Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 45 (9.12.1927)
- Date
- 1927-12-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 278 JÜDISCHE PRESSE Nr. 45 gl Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von M 1 Sack 50 kg angefangen franko Haus, ebenso in Hl Fuhren und Waggons 1 3$ I JULIUS HABER I Kohlen- und KoksgrolShandlung m Nordbahnrutschen Wien, II., TaborstraBe 9 111 3■ Kohlenhof Nr. 372-376 Fernsprecher Nr. 41-0-22 Verfügung stellen, die ihre eigenen Verfassungsgrundsätze nicht ernst nimmt. Schließlich wird die Einberufung der zweiten Kenessio die erwünschte Veranlassung geben, eine moralische Abrechnung zu halten mit allen jenen Gruppen der unabhängigen Orthodoxie, die gesinnungsmäßig zur Agudas Jisroel gehören, aber aus persönlichen Gründen von jeder aktiven Mitarbeit sich fernhielten. Die Führer der Agudas Jisroel haben während der letzten fünf Jahre *viel ged •c r n t, viel a n E ti 11 ä 11׳ •s c h u tt g e 1t u .n •d viel a n erhebenden!Momenten e r 1 e!b t. Sicherlich wird es an der!Berliner Zentralratstagung zu bewegten Szenen und zu ernsten Auseinandersetzungen kommen. Unter allen Umständen!kommt daher dieser Zentralratstagung schon wegen des einen P u n k t e s: Einberufung der zweiten Ketiessio die h ö c 11 s t c ,B e d e u t u n g zu. 1Hoffentlich werden die Zentralste ihrer Aufgabe gewachsen sein. P. Das Programm der Zentralratstagung. ,Der Geschäftsführende Ausschuß der Agudas Jisroel beruft;im!Einvernehmen mit dem Präsidium des Zentralrates eine!Plenarsitzung dieser Körperschaft auf Ende Dezernber nach!Berlin ein. Die Beratungen beginnen Dienstag den 27. Dezember und sollen am Nachmittag des 29. Dezember zu Ende gehen. •Die Tagesordnung Ist unter Vorbehalt von Aendcrungen wie folgt festgesetzt: Dienstag den 27. Dezember, nachmittags 4 Uhr: 1. Eröffnung durch den Vorsitzenden des Zentralrates amd Konsttaiierung des;Bureaus. 2. Bericht des Geschäftsführenden Ausschusses, a) Organisation und Finanzen; b) Politische Arbeit; c) Erez Jisroel-Arbeit: d) Keren ,Hathora- Arbeit. 3. Spezialbericht der politischen ׳Kommission, insbesondere über die Innenpolitik der ,Länder. 4. ■Die Lage in Sowjetrußland. 5. Allgemeine Aussprache. 6׳. Wahl einer Organisationskommission!und •einer' iPinanzkommissiion. .Mittwoch den 28. Dezember, vormittags halb 10 Uhr: 1. Antrag des G. A., betreffend Einberufung der Kenessio Gedaulo. 2. Die Organisation der Jugend und der Poale Agudas Jisroel. 3. Die Aulim-Erage. ל Mittwoch, nachmittags 4 Uhr: 1. Die politischen Erez-Jisroel-Fragen. 2. Bericht der .Finanzkommission und der Organisationskommiission, /Beratung und Beschlußfassung über die ׳Einberufung der •Kenessio ,Gedaulo. 2.!Die Organisation ■des ,Rabbinischen Rates. 3. ,Bericht •über die Ergebnisse •der Palästinatagung und eventuelle Beschlußfassung. Der Tagung geht eine Vcrtrauensmännerkonferenz der Palästinazentralc voraus, die Montag früh beginnt und Dienstag mittags endet. Die Tagesordnung lautet: 1. Tätigkeitsbericht und ,Berichte der!einzelnen Landesorganisationen. 2. Ausbau des Talmud-Thora-Schulwesens der Agudas Jisroel in Erez Jisroel. 3. Wirtschaftliche Arbeit *in!Erez Jisroel. Ferner veranstaltet der ■Keren ,Hathora eine ge-!schlossene pädagogische Konferenz. Die Mitglieder des Zentralrates und der verschiedenen an der Tagung beteiligten Aguda-Organisationen wollen sich wegen Unterkunftsmöglichkeiten und aller sonstigen mit •dem Berliner Aufenthalt in Verbindung stehenden Angelegenheiten an Herrn Generalsekretär Albert Leopold, Agudas Jisroel,;Berlin N. 54, Gormannstraße 27, wenden. Die Tagung des Zentralrates findet im Hotel Atlas, Berlin, Friedricljstraße 105, statt. ❖ ,Das Programm der Jugencllagimg in Frankfurt a. M. Die Jugendorganisation der deutschen Agudas- Jisroel (A. J. J. O.) veranstaltet an den Chanuka-Tagen dieses Jahres (24. bis 26. Dezember) einen Bundestag ,in Frankfurt 1a. M. Die hervorragenden Punkte der Tages- Ordnung sind folgende: Samstag den 24. Dezember, abends 8 Uhr, ist im Festsaale des!Hafidwerkerhauses feierliche Eröffnungssitzung, in deren Mittelpunkt ein!Referat des Herrn Jakob Rosen heim über ,Die!Politik der A gu d a■s - Ji s r o e 1“ steht. Die Ver- Sammlung ist öffentlich. Am darauffolgenden Tage referieren die ׳Herren Dr. Eli Munk •((Berlin) und David Uli mann (Kassel) über ״Die Aufgaben der Agudas- Ji s r 0 c 1 - J*u g e nd b e w e gu n g“ sowie Herr Jakob!Landau (Frankfurt a. M.) über ״,Unsere Einsteilun g zu E r e z- J i s r o e 1“. Am Montag sprechen Herr Bernhard S. Jacobson (Hamburg) und Doktor A. Merzbach (Frankfurt) in einer Versammlung der ■männlichen Teilnehmer und Fräulein Dr. L!ili Fr e im ä 11:11 (!Hamburg)!in einer solchen der weiblchen über ״Die sittliche Ertüchtigung der Jugend“. Mit dieser Tagung verbunden ist ein Delegie.rtentag, ,in dem die Frankfurter Leitung der Organisation den Geschäftsbericht erstatten wird. Ferner findet im Rahmen der Tagung eine Samso׳n1-Ra.pl1a,ol-Hir!sch-1G'edächtnisau1s- Stellung, eine Führung durch Frankfurt sowie gesellige Veranstaltungen statt. Tagungsort sind!die Räume der Realschule •der israelitischen Religioinsgesellschaft. Am Tiergarten 8. —!Nähere Auskunft erteilt das Bureau des Bundestages, Frankfurt a. M., Langestraße 18. Die Machsike-Hadas-Tagung in Salgotarjan. Die diesjährige Tagung des Maohsiike-Hadas-Vereines in Ungarn, der man in ganz Ungarn mit großer Spannung entgegensah, fand am Sonntag, den 4. Dezember — 10. Kislew — im nordungarischen;Industriestädtchen Salgotarjan ׳unter großer •Beteiligung statt. Aus Budapest waren anwesend: Rabbiner Viktor Sußmatin, geschäftsführender Präses und Direktor Dr. Adolf D e׳u t s c h, ,Generalsekretär des Machsike-Hadas-Vereines, ferner Gemeinderat Desidcr Kor ein, Präses ׳des Schomre-Schabbos-Vereines, Markus Klein, Präses der Schasschewra, und Herr Moritz W e i ß. . Aus den umliegenden Gemeinden waren die Herren׳ Oberrabbiner Deutsch (ß.-Gyarmat), D e nt s c h (Päszto), P 011 a k (Verpeldt), J u n g r e i s z (N.-Berczel), Rabbiuatsassessor S i 1 b e r s t e i n (Vacz) und zahlreiche weltliche Delegierte gekommen. Nach einem herzlichen Empfang am Bahnhofe begaben sich die Gäste zum altehrwürdigen Oberrabbiner der Gemeinde. Nachmittags um halb 2 Uhr wurde die Tagung in der festlich Lüleuchteten Synagoge nach einer Begrüßungsrede ׳des Gemeindepräses Moritz Rauchwerger mit einer großangelegten Rede durch Rabbiner Sußman n eröffnet. Die weiteren!Beratungen fanden in •dem großen Saale der. Schasschewra statt. Auf der Tagesordnung •standen sieben Punkte. Das erste Referat über. S c h m 1 r a 111 S c 11 a b b o s hielt Desider Korrein. Auf!Grund seines Referates wurde beschlossen, eine spezielle Schomre-Schabbos-Sektion, welche das ganze Land umfassen soll, zu gründen. Das ergänzende Referat über die wirksame Unterstützung der sabbathaltenden Angestellten ׳hielt •Herr Moritz Weiß aus Budapest. Er trat warm für einen von Oberrabbiner Schreiber aus Erlau stammenden Antrag behufs Schaffung eines speziellen Fonds für diesen Zweck ein. Auch dieser Antrag wurde angenommen. Nachher folgte das Referat des Herrn Markus Klein über die Wichtigkeit der selbständigen Orthodoxie. Man beschloß, ׳jedwede Unifikation mit den Neologen abzu- ^ו!1וווווווו1)1!ןןןןןןןןןןןןןןןוו!ווווווווווו!ווו1]1וווווווווווווו!ו1וווו1וווו1ווו!ווווווו11ו1[ו1ווווו1וווו1ו!וווווווווווווווווווווווווווווווווווון | PROGRAMM 1 g der H | CHANUKA-FEIER | 1 der j| j Talmud-Thora-Volks- und Bürgerschule i Ü Sonntag, 18. Dezember, 3 Uhr nachm., im | § Festsaal Bayrischer Hof, II., Taborstr. 39 1 | PROGRAMM: | §§ 1. Ansprache j§ H 2. Rezitation (BürgerschüleD |j 1 3. Cellovortrag: ERNST FRIEDLÄNDER § 4. Anzünden der Lichter. Gesang. Oberkantor I BRAUN | Ü 5. Singspiel ־ Chanuka im Puppenladen 1 6. Pianistin MIZZI WERBNER | §§ a) Wolfsohn Paraphrase über ein f§ H jüdisches Lied §§ Ü b) Chopin: Etüde g I PAUSE | g 7. Rezitation: Mißglückter Vortrag §f H 8. Theaterstück: Unsere Festtage H 1 9. Trio: ERNST FRIEDLÄNDER, Mi^ZI g | WERBNER, B. ROGOVSKY g!'Arendiy 1• Satz! 1 10. Skioptikon: Herr WILLI TOCH I | 11. Epilog: ILONA SCHENK | Llll!!!ll!llllllllllllllllllllllllllllllllll|llll!ll!llllll!l!lllllll!llll|!llll!l!!!l!l!|||||l|||||||ll|||||||||||||||!||!|||||||||||||||||||||||^ lehnen und derartige!Bestrebungen energisch zurückzuweisen. Oberrabbirier!Deutsch (Päszto) referierte über J eschiwahfragen. Besonders scharf tadelte er den Uebelstarid, daß die Jeschiwahbachurim in den sogenannten Ferialmonaten ״ben Hasmanim“ müßig lierumgehen und auf ihren Schnorrtouren einen dauernden moralischen Schaden davontragen. Auf Grund •dieses Referates entwickelte sich eine lebhafte Debatte, an welcher sich die!Herren Oberrabbiner Pollak (Verpelät), Jungreisz (Berczel) und Deutsch (B.-Gyarmat) beteiligten. Es wurde der Beschluß gefaßt, die ortho׳do:<c Landeskanzlei zu ersuchen, auf irgend welche Weise eine Summe zu beschaffen, um die unbemittelten Bachurim während dieser Ferialzeit zu versorgen. Rabbi Silberstein aus Vacz referierte über die Wichtigkeit der Versorgung von verläßlichen Zizlth, Tefilim und Mesusoth. Man beschloß, einen Sofcr anzustellen, der über die Verläßlichkeit dieser Ritualien zu wachen hat. Hierauf folgte das Referat von Oberrabbiner Jungreisz, •dem man mit großer Spannung entgegensah. Dieses Referat hat schon .in der Ansetzung agudistische Färbung getragen. Es lautete •nämlich: Veranstaltungen von gemeinsamen Sijumfeierlichkeiten durch E1 n f ii h r •u n g d e s D a w - J o m •i - Sch i 11 r. Bekanntlich wurde an der Kenessio Gedaulo beschlossen, täglich ein Blatt Gemoro gemeinsam zu lernen, um auf diese Art ■in sieben Jahren ׳den ganzen Talmud durchzulernen, per Referent an •der Machsike-Hadas-Tagung begnügte sich von vornherein mit der Hälfte dieses Pensums. Er beantragte, täglich statt eines Blattes eine Seite zu lernen. Aber auch dieser Antrag drang nicht in dieser Form durch. Nach langer Debatte wurde ein Antrag von Oberrabbirier Deutsch (B.-Gyarmat) angenommen, ׳im ganzen Lande einen gemeinsamen Traktat zu lernen. Nach dieser bewegten Debatte folgte das mit großer Aufmerksamkit angehörte Referat des Herrn Oberrabbiners S u ß m a n n aus!Budapest über ׳E r e z-!I s r a e 1-A ng e 1 e g e n h e 11 e n. In warmen Worten trat der Referent für die Organisierung einer •ausgiebigen Hilfe zur Linderung der Not in Erez Israel und zur wirksamen Unterstützung!der dortigen Thoralehranstalten ein. Auf Grund dieses Referats wurde beschlossen, in ׳jeder Gemeinde zwei Gabaim einzusetzen, die die Aufgabe hätten, die Büchsen- Sammlungen zu forcieren. Nach Absolvierung der Tages- Ordnung fanden sich die Gäste zu einem gemütlichen Abend zusammen, der in bester Stimmung verlief. D. S. R. Ezechiel Landau und der erste jüdische Soldat der österr. Armee. Eine der hervorragendsten rabbinischen Koryphäen des vorigen Jahrhunderts war R. Ezechiel Landau, der ׳berühmte Verfasser der Rechtsgutachten ״Noda Bihuda“. -Ezechiel, der einzige Sohn des reich begüterten, talrnudisch gelehrten R. Juda Landau, hatte am 6. November 1713 in Opata das Licht der Welt erblickt. Frühzeitig schon wurden ihm, dem talentvollen, geistig begabten Knaben, •die ׳Pforten der religiösen Wissenschaften erschlossen, •in welchen er es zu einer solch staunenswerten Fertigkeit gebracht, daß er in seinem zwanzigsten Lebensjahre zum Präsidenten •der in •Brody damals bestandenen Gerichtsko'llegien ernannt wurde. Ein Dezennium später wurde er von •der Gemeinde zu Jampel in Podolien zürn Rabbiner ernannt. Während der Zeit, als er dieses Rabbinat!bekleidete, wurde auch an ihn in der Emden-Ei'benschitzschen Fehde appelliert. Er trat als Vermittler a׳uf und sein in ruhiger, gemessener, ׳von großer!Bescheidenheit, Charakterfestigkeit, Klugheit und!Biedersinn zeugenden Sprache abgefaßtes Gutachten vonfehlte nicht, die erhitzten Gemüter zu besänftigen, zu beruhigen und das Feuer der Zerklüftung, das!bereits große Dimensionen angenommen, zu dämpfen. Dieses Gutachten wurde allgemein als ein diplomatisches Kunststück bewundert und hatte •die Aufmerksamkeit des Prager Gemeindevorstandes, der eben daranging, die vakante Oberräbbinerstelie zu!besetzen, auf ihn, Landau nämlich, gelenkt. Landau wurde infolgedessen •im Jahre 1754 zum Oberrab'biner -der Kultusgemeinde Prag ernannt, welches hochwichtige, heilige Amt er 40 Jahre lang äußerst takt- und würdevoll bekleidet hatte. In der ersten ■Zeit hatte Luindau in Prag viele Gegner. Es waren dies zumeist die eifrigsten Verehrer des R. Jonathan Eibenschitz, die diesen äußerst scharfsinnigen Tülmudisten so gern an der Spitze des Prager iRabbinates gesehen hätten. Als Landau am Sabbat nach seiner Installation bei der dritten Mahlzeit, zu der die Honoratioren der Gemeinde geladen wurden, mit ■dem Stuhle, •der unbequem stand, ein wenig gerückt hatte, rief ihm R. Salomon Koref, eine talmudische Kapazität ersten Ranges, in anzüglichem Tone zu: ״Ist dem Rabbi der Stuhl zu hoch?“ ״Ach nein,“ entgegnete dieser, ״der Tisch ist nur zu niedrig.“ Nach und nach ist es Landau!infolge seiner immensen Gelehrsamkeit, seines Scharfsinnes und edlen Charakters gelungen, all •die!Schwierigkeiten und Hindernisse, die ihm anfangs an den Weg gelegt wurden, zu überwinden und selbst die größten Gegner sich zu Freunden und Verehreru zu machen. Er erfreute sich bald eines Weltrufes. Von allen Seiten strömten wißbegierige Jünger herbei, um mit gespanntester Aufmerksamkeit seinen Vorträgen zu lauschen. Daß die altehrwürdige Gemeinde Prag schon damals das ״wohltätige!Prag“ genannt za werden •verdiente, ist aus folgender Aenßerung eines gelehrten Mannes, der im Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts zu •den hervornagendsten Mitgliedern der Prager Jeschi'ba gehörte, zu entnehmen: ״Ich habe in verschiedenen Ländern die jiidisehen Gemeinden und JcsChiboth beobachtet. ■Ich zweifle aber sehr, 0:b jemals in einer Gemeinde der Ruf ״hisharu biwne anijirn“ so ,befolgt wurde, wie dies in Prag der Fall war. Hier wurde der arme Bocliur wirklich ״wie das Kind im ׳Hause“ betrachtet. Er erhielt nicht wöchentlich einen Kosttag; man gab ihm gerne Kostjühre! Seine!Substistenz war gesichert, sobald er den Küchenzettel anfertigte, die Sabbatlampe in Ordnung brachte und die Kinder auf einem Spaziergang begleitete. Hatte er überdies noch Unterricht im Hause zu erteilen, so wurde er dafür besonders honoriert.“ (B. Ch., 1. Jahrg. 491.) Landau zeichnete sich nicht nur als •frommer, scharfsinniger, hochgelehrter •Rabbi, sondern auch als wackerer Patriot vorteilhaft aus. Als im Jahre 1781 zum ersten Male jüdische Jünglinge assentiert wurden, hielt Landau an die Assentierten, ehe sie die Heimat verließen, eine Ansprache, in •der es u. a. heißt: ״Weichet in keinem ׳Falle vom Glauben eurer Väter und dienet unserem allergnädigsten Landesfiirsten mit gutem Willen •und rastloser Tätigkeit. Erwerbet euch und unserer ganzen Nation Dank und Ehre, damit man sehe, daß auch unsere bisher unterdrückte Nation ihren Landesfürsten und ihre Obrigkeit liebe und im Falle der ׳Not ihr Leben aufzuopfern bereit ist. Ich ,hoffe, daß wir durch euch, die ihr euch, wie es jedem Untertan geziemt, pflichtgetreu aufführet, auch noch jener Fesseln entledigt werden, die uns zum Teile noch ,drücken.“ Von dem ersten Juden, •der in der österreichischen Armee gedient, wird folgendes nicht uninteressante Histördien erzählt: Es gab eine Zeit in Oesterreich, in der eine große Frage alle Gemüter bewegte; diese Frage war die Emanzipation •der Juden. Kaiser Josef II. hatte für ■die Protestanten Ungarns ein Toleranzpatent erlassen. Der Monarch, •der eine so schwerwiegende Tatsache vollbracht, ■konnte, •das fühlte man allgemein, die Judenfrage nicht vertagen; mit!jedem Tage erwartete man eine allerhöchste Entscheidung. Jeder glaubte den Gedanken des Kaisers erraten zu können, daher debattierte man allenthalben über die Angelegenheit. Am hitzigsten wurde die Frage im ״Hugelmannschen Kaffeehaus“ nächst der Schiagbriicke in der Leopoldstadt erörtert, woselbst viele Juden zusammenzukommen pflegten. Das ״Wienerische Diarium“, ein Zeitungsblatt, das dazumal zweimal in der Woche erschien, wurde daselbst vorgelesen und der Freimut, mit welchem es die Toleranzfrage erörterte, machte dort einen angenehmen Eindruck. Es war kein Geheimnis, daß Herr von Sonnenfels, ein erlauchter Staatsmann, der ,von jüdischen Eltern abstammte, ins ׳״Diarium“ schrieb, und man glaubte allgemein, •daß dieser ausgezeichnete Rechtslehrer an der Wiener Fakultät, der mit •der ■Abfassung des Juden-Toleranzgesetzes betraut war, dem Publikum in diesem!Blatte Andeutungen über den Geist des zu erwartenden Patentes machen wolle. Eines Tages befand sich ■in der Gesellschaft ׳beim Flügelmann ein Herr, der sich dem Wortstreit sehr lebhaft anschloß und als wahrer Verteidiger der Rechte der Juden sich zu erkennen gab. Dieser Herr war allen Anwesenden fremd, doch hatten diese ihn bald liebgewontieii, denn derselbe sprach mit Ueberzeugung, mit Wärme und Einfachheit und hatte ein sehr gutmütiges, edles Aeußeres. ״Sie sollte der Kaiser reden hören,“ sagte ein Gast zu dem Fremden, ״er würde eine Freude an Ihnen haben; Sie sind so gescheit, daß Sie Minister sein könnten.“ Der fremde Herr lächelte und ließ sich nicht stören. Da trat ein alter'Jude mit langem 'Bart auf den Redner zu und fragte ihn, ob er ihm nicht behilflich sein könnte, 'beim Kaiser eine Audienz zu erlangen. ״Das ist sehr leicht“, erwiderte der Fremde. ״Sie!brauchen nur in •den Kontrollorgang zu gehen, woselbst der Kaiser täglich Audienzen erteilt; Sie werden ׳bei ihm sicherlich ein geneigtes Ohr finden.“ ״Möchten Sie mich nicht •dahin begleiten? ‘ fragte der Jude, ״ich zahle •Ihnen fünf Gulden. Ich kann nicht gut die Worte stellen, komme leicht in Verlegenheit, wohingegen Sie der Rede sehr mächtig sind.“ Der fremde Herr zeigte sich bereit, dem Juden •den Liebesdienst zu erweisen, unter der Voraussetzung, daß dieser ihm zuvor von der Sache die geeignete Mitteilung mache.!Der Jude war natürlich sofort bereit und erzählte seine Geschichte: ״Ich heiße Schimon und lebe in!Brandeis