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Jüdische Presse · 1927-03-18 · 11 (18.3.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
11 (18.3.1927)
Date
1927-03-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 80 JÜDISCHE PRESSE Nr. II שומן TERNO 3A7 כשר של פסח (חחח השגחת הרב ר, ישעי פורסט שי0שזמ) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Jesata Fürst (Adas Jisroel) * Ueberall erhältlich! 1 W3 1 Billige Preise! Beste Ausführung! 1 V ■ Günstigste Gelegenheit durch das große Lager von dauergewellten Scheiteln und Perücken ist jetzt billigst einzukaufen Franz Emmer Damenfriseur und Pärfumeur Wien, I., Mahlerstraße 5, Tel. 77-0-54 Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack 50 kg angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons | Kohlen- und Koksgroßhandlung Nordbahnrutschen 3. Kohienhof Nr. 372-376 Wien, II., Taborstraße 9 Fernsprecher Nr. 41-0-22 nm ■□■□■□■□■□■□■□■□■□■■□■□■□■ם■□■□■□■□■□■ Spendet für den der Adas Jisroel, Wien, II., Nestroygasse 11 F—11111 iiinii■—■m—— Seit vielen Jahren das an• erkannt beste נשטודליכט Man achte auf die ges. gesch. Marke ״Hygien. Königslicht״ u. Name Schulz. Fabrik und Bureau: XIV., Jraunhirschengasse 3 כשר Fleisch u. Geflügel unter Aufsicht der עדת ישראל (Schiffschul). Se'chwaren aus der Fabrik Gabriel rischer wie sämtliche Weioe und Spezereiwaren כשר• SK. Bclc£rllt1g, Wien, IX., Liechtensteinstrasse Nr, 117 Telephon 11 6-82. — Jede Bestellung wird telephonisch ent» gegengenommen und sofort ins Haus zugestelit. Meinung, die die schachtgegnerischen Bestrebungen vorbehaltlos verurteilt. Es war — mag auch die Stellungnähme, des österreichischen!Bundeskanzlers nach der Verfassung eine Selbstverständlichkeit bedeuten eine große Befriedigung, aus dem Munde dieses Staatsmannes von europäischer Kapazität zu hören, daß, solange er einen Einfluß auf die Gestaltung der österreichischen Staatsgeschäfte haben wird, in Oesterreich von einer schachtgegnerischen Tendenz nicht die Rede sein kann. Gleichzeitig betonte Bundeskanzler •Dr. Seipel, daß er bei der Abfassung desfür Oesterreich und Deutschland gemeinsamen ׳Strafgesetzbuches auf die d i e s b e z ii gliehen Wünsche der jüdischen Konfession Bedacht nehmen werde. Dr. Seipel ist nicht nur der gegenwärtige Regierungschef Oesterreichs, sondern ein ka- 111 01 i s c 11 e r P r i e s t e r von hohe m ׳R a n g, der nicht nur Infolge seiner k i r c hliehen Würden, sondern auch wegen seiner persönlichen moralischen Qua- 1 i t ä t׳e n in der ganzen ,katholischen Welt hohes Ansehon genießt. In seiner Aussprache mit den Vertretern der Agudas Jisroel betonte dieser hohe Kirchenwürdenträger, daß ׳die schächtgegnerische Bewegung einem von den Juden als biblisches Gebot betrachteten Brauch den (Makel der Grausamkeit aufdrücken wolle. Moralische Erwägungen gehören heutzutage leider nicht mehr in die Rüstkammer der realen!Politik. Wir Juden werden aber ohne moralische Komponenten nie bestehen können. Wir J uden dürfen Dr. Seipel für diese Aeußerting dankbar!sein. Dr. ^Seipel möchte nicht nur aus Gründen der beeideten S t aatsverfassung eine schächtge gnerische Tendenz nicht aufikommen lasse n, sondern auchdeshalb, weil es seinem Rechtsgefühl, seiner christlichen lieberzeug u n g, zuwiderläuft, einem von den Juden seit jeher als biblisches Gebot betrachteten Brauch den Makel der Grausamkeit aufdrücken zu lassen. 1 Es ist zu hoffen, daß die Aeußerungeii Doktor Seipels nicht nur in Oesterreich, sondern auch im Bruderstaate Deutschland, in s b e s 0 n de re aber im 1katholischen iB.ayern, noch rechtz eitig geh ö r t w er den.!Es ist sehr fraglich, ob die ׳Beschränkung der freien Religionsübung mit den Grundsätzen der deutschen und bayrischen Staats- Verfassung überhaupt vereinbart werden 'kann. Abgesehen aber von diesen staatsrechtlichen Bedenken, wird es dem bayrischen Freistaat niem a 1 s zur ׳Ehre gereichen, einem Brauch den Stempel der Grausamkeit aufgedrückt zu haben, der den Juden seit Jahrtausenden heilig und als in der Bibel begründete Norm maßgebend ist Ein Schächtverbot oder eine ihm nahekommende Verfügung schneidet so tief in das alltägliche Leben weitester jüdischer!Schichten ein, daß die folgen schwere Angelegenheit jeden, der mit den jüdischen Verhältnissen nur einigermaßen vertraut ist, mit tiefster B e s 0 r g n i s e r f ü 11 e n muß.!Kein Weg darf unversucht bleiben, ׳um dieser anti- Rabbi Samuel Keil Halewi. Verfasser des מחצית השקל Von Rabbiner G. Löwy, Levoca (Leutschau), Slowakei. (7. Fortsetzung.) Nicht nach irdischem Ruhm, nicht nach menschlieber Anerkennung, strebte Rabbi ׳Samuel; dem Besitze der ״dritten Krone“, die ihm wiederholt angeboten wurde, entsagte er, wie wir gesehen, jedesmal willig; was er getan, was er geleistet, geschah aus lauterstem jüdischen Pflichtgefühl, aus machtigern Schaffensdrang, aus wahrem 'Herzensbedürfnis: seinem ׳himmlischen Schöpfer zu dienen; jeder Gedanke, den er gedacht, jedes Wort, das er gesprochen, jede Handlung, die er vollbracht, floß von selbst aus seiner innersten G-ttesfurcht, wie aus Bergestiefen׳ die kristallreine Quelle hervorsprudelt. Er begriff sich als einen ganz einfachen, bescheidenen, treuen Priester neben dem Hohepriester im ״kleinen Priester reiche“, als einen ganz einfachen, bescheidenen, treuen Mitarbeiter des Hauptarbeiters und gleichzeitig obersten Hüters und Wächters im ״kleinen Weinberge G-ttes der Heerscharen“, in der jüdischen Kulfcusgemeinde, welcher eben der Ortsrabbiner ist, dem in seinem schweren, verantwortungsvollen Beruf tatkräftig, behilflich zur Seite zu stehen, Rabbi Samuel für seine unabweisbare, unerläßliche heilige Pflicht hielt. Mit der ganzen Unschuld seiner engelreinen Seele, mit der Heiligkeit seines Strebens verstand er vorbildlich für jeden Thoragelehrten jenen heiligen, ersprießlichen Wetteifer קנאח סופרים semitischen Bewegung wirksam entgegenzutreten. Von diesem kategorischen Imperativ waren die Führer der Agudas •Jisroel in Wien und auch in anderen Ländern geleitet, als sie konzentrische Versuche unternahmen und unternehmen, um die drohende Gefahr abzuwenden. Die Intervention in Oesterreich, beziehungsweise die amtliche Verlautbarung über diese Intervention erfolgte zufälligerweise in einer Zeit, wo sich in Oesterreich die W a hlen in den Nationalrat in Vorbereitung befinden. Es ist bei derWahleinstel- Iitng der österreichischen Sozialdemokratie wohl erklärlic 11, daß sie diese Stellungnahme D r. Seipels a u s s c h 1 i e ßlieh aus dem Gesichtspunkte der Wahl- Propaganda betrachten und D r. Seipel Motive unterschieben, die ihm sicherlich ganz ferne liegen. Erklärlich ist es, besonders wenn man die Mentalität des H a 11 p t o r g a n e s der Wiener Sozialdemokratie kennt, verzeihlich sind die höhnischen Bemerkungen der ״Arbeiter-Zeitung“, mit w.elohen sie die amtliche Verlautbarung über den Verlauf der Audienz begleiten zu müssen glaubte, nicht. Die Herren von der ״Arbeiter-Zeitung“ scheinen die tief einschneidende prinzipielle und praktische Bedeutung dieser Frage nicht za! kennen, sonst würden sie n i e m a 1 s, a׳u c h nicht aus wa-hltaktischen Gründen, eine Angelegenheit zum Anlaß von spöttischen Bernerk■11 nge n rnachen, die für Hunderttausende von Juden von tiefem ׳Ernst i s t. Wir sind weit davon entfernt, der Stellungnähme der ״Arbeiter-Zeitung“ jene!Gründe zu unterstellen, die leider für die ׳Sozialdemokraten Bayerns bestimmend sein mochten, als sie am 8. Juni 1926 im bayrischen ׳Landtag ■merkwürdigerweise mit den Rassenschützlern für den schächtgegnerischenAntrag stimmten. Wir wollen das nicht, denn wir hoffen, daß alle Faktoren und Parteien in Oesterreich trotz aller Gegen- Sätze In der Respektierung der Staatsgrundgesetze einig sind und es bleiben werden. Das rituelle Schächten ist aber nicht nur aus dem Standpunkte der in allen modernen ׳Staaten gewährleisteten ״freien religiösen Uebung“ als j u r i- ׳s t i s c h e s Problem staatsrechtlich zu betrachten; es ist in unseren Augen ein vorwiegend mora- 1 i s c 11 e s Problem. Wir können und wollen auf die mora 1 i sehe Anerkennung unseres ׳Rechtes, auf das rituelle Schächten, nicht v e r zieh te n.‘Der Makel der Grausamk e i t, der Schimpf der Tierquälerei würde viele Millionen Juden ins moralische Unrecht setzen; Viele Millionen Juden, gerade die besten, die an den Grundsätzen und Vorschriften der Thora festhalten, protestieren im Namen diese־r Thora, d i e z u e r s t s 0 w 0 h 1 Menschen wie Tier vor Grausamkeit und 0 u ä 1 e n ■i ■n 'S c 11111 z n a 11 m, gegen diese Beschuldigung von Haß und Vorurteil irregeleiteter Menschen. Wenn wir für die Beibehaltung des ungestörten Brauches des rituellen Schlachtens eintreten, so kämpfen wir nicht nur für ein in der Verfassung gewährleistetes, sondern auch für ein moralisches Recht. Wir hoffen, daß wir in diesem K a m p f e a 11 e gesitteten!Menschen ohne Unterschied der Partei und Klasse auf unserer Seite haben werden. P. der Schriftgelehrten zu hegen und zu pflegen, aus welchem ׳ב״ב כא) חרבה חכמה die wirksame Förderung, die erwünschte Verbreitung der Thoraweisheit hervorgeht ■zum Wohle des!jüdischen Gemeindelebens, zur Ehre des Judentums, zur Verherrlichung •des!heiligen göttlichen ׳Namens; er verstand aber auch alles ängstlich zu vermeiden, daß dieser heilige Wetteifer קנאת סופרים nicht zu einem häßlichen קנאת סוחרים Wettstreit von!Mäkler- und, Krämerseelen herabsinke zum Schaden ■des jüdischen Gemeindelebens, zur Unehre des Judentums, zur Entweihung des heiligen göttlichen Namens.!Er war somit selbstredend anhänglicher Freund, Gönner, Verehrer, hingebungsvoller Mitarbeiter auch ■des Ortsrabbitiers ׳Rabbi Natan Adler, über dessen Haupt in Boskowitz schwarze unheilschwangere Wolken sich zusammenzuziehen drohten, und von Rabbi Samuel, seinem ״Balbos“ (Gemeindemitglieg), rechtzeitig verscheucht wurden. :Unsere Seele hüllt sich in tiefe Trauer, Tränen stürzen aus unseren Augen (der allmächtige G-tt ist nur Zeuge, daß wir keine leere Phrase niederschreiben), unsere Feder zittert in unserer!Hand, so wir die tiefbe trüb ende Tatsache hier verzeichnen müssen, Schamröte überzieht unser Gesicht, daß Jude n gegen den heiligen, großen, großen Rabbi Natan Adler ׳ gesegneten Andenkens eine tiefempörende Greueltat zu verüben nicht zurückschrecken! Was hat eigentlich Rabbi Nata» Adler in seiner Gemeinde verbrochen? Das ׳Herz schnürt sich einem vor Schmerz und Kummer zusammen, wenn man in der Geschichte der jüdischen Gemeinden zu einem Abschnitte gelangt,

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