Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 46 (16.12.1927)
- Date
- 1927-12-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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yjgxr.!11 TU i- .»5 h$ |i {;4} Wß!11 | i. י Seite 234 JÜDISCHE PRESSE; Nr. 46 L eb ens ver sieherangs ״ Gesellschaft ״Phönix“ Zentraldirektion{ Wien, 1. Riemergasse2׳ Gegründet 1882 Gegründet 1832 Volleingeiahltes Aktienkapital 4,000.000 Schilling Versidiernngsliestdnd per Ende Juni 1927 Ober 1300 Millionen Schilling Prämien- und Zinseneinnabme im Jahre 1928 rund 54 Millionen Schilling Vcrtragsanstalt zahlreicher gewerblicher Organisationen und Berufsgi uppcn im In- und Auslande, empfiehlt sich zum Abschlüsse von Lebens-, Renten-, Aussteuer*. Unfall-, Haftpficht-, Autoversicherungen Filialen in allen Bezirken Wiens, in allen Landeshauptstädten und größeren Ortschaften Oesterreichs Tätigkeitsgebiet außerhalb Oesterreichs: Deutschland, Frankreich, Betgien, Holland, Spanien, in der cechoslow. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslawien, ßulgaiien, Griechenland, Türkei, Ae ypten und Palästina Spendet für den der Adas Jisroel, Wien, II., Nesiroygasse 11 leichtes Spiel. Jerusalem hat bisher keine Gemeinde in unscrcm Sinne, weder im Sinne des Gemcindezwanges überhaupt noch im Sinne der Erkenntnis einer Pflicht zur Gem'eindesteucr selbst. Die Kreise des Waad ■Leumi, mit denen ich zu sprechen Gelegenheit hatte, zweifeln sehr, ob aus der ganzen Gemeindevcrfassung eine gesunde Gemeitiide überhaupt herauskommen wird, da eine andere Deckung• der Gemeitidebediirfnisse als aus indirekten Steuern nicht möglich sein wird. Diese indirekten Steuern beruhen 'auf rituellem •Fleisch, der •Mazzothherstellung und eventuell dem Friedhofswesen. Nun ist aber das Friedhofswesen bei den Aschkenasim vollkommen Sache der; Chewra Kadischah, die sicher in ihrer Form für alle in Jerusalem wohnenden Juden bestehen bleiben wird. Die sephardische ״Gemeinde“ arbeitet selbstständig auch auf diesem Gebiet. Wenn also eine Kongregation im Sinne der Gemcindeordnung bestehen soll, so muß sie entweder zu den Mitteln der Subvention von außen greifen oder sich eigene Institutionen schaffen. Ich sehe hiefiir bei neuzubildenden •kleinen!Kongregationen!keine Möglichkeit. Waäd Hai’r Aschkenasi hat •seine Schechita und seine Mazzothb'äckerei und'bietet dadurch einen gewissen Anziehungspunkt. Diese realen Tatsachen •bilden den Grund meiner!Hoffnung auf die Schaffung einer einzigen orthodoxen Kongregation :in Jerusalem. . Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack 50: kg angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons K JULIUS HABER kehlen- und Koksgroßhandlung Nordbahnrutschen Wien, II., Taborstraße 0 3. Kohlenhof Nr. 372-378 Fernsprecher Kr. 41-0-22 Bi Oberrabbiner Prof. Dr. H. P. Chajes gestorben. Er war unser •Gegner, doch war cs ehrenvoll, mit •ihm die Klingen ,zu messen. Sein feines ■Verständnis für alles Menschliche, seine leidenschaftliche Begeisterung für alles Jüdische zwangen auch den Gegner zur Achtung vor seiner nicht •alltäglichen ,Persönlichkeit. Mit allen Zweigen der jüdischen Wissenschaft schon im zartesten Kindesalter vertraut — er war ein Enkelkind des großen!Hirsch Ghajcs aus ,Brody —, wuchs er zu einem •Gelehrten von Namen und Rang empor. Sein ׳Gelehrtenweg •führte •Min über den ,Rahmen der Tradition hinaus, so daß seine schon vor Jahrzehnten im •Druck veröffentlichten Kommentare zu einzelnen Teilen der!Heiligen Schrift es erkennen ließen, •daß er die Glaitbensanschairangeri der Orthodoxie nicht!mehr teile. Oberrabbiner •Ghajes war, obwohl ein großer Gelehrter, doch ׳keine Gelchrtennatur. Es litt ihn :nicht lange in der Stille der Studierstube* Die begeisterte!Hingabe an •das von ihm für richtig erkannte Ideal des . modernen Zionismus stellte ihn affrald inmitten des politischen Kampfes. Im schroffen .!Gegensätze .!zu seinem Vorgänger 'Oberrabbiner Dr. Gtidemann war ׳Oberrabbiner!Dr. Chajes ein glühender Zionist, und seine tiefe Liebe zum jüdischen Land und Volke durchleuchtete alle seine Reden, alle seine Hand- Jungen. So ward allmählich ׳die Kanzel des Tempels in der Seitenstettengasse, die früher ׳durch die Wirksamkeit von!Mannheimer, Jellinek und Güdemann die Stätte , hotniletlsoher Beredsamkeit und religiöser Erbauung war,’ •zum Stützpunkt des politischen Zionismus und!jüdisch,nationaler Politik in Wien.!Mehr •aber noch als die Kanzel, die dem Wesen Oberrabbiner ־Ghajes’ immer fremd blieb, war •die Volksversammlung die 'Stätte ,seiner Wirksamkeit. ׳War einst ׳die Synagoge •der Versammlungsort des Volkes, so war Oberrabbiner Ghajes!bestrebt, die M׳assenversammltmgen der •modernen Großstadt zu einer Stätte der Weiihe und Erbauung des Volkes auszügestalten. In diesen Ver- Sammlungen propagierte ׳O^rrabbirier Chajes. unermüdlich sein!Ideal: den ,Aufbau. Palästinas, den Aufbau ■Palästinas unter allen Umständen. ׳Alles, was zu diesem Aufbau!beitrug, war ihm heilig: ׳jeder, der an diesem .׳Aufbau arbeitete, war ׳ihm •kostbar. ׳Die schwersten religiösen 'Bedenken ׳mußten vor diesem Willen ,verstummen. Diese Anschauung FRANZÖSISCHE LINIEN VON HAMBURG, HAVRE, BORDEAUX, OENUA, MARSEILLE NACH Süd-Amerika! illlllllllllllllllllllllillll₪lllll₪ BRASILIEN, URUGUAY, ARGENTINIEN KUBA, MEXIKO illlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllir׳ COLUMBIEN illllllllllll!l!!l!ll₪llllllll!!!!!!i!lll!IIIH VORZÜGLICHE EINRICHTUNGEN DER 3. KLASSE RITUELLE KÜCHE WIEN, IV., WIEDNER GÜRTEL 24 (GEGENÜBER SÜDBAHNHOF) brachte Oberrabbiner Chajes in schroffen Gegensatz zur Orthodoxie, die es unmöglich zugeben kann, daß ein rechtgläubiger Jude auf das Primat der ׳Religion, unter welchen Umständen immer, verzichten könnte. Gähnte also derart zwischen Oberrabbiner Ghajes und der Orthodoxie eine unüberbrückbare re I i g i ös e!Kluft, so trennte i!h11׳ von der großen Majorität der Wiener Juden, •die ■entweder sozialistisch oder bürgerlich-liberal eingestellt sind, •ein großer politischer *Gegensatz. Es bleibt erstaunlich, wieviel Oberrabbiner Chajes trotz dieser ׳hemmenden Umstände!in seiner zehnjährigen Tätigkeit als, Oberrabbiner von •Wien auf sozialem und pädagogischem Gebiete leisten konnte. Sein rastloser Eifer und seine Hingabe für alles, was er tat, eroberten •neue wertvolle •Positionen und schufen neues Leben auf!Gebieten, die man in Wien!lauge Jahre hindurch für ׳das Judentum als verloren gehalten hatte. Seine ,große Liebe •zur Jugend, die zu lehren ■und bilden er viele Stunden seiner arbeitsreichen Tätigkeit opferte, sein tiefes jüdisches 'Mitgefühl für- •jeden;leidenden Menschen ließen’!ihn ׳jede Rücksichtnahme •auf seine ■eigene Gesundheit vergessen, und so war es ־ihm vergönnt, fast •bis zur letzten Stunde seines Lebens Liebeswerke •an Leidenden zu •üben, Diese, alle Gegensätze ü׳b er brück ende Liebe wird Oberrabbiner Ghajes. auch bei seinen einstigen religiösen. ׳und!politischen!Gegnern ein ehrenvolles Andenken ׳sichern. J. # Das Leichenbegängnis. Das Leichenbegängnis ist!auf Freitag, halb 12 1Uhr" angesetzt •und findet vom ersten Tor •des Zentralfriedhofes statt. Die Wiener jüdische Gemeinde beklagt, aufs tiefste erschüttert, den Heimgang ihres ehrwürdigen Oberhauptes, des Herrn Oberrabbiners Professor der am 13. Dezember 1927 im 52. Lebensjahre jäh aus dem irdischen Leben abberufen wurde. Eine überragende Persönlichkeit, gleich ausgezeichnet durch hohes Wissen wie durch die edelsten Eigenschaften des Herzens und des Gemütes, rastlos und unermüdlich bis zum letzten Atemzuge bestrebt, dem Judentume und seiner Lehre zu dienen, ist unserer Gemeinschaft entrissen worden. Unlösbar bleibt sein Name mit der Geschichte des jüdischen Volkes und unserer Gemeinde verknüpft. Die irdische Hülle des Verewigten wird Freitag, den 16. Dezember 1927 um halb 12 Uhr vormittags auf dem Zentralfriedhofe (israelitische Abteilung), I. Tor, in dem von der israelitischen Kultusgemeinde Wien gewidmeten Ehrengrabe beigesetzt werden. Wien, 14. Dezember 1927. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien. 5323535323232348534823232353482323 6309083443750813014839