eine, wenn auch bescheidenere Ausstattung beabsichtigt, was aus den leer ausgelassenen Stellen und den vorgehobenen Wörtern entnommen werden kann. Man sieht auch, dass der Schreiber einen feinen Sinn für die Schriftgruppirung und Anordnung hatte. * Der ganze Codex besteht aus Pergamentblättern von 16 cm Breite und 22 cm Höhe. Es wurden drei verschiedene Sorten verwendet. Für den Bildercyclus ist die stärkste Gattung gewählt und sind die Blätter nur an einer Seite benützt worden. Für die Haggadah wurde eine etwas dünnere Sorte genommen und sind die Blätter beiderseitig benützt. Für den Anhang wurde die schwächste Sorte, nicht viel stärker als gewöhnliches Schreibpapier, angewendet. Auch hier ist beiderseitig beschrieben worden.