Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz
- Journal
- Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz
- Volume
- 1908-1909
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1908-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3504366-3504421-3504422--628-3524888- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Goslar 1× ep/1044636
OCR text
5 Spiele, bei dem Aufenthalte inn Gasthause oder der Besichtigung von Sehenswürdigkeiten. Ana tkmntag abend vor dem Aufbrach zur Eeise mussten die Zöglinge um 8 Uhr zu Bette gehen und um 2 Uhr nachts aufstehen. Daun traten sämtliche Schüler zum Gebet an. Nach dem Trühstück war »Musterung«, wie der Ausdruck des Reglements lautet, wobei die Schüler nach iKompagnien« — diese Einteilungder Alumnen besteht ja noch heute an der Jacobsonschule — in blauen Kleidern und einer Lederkappe auf dem Kopfe antreten mussten. Auf stramme Ordnung wurde auch unterwegs gesehen. Die Schüler mussten paarweise marschieren, doch wurde ihnen »zur Beruhigung« versichert — das ist der Wortlaut des Reglements — dass man, so oft es die »Schicklichkeit» erlaubte, sie nicht »durch Zwang genieren« werde. Ein Schüler hatte den Dienst eines Trompeters und musste sich in der Nähe des Herrn Doctor Heinroth *) ■des Yicedirektos, aufhalten, der das Kommaudo über das Ganze führte. Auf bescheidenes Benehmen in den Wirtshäusern und bei Besichtigungen wird besonders hingewiesen, und der Direktor hält es für angezeigt, die Einsichtigen unter den Schülern durch Vernunftgründe und die widerspenstigen >Subjekte« durch Androhung von Strafen (Einsperren) zur Befolgung der gegebenen Vorschriften zu ermahnen. »Ein jeder Schüler, der nur einigermassen schon Einsehen hat,« sagt Hofrat Schott in seinem Reglement, »wird sich bescheiden, dass die vorstehenden Gesetze keineswegs geeignet sind, das Vergnügen zu beschränken, oder sie mit unnötigen Formeln zu beschweren, sondern ihnen diese Heise so nützlich als angenehm zu machen, welches nicht geschehen 'könnte, wenn ein jeder sich selbst überlassen dem andern beschwerlich werden dürfte. Jeder Staat wird durch Gesetze regiert, und Männer von Ansehen und Verstände müssen sich demselben fügen: um so weniger dürfen Kinder, die ihr eigen Bestes noch nicht kennen, die Vorschriften misskennen oder vernachlässigen, die zur Beförderung desselben abzwecken.« In diesen Worten ist klar und deutlich das sittliche Moment, welches nach der Absicht der Pädagogen bei den Schulreisen gefordert werden soll, hervorgehoben. Ebenso bestimmt tritt der belehrende Zweck dieser Harzreise der Jacobsonschüler hervor. Die Hauptetappen des Marsches waren Grand, Zellerfeld und Goslar. Bei Grund sollten der Georgs-Stollen, die Frankenscharn er Hütte, in Zellerfeld die Grube »Dorothea«, die Münze und die Stadtkirche, in Goslar der Zwinger und die Domkirche besichtigt werden. Ein Lehrer, der Rektor Hüchel, war beauftragt, »die nötigen Erklärungen über Mineralien, Seltenheiten, Altertümer n. dgl.« zu geben, ein .anderer, Herr Siedikum, sollte dafür Sorge tragen, dass »die etwa mitzubringenden Gesteine u. dgh mit ihrer rechten Benennung und dem Namen des Eigentümers versehen auf den Wagen gelegt werden«. Und schliesslich wurde befohlen, dass jeder Schüler der 1.' u. 2. Klasse — also der beiden obersten Klassen — »sich mit Bleystift und Papier versehen sollte, um das Auffallendste, was er gehört und gesehen, aufzuzeichnen, sodass er nachher eine Reisebeschreibung machen kann«. Wir sehen, alle diese Anordnungen gehen von der Absicht aus, die Reise zu einer lehrreichen zu gestalten. Dass auch das Gemütsleben der Knaben angeregt und erhoben wurde, dafür haben wohl unsere herrlichen Harzberge schon von selber gesorgt; aber auch der Direktor war darauf bedacht. Am Abend des zweiten Tages der Wanderung sollte »Schauspiel« sein, wie in den sReisedispositions« gesagt wird. Welcher Art dieses Schauspiel war, lässt sich nicht feststellen. *) Von diesoin Dr. Heinroth, welcher von 1804—1818 Lehrer an der Jacobsonschule war und -dann als Musikdirektor an der Universität Güttingen wirkte, befinden sich im Archiv der Jacobsonschule eine Reihe uagedruckter Gedichte, die er zu verschiedenen Anlässen verfasste.