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Jüdische Presse · 1927-03-25 · 12 (25.3.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
12 (25.3.1927)
Date
1927-03-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 12,, rüDlSCHE PRESSE Seite 80 Der jüdische Standpunkt zu den bevorstehenden Wählen. Die jüngsten Jahre brachten dem Juden bei der Aus- Übung seiner staatsbürgerlichen!Rechte die allergrößten Schwierigkeiten, namentlich bei, den Wählen. Die Schwierigkeiten begannen , etwa ז Mitte der Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts dadurch, daß!die eitle!oder andere bürgerliche Partei den Antisemitismus zu! einem Programmpunkte und es also dem Juden oft Unmöglich machte, seiner Ueberzeugung gemäß zu wählen. Die Schwierigkeiten steigerten sich durch die Nationalisierung der Juden, die in einigen Nationalitätenstaaten nach dem Grundsatz: ״Teile und herrsche“ gern gesehen wurde, und die namentlich von den Anhängern des Zionismus auf die Juden jedes Ostlandes übertragen wurde. (Es gehört nicht in den Rahmen dieser Darstellung, den Nachweis zu erbringen, daß die Zionisten selbst niemals den Versuch machten, diesen politischen Nationalismus zu den Juden in die Westlärider zu tragen, also beispielsweise auch nicht nach New York, wo die Siedlungsprozerttziffer der Juden bedeutend stärker ist, als irgendwo in der Welt. Was an dieser Inkonsequenz, die den ganzen Gedankert des politischen jüdischen Nationalismus ad absurdum führt, die Schuld trägt, das soll hier nicht untersucht werden.) Vorher konnte jeder Jude unbestritten1 seiner eigenen Neigung und politischen׳ Grundüberzeugung folgen. Drei typenartige!(Grundformen ■des politischen1 Lebens in allen parlamentarischen Staaten . standen ihm frei. .1Er konnte sich der konservativen Pavteiform anschließen, der die Erhaltung der Tradition nach Staatsform und Verfassung das Wesentliche ist, er konnte sich mit der liberalen Partei verbinden, die in ihrer äußersten׳ ,Konsequenz eine Tradition nicht kennt, für Form und Verfassung des Staates die Summe der Anschauungen der jeweiligen Majorität für verbindlich :hält und den Begriff einer Autorität prinzipiell negiert. Er konnte endlich •das soziale •Moment für ■die erste Richtschnur der Betätigung des politischen Lebens halten. Es darf •wohl als bekannt vorausgesetzt werden, daß es zwischen diesen drei großen• Differenzpunkten Vermittlungsversuche gab und gibt, die sich gleichfalls parteimäßig organisiert haben. Es steht nun fest, daß vor dem oben gezeichneten! Zeitpunkt Juden׳ in allen Parteien und deren Nuancierungen zu finden waren. Es wäre ferner festzustellen, daß •manchmal Juden ihre Stimme, wenn sie an und für sich Vertrauen zu der sittlichen Größe einer bestimmten Persönlichkeit hatten, dieser ihre Stimme gaben, ohne nach der Parteizugehörigkei zu fragen. So ist es beispielsweise zu erklären, daß fast bei allen Wahlen in Deutschland eine große Zahl jiidischer Stimmen dem Zentrumskandidaten zufielen, obwohl diese weltanschauungsmäßig sicher weit von ihnen getrennt waren. Bei der Bildung dieser Weltanschauung war eine Erwägung von besonderem Gewicht. Man sah ׳ in dem Staat ein höheres Gebilde, als etwa nur die Summe seiner Bürger und ihrer sich kreuzenden Interessen, man fragte sich stets unter einem gewissen Grad von Selbsten.täußerung, was wohl diesem höheren Gebilde und seiner geschichtlichen Bedeutung am meisten frommen würde? Das. war die einzige .Norm, die man aus dem Judentum ableitete, wobei, wie leicht ersichtlich, dem einzelnen jüdischen Individuum und seiner politischen Einstellung freier Spielraum gelassen wurde. Die persönliche Einstellung zu dem schelom Hoir, zu dem Wohlergehen des Ganzen, war die Richtschnur. Nun tritt zu den im Eingang erwähnten zwei geschichtlichen Momenten ein drittes hinzu, das sich aber noch ׳.in . Gärung befindet, und zwar, durch die Tatsache, daß namentlich in den besiegten Staaten der Staatsbegriff einen , anderen Inhalt bekommen hat. Wir , gestehen gerne zu, es ist für jeden, auch für den Nichtjüden, schwer, zu einem solchen Staatswesen, dessen geschichtlicher Inhalt, dessen politisches Ziel, ja dessen Begriff sogar unklar ist, die richtige Stellüngnaiime zu finden, anderseits ist gerade dadurch die Ausübung des wichtigsten Bürgerrechtes, der Wahlakt, von ganz besonderer Bedeutung, weil immerhin anzunehmen ist, daß ein jeweiliges Parlament neben' anderen Aufgaben des Augenblickes stets auch diese drei Punkte irgendwie ein Stück weit vorwärts zu fördern hat. Es ist also verschärfte Gewissehspflioht, bei der Abgabe des Stimmzettels sich bewußt zu sein, daß man unter Umständen einen historischen!Akt ausübt und sowohl auf die verfassungsmäßige als auch auf die sittliche Entwicklung des Wesens seines Heimatsstaates Einfluß nimmt. Wir wissen ganz wohl, daß man im Lärm des Tages man diese Ausführungen leicht als politische Verstiegenheiten ansprechen kann, allein sie erthalten doch das einzige richtig Jüdische. Das Wohl des Staates Oesterreich muß den Ausschlag bei der Entscheidung des einzelnen geben. Der einzelne hat es vor sich und seinem Gewissen zu vertreten, wo er dieses Wohl’am besten geborgen glaubt. P. K. Der amerikanisch-jüdische Kongreß und die Lage der Juden in Osteuropa. Bedeutsame Ansprache, eines nichtjüdischen religiösen Führers. Washington, 15. März. (J, T. A.) Der Präsident der amerikanischen Kommission für den Schutz der Rechte der religiösen Minderheiten, Rev. Dr. Arthur J. Brown, sprach als Gastredner, auf der Tagung des amerikanischjüdischen Kongresses und teilte mit, seine Organisation habe eine Kommission nach Europa gesandt, die die Aufgäbe hat, die Lage der Juden, in den verschiedenen europäisehen Ländern zu studieren; ihr Bericht wird in einigen Monaten fertig vorliegen. Die Frage, fuhr Dr. Brown fort,׳ ist ja nicht nur. eine jüdische, .sondern eine allgemein menschlich und . unabhängig vom religiösen Bekenntnis. Wir dürfen nicht auf dieser Seite des Ozeans ruhig zusehen, wie auf der anderen Seite Menschen grausam unterdrückt werden. Es war der Mörder Kain, der sagte, er sei nicht zum Hüter seines .Bruders; bestellt. Für ׳ mich als ׳ Christen ist es demütigend, daß Männer, die sich so nennen, sich der Mißhandlung von Nichtchristen schuldig machen. Jeder wahre Christ hat die Pflicht, solche Leute öffentlich als keine jünger Christi bloßzustellen. Ihr christliches Glaubensbekenntnis ist nur ein Feigenblatt, um die Scham ihrer unchristlichen Handlungen zu bedecken. Nicht Duldüng wollen wir, ich liebe dieses Wort nicht; wir wollen Gerechtigkeit, Brüderlichkeit. Der Geist wahrer Religion צערעס ™ ראדיאר צ עד ע ש ערצייגט בירא פירמא ג ע ארג י שיכט. א״ג׳ אויססיג אונטער אויפזיכט רעסעהרוו. העדרן ראבבינער שמחה פרענקיל תאומים אבדק״ל מקאוויו חופק״ס פאדגורזע, פאם פיעססעז דעי האמוסניססע ביז צור פ ער פ ער פזי גונג. ■י עם קאנן דאהער פאן יערעם ארטהאדאקסען יוד אפילא .למד,דיה מן המהדר יז בחג הפסח גענאססען ווערדען, דענן עס איזט איין רי־ינעס האריס פ ע מ אהנע יעדע ביימישונג. דיא פאבריס דער פירמא נעארג שיכט א״ג, אויססיג איזט דיא איינציגע אין דער טשע- כאיסלאוואקייא. דיא .ה א ה ו ס נ י ם ם ע זעלבסט צום ע ה ל ע פ ר ע ס ט אונד אויף פרעמדעס אעל ניכט אנגעוויעזעו איוט, וויא אויר צווייא ת״ח יראי ח ׳ דיא גאנצע פאברקאציאן בעאויפזיכטיגען. im Alten wie im Neuen Testament ist der Geist der Freundschaft, der Liebe und der gegenseitigen Achtung, auch wo man nicht miteinander übereinstimmt. Es wird gesagt, daß die Juden, das Wirtschaftsleben des Landes kontrollieren. Nun, ich kenne Nichtjuden, die ebenso eifrig im Geldei werben sind wie manche Juden. Die Juden stehen in dem Rufe, verschlagen zu sein. In diesem Rufe stehen aber auch die Yankees, zu denen ich gehöre. Das gleiche wird Die weltberühmten amerikanischen ־׳יק מאנישעוויטץ מצות מאנישעוויטץ גריעז מאנישעוויטץ פארפעל sind die besten ן und koschersten ■ Gries Farvel / Ueberall erhältlich l iiiMin De p o t : IGNATZ FROST Wien, BI. Haidgasse 9, Tel.46-8-89 sucht auch die Rachsucht befriedigt wird, wenn die bisherigen ״Nebenbuhler: der Raschekohl, der : Gabbai (Gemeindepräses, Tempelvorsteher) etc. etc. ,schmählich!gestürzt und -die vakant gewordenen Steilem mit ״gleichgesinnten, gutgesinnten“ Leuten besetzt werden. Je 01 n gebildeter; der Mensch, 1umso e i n gebildeter ist er auf seine nicht vorhandenen ׳Fähigkeiten, auf seine nicht vorhandenen Vorzüge, auf sein nicht vorhandenes Wissen; je ׳ungebildeter und roher! der ׳Mensch, umso leichter, umso schneller lügt er sich ׳hinein in die ׳Rolle eines Führers, aus dem alsbald ein — gewissenloser. Verführer wird; in die Rolle eines jüdischen Gelehrten, aus dem alsbald ein — gemeiner Verleumder wird; in die Rolle eines heiligen Märtyrers, der sich alsbald als das leibhaftige Ebenbild von — dem berüchtigten Horach, fluchwürdigen Andenkens, entpuppt, dessen ׳abstoßende Wesensart zu zeichnen, dessen trübes Innenleben aufzudecken, dessen unsaubere ׳Bestrebungen zu zeigen, wir bereits Gelegenheit hatten.* *) Der Boskowitzer Korach und seine Rotte, אנשים ריקים ופוחזים leere, unreife, eilfertige, leichtsinnige, ungebildete, rohe Menschen,!glaubten allen Ernstes — wie der Mensch ist, so denkt er acuh über andere—, daß Rabbi ׳Natan Adler für ״ihr Geld“ ihre unlauteren Absichten . und . fiiisteren Pläne, unter•:, stützen müsse, eine andere Aufgabe habe doch der ׳״überflüssige Luxusartikel“, der Rabbiner; nicht; Rabhi'Natan Adler wies natürlich, mit der ganzen Entrüstung einer edlen! Seele eine solche Insinuation . ־ ■■׳ .״ 1— *) S. Nr. 8 (4. Fortsetzung) der ״J. Pr/*!zurück, umso eher, umso entschiedener, ׳je intelligenter, ׳je friedliebender er war, je mehr er auf der Höhe seines heiligen Berufes stand; ,als Inhaber auch der ״dritten ׳Krone“, der ״der Thbräherrschaft“, schaute und prüfte er alles, von einer höheren Warte aus, vom Gesichtspunkte der Thora, deren Wege die der An- . mut und nicht des uferlosen Hasses sind, deren Pfade zum Frieden, zum beglückenden Frieden führen, führen müssen.’Und weil Rabbi Natan Adler so hehr und edel, dachte, so ׳hehr und edel handelte und sich ängstlich hütete, in den ׳Schmutz des Parteihasses, dessen ständige Begleiter Fluch und Unheil sind, hinunterzusteigen, darum zog er sich den unversöhnlicheri Haß dieser unwürdigen!Menschen zu, die auf Rache brüteten, und ״Weg mit einem ,so 1che n‘, oder W'enigsten von einem ,solche n‘ Rabbiner“ ward ihr Feldgeschrei. 9 Korach und seine Rotte sind •aber vorsichtig und hinterlistig genug, um, so lange wie möglich, wenigstens die ׳Leichtgläubigen über ihre schwarzen Pläne hinwegzutäuschen, und1 umwarfen sich zunächst mit d׳em Mantel der Scheinhei'ligkeit■ von jeher ein bewährtes, wirksames. Mittel, um dem Ortsrabbiner, dem gesinnurigstüchtigen, charakterfesten, ideal gesinnten Rabbiner das Leben recht sauer zu machen, ihm jede Freude an seinem; heiligen Berufe zu vergällen״ seine segensreiche Wirksamkeit zu erschweren, fast unmöglich' zu machen. Aus der Reihe dieser kleinen zank- und herrschsüchtigen Korach-Rotte, die mit den . heiligsten Gütern des Judentums frivolen Spott getrieben/ schickte man, um ein Beispiel anzuführen, pro forma eine ״Schale“, sagen wir, von einer fetten Gans, die inzwischen vielleicht gar schon verzehrt wurde, zu Rabbi Natan Adler, der sie laut Religioris- : gesetz für ״trefah“ erklären mußte; da warfen sich diese herrsch- •und rachsüchtigen. Elemente zu —. , Sach- und fachkundigen Talmudgelehrten auf und’ schrien aus voller Brust: Der ׳Rabbiner kennt sich' im Schulchan Aruch gar nicht aus; er schädigt mit seinen erschwerenden, religiösen Entscheidungen die; Gemeindemitglieder; er stiftet Unruhe in der Gemeinde; seine ganze Lebensführung entspricht gar nicht der eines Rabbiners! Und als solche und ahn- ' liehe Verleumdungen nicht zum erhofften Ziele führten — man ergatterte noch immer nicht die ersehnte Macht und Ehrenstelle —, da schob man ganz ungeniert den ׳Mantel der Scheinheiligkeit beiseite und die auflauernde, tödliches Gift aushauchende Schlange kam zum Vorschein und zur — rücksichtslosen, schonungslosen Tätigkeit. Daß der Moseisstab in eine Schlange umgewandelt und diese Schlänge wieder zu einem Stab wurde, davon weiß die heilige Thora' zu erzählen; wenn aber ein!Mensch zu einer hinterlistigen, wilden, beißenden Schlange wird, so wir er kaum je mehr wieder ein Mensch. Allerdings war jener Stäb nach der •Ueberlieferung — von d'em Bäume dtr Erkehntnis geschnitzt und der heilige göttliche Name darauf gekerbt; .während so ein Schlangenmensch oder1 Menichenschlärige vom Baume ׳ der Erkenntnis überhaupt nichts genössen, und an — G-tt — den k t er pbe׳r׳haupt ni^.hL ׳Man ward׳nu׳hZu einem Deminziänten des grbßdn, heiligen Rabbi"Natan Adler geworden, zu einem ״Mosserer“, ein Begriff, der ' 7׳J I 94559^ 9999999999

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