Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1899
- Issue
- 2 (1899)
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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106 — stehenden Garbenbund und vor demselben elf kleinere Bünde in geneigter Stellung. Reizend ist der feine Wanddessin, der in Weiss auf der Deckfarbe aufgetragen ist. Mit dem Texte: ויספר יוסף.את חלומו לאחיו ־ וינער בו אביו ־״ ויקנאו בו אחיו überschrieben ist ein Bild. Jacob sitzt auf einer Bank, vor ihm stehen seine elf Söhne und zwischen ihnen und dem Vater steht als kleinster, einem Knaben gleich, Josef mit unschuldsvoller lächelnder Miene. Seine Brüder gesticulieren heftig, sie beklagen sich bei dem Vater wegen der Träume, die Josef ihnen erzählt hat, und jener verweist seinen Josef, indem er ihn warnend seine rechte Hand entgegenhält. Blatt 12. Josef wird in die Cisterne geworfen. Zwei seiner Brüder fassen ihn und stecken ihn kopfüber über den Rand des runden Aufbaues einer Cisterne. Nebenan liegt der ihm ausgezogene Oberrock und einer schlachtet einen Ziegenbock, um in dessen Blut den Rock zu tauchen. Neun der Brüder stehen bei der Heerde und betrachten freudig und rachegestillt das Schauspiel. Unterhalb das Bild zeigt den Verkauf Josefs an die Jischmeelim. Zwei Schwarze, nach Farbe und Typus Neger, zählen Silberlinge zu Händen eines der Brüder, von denen fünf sichtbar sind. Josef, der schon vorher aus der Cisterne geholt worden ist, steht als Knäblein abgebildet, die Händchen gefaltet, wie zum Gebete, neben den Jischmeelim. Man sieht noch drei Kameele, die zur Karawane gehören, sie sind nicht viel besser als die oben geschilderten gegeben. Blatt 13. Ueberschrieben: ותשא אשת אדניו את עיניה אל יוסף zeigt im Bilde auf einem Ruhebette, vor welches ein grüner Vorhang gehängt ist, die mehr mädchenhafte Gestalt der Frau des Potipbar. Sie fasst mit beiden Händen das rothe Obergewand Josefs, der sich flüchtet. Gleich daneben sieht man ein thurmartiges Gebäude mit vergittertem Fenster, durch dessen geöffnete Thüre Josef in den Kerker gebracht wird. Ein Mann mit einer schwarzen Spitzkappe, das Schwert an der Seite, vollführt die Verhaftung. Hiedurch ist der aegyptische Polizist charakterisiert. Die Ueberschrift lautet: .וימה אדני יוסף אותו ויתנהו אל בית הסהר Im Bilde darunter sieht man Josef, dem mittlerweile im Kerker ein Vollbart gewachsen ist, er steht neben einem Hause, den grossen Schlüssel in der Hand — eine wahre Petrusgestalt — er ist ja vom Kerkermeister zum Gefangen-Aufseher eingesetzt worden. Von den beiden Figuren, die vor ihm stehen, ist die eine der königliehe Mundschenk und die andere der königliche Mundbäcker. Dem Einen hat er bereits seinen Traum gut gedeutet, was den Andern veranlasst, auch seinen Traum der Deutung vorzulegen, sie erscheinen wie zwei Heiligengestalten, die neben dem Gefängnisse stehen.