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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 107

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1899
Issue
2 (1899)
Date
1899-01-01
Page
Seite 107 (sequence 21)
Language
German
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— 107 Blatt 14. ופרעה הולם lautet die Ueberschrift. In einem Bette, dessen Tuch in reichen Falten bis zum Boden fällt, liegt Pharao bedeckt mit einer weissen, lichtblau dessinirten und rothbordirten Decke, ein schwerer grüner Vorhang deckt seitlich das Bett, damit man ihn in seiner Königswürde sofort erkenne, hat er die Krone am Haupte, von welchem langes Lockenhaar herabwallt. Er schläft und es ist gar nicht schlecht gegeben, wie er das Traumgesicht verfolgt. Man sieht das wovon er träumt: 7 magere und 7 fette Kühe; 7 volle, gute Halme auf einem Stengel und 7 leere Halme ebenfalls auf* einem Stengel. — Darunter das Bild zeigt uns Josef vor Pharao. Auf einem vergoldeten Throne sitzt Pharao mit der Krone auf dem Haupt in einen rothen Obermantel gehüllt, dasselbe wallende blonde Haar wie früher bereits erwähnt. Bedeutungsvoll blickt er den vor ihm stehenden Josef an, ihm mit dem Finger der Pochten noch mehr die Wichtigkeit der Antwort nahelegend. Dieser erscheint bartlos, denn er musste ja nach aegyptischer Sitte Kopf und Barthaar scheeren lassen — allerdings hat der Maler ihm hier im Bilde doch das Haupthaar lang gelassen — Josef also steht vor Pharao und die denkende Miene, die er annimmt, sowie die ab wägende und abzählende Haltung der Hände zeigen uns seine geistige Arbeit, die er hier verrichtet. Im Hintergründe sieht man noch drei Minister des Königs auf einer Bank sitzend, der Traumauslegung mit gespannter Aufmerksamkeit folgend. Der Ausdruck im Uesichte aller dieser Personen ist sehr gut gegeben, trotz der bescheidensten Mittel, die angewendet worden sind. Blatt 15 zeigt uns Josef wie er Yorräthe sammelt. Fr sitzt auf seinem um Stufen erhöhten Sitze mit einem Stabe in der Hand, um das Geschäft zu leiten. Männer besteigen Leitern, die an kegelförmige Gebäude angelehnt sind und entleeren aus ihren gefüllten Säcken den Inhalt in die obere Mündung der Behände. Man hat hier die altaegyptisclien Getreidespeicher vor sich, die der Sicherheit wegen von oben gefüllt und auch da verschlossen wurden. Reste, die man gefunden hat, bestätigen diese Annahme. Zu Füssen Josefs sitzt ein Mann auf der untersten Stufe mit einem Schreibblatt und Stift, um die Vorräthe zu registrieren. Im darunter hefindlichen Bilde sitzt Josef auf dem vicekönigüchen Throne. Die Hungersnoth ist in Kanaan ausgebrochen und auf Geheiss des Yaters erscheinen Jacobs Söhne vor ihrem Bruder Joseh Demuthsvoll bücken sie sich vor ihm, der vorderste, vermuthlich Ruhen, faltet bittend die Hände, ein anderer kreuzt die Hände vor der Brust, indem er niederkniet. Die Köpfe dieser Figuren sind recht gut und wie man aus Josefs strenger Miene entnehmen kann, mag wohl die Erinnerung an seine einstigen Träume in ihm gerade auf getaucht sein.

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