Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz
- Journal
- Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz
- Volume
- 1908-1909
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1908-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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7 tiass die Knaben durch den Aufenthalt in fremden Häusern, welche von der Vermittlungsstelle in Paris bei der grossen Zahl von Bewerbungen naturgemäss nur sehr oberflächlich und von unseren deutschen Familien gar nicht gekannt werden, geistigen und körperlichen Schaden erleiden könnten. Anders verhalt es sich bei einem solchen Schülerverkehr zwischen Internaten anerkannter Schulen, wenn auch da Vorsicht geboten ist. Diese Vorsicht wurde auch unsererseits geübt Unsere Schüler waren auf der Reise und in Boulogne unter steter Aufsicht des Herrn Dr. Scherping, der auch sein Schlafzimmer in -der Nahe desjenigen der Knaben hatfe. Der Unterzeichnete trug anfangs aus gewissen Gründen Bedenken, letztere mit den französischen Schülern im gemeinsamen Schlafsaale schlafen zu lassen. Es bat sich freilich nachträglich herausgestellt dass die übergrosse Ängstlichkeit überflüssig war. Denn gerade die Verhältnisse an dem College Mariette, das unter der umsichtigen und kräftigen Leitung des Herrn Direktor Barlet steht sind in jeder Beziehung derart, dass wir ohne Bangen unsere Zöglinge seiner Anstalt anvertrauen konnten. Die Lehrer, welche im Internat die Aufsicht führen (die »maitres d'6tude«), sind zwar alle jüngere Leute, die häufig noch keine vollständige Lehramtsbefähigung besitzen, aber sie unterstehen in ihrer Amtsführung der scharfen Kontrolle des sogenannten ^surveillant generaU, des Ober-Inspektors, und in letzter Linie derjenigen des Direktors (des »Principal«). Der Unterzeichnete, der selber auf die liebenswürdige Einladung des Herrn Direktor Barlet hin die letzten vierzehn Tage der Sommerferien als Gast in seinem Hause zubrachte, hat persönlich die Anstel tseinrichtungen kennen gelernt und sich überzeugt, dass die Verpflegung und sonstige Behandlung unserer Schüler nichts zu wünschen übrig Hessen. Sie fanden bei ihren französischen Kameraden und bei den Lehrern der Anstalt ein freundliches Entgegenkommen. Der Direktor hatte einzelne seiner Schüler als »Attaches« für die unseren bestimmt die verpflichtet waren, sie in die neuen Verhältnisse einzuweihen und mit ihnen französisch zu sprechen. Ganz besonders wertvolL war für unsere Schüler die Teilnahme am Klassenunterricht. Da im Monat Juli die Abiturientenprüfungen, die in Frankreich bekanntlich nicht an den Gymnasien selbst sondern an den Universitäten (im rmiiegenden Falle an der Universite de Lille) abgehalten werden, stattfinden und da ausserdem nach dem Nationalfeste, dem 14. Juli, ein Teil der Schüler in die Ferien geht, so wraren die Klassen klein und die betreffenden Lehrer konnten sich desto besser den deutschen Gästen widmen. Und da will ich gerne mit Dank besonders eines der Herren gedenken, des Herrn Professor Didier, der sich in seinem geistvollen französischen Unterricht mit pädagogischem Feingefühl seiner jungen deutschen Zuhörer annahm. Es war eine Freude zu sehen — dessen überzeugte sich öfters der Unterzeichnete durch Anhören des Unterrichtes — wie Herr Didier es verstand, unseren Jungen die Zunge zulösen, dass sie ohne Scheu in ihren Vokabelnschatz griffen und ihm auf seine Fragen in französischer Sprache Kede und Antwort standen. Mindestens eine bis zwei Stunden mnssten sie täglich dem Klassenunterricht beiwohnen. Das war der einzige Zwang, der ihnen auferlegt wurde. Hausaufgaben brauchten sie nicht zu. machen, auch sonst wurde tunlichst alles vermieden, was ihnen ihr Recht auf Ferien yerkürzte. Nichtsdestoweniger geschah noch manches zur Bereicherung der Sprachkenntnisse, ohne dass es gerade einem Lernzwang ähnlich sah, So lasen die Knaben französische Zeitungen oder das eine oder andere Drama, das sie auf dem recht guten Easinotheater aufführen sehen wollten und auch gesehen haben. Ein grosser Teil des Vormittags und der ganze Nachmittag galt der Erholung, und da