Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1899
- Issue
- 2 (1899)
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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115 — Blatt 34. Ein Vollbild, darstellend das לבית הכנסת also die Synagoge. Man befindet sich vor der westlichen Hauptmauer einer solchen. Durch eine grosse mit einem Rundbogen überspannte Oeffnung, also den Haupteingang, fällt der Blick in das Innere des Raumes, wo im Hintergründe die Innenseite der östlichen Abschlussmauer sichtbar wird. Eine Nische in derselben, welche durch zwei Thüren verschliessbar ist, lässt den Oraun ha-kaudesch erkennen. Er steht jetzt offen, und es lehnen darin drei Thoras, mit den Mänteln und dem Metallschmuck bekleidet. Ein Mann, wohl der ״Schames“, ist gerade im Begriffe, die Thüren des Schreines, die aus Holz angegeben sind, zu sehliessen, denn er ergreift mit der Rechten eine derselben. Von der Decke herab hängen rechts und links eine Lampe. Im Fond steht der ״Almemaru. Im Vordergründe bemerkt man Leute, die gerade das Bethaus verlassen. Sie treten durch das offene Synagogenthor in’s Freie. Ein älterer Mann hält die Rechte segnend über dem Kopfe eines Knaben, während ein kleinerer Knabe dessen Linke erfasst, um sie zu küssen. Das ganze Gebäude ist aus Quadern errichtet, man erkennt die einzelnen sehr deutlich sowohl von Aussen als an der Innenwand. Die kleinen Rundbogenfenster sind vergittert. II. Die Haggadah. Auf 51 Blättern ist sie geschrieben und illustriert. Die Blätter sind beiderseitig verwendet. Auf manchen Blättern ist die Schrift begonnen, aber nicht vollendet. Manche Seite ist ganz leer. Die Anfangswörter der einzelnen Abschnitte, oder solche, die eine besondere Bedeutung haben, sind reich orniert und mit Gold und mit Farben behandelt, ähnlich und im Sinne der Ausführung der Zierschriften an anderen Bilderhandschriften des Mittelalters. Am Schlüsse der Seiten sind mitunter Zierraten angebracht, vorstellend Drachen, Greifen, schlangenartige Thiere mit Menschenköpfen, dann Vögel u. dgl., alles stark stilistisch. Sie können jeden Vergleich aushalten mit den besten anderen Darstellungen der gleichen Zeitperiode. Mitunter sind auch im Texte figurale Darstellungen. Manche versinnbildlichen einen Spruch oder einen Satz des Textes, auch hierin ähnelt der Codex den anderen Bilderhandschriften. Seite 26 ist darauf hingewiesen, dass die Israeliten dem Pharao Pithom und Ramses bauen mussten, und man sieht dies illustriert durch 2 Gebäude. Seite 39 spricht vom Tode der Erstgeborenen. — Man sieht als Illustration einen todten Knaben.