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Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz · 1907-01-01 · Heft 1 · page 8

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Journal
Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz
Volume
1907-1908
Issue
Heft 1
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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IRI
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9 umwandelte und besserte» so hob er auch das Leben in der Anstalt und Hess einen freien Geist einziehen und ein schönes "Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler entstehen. — Die Eigenart der Jacobson schule, die die Aufgaben einer Erziehungsanstalt mit denen einer Lehranstalt verbindet, bedingt, dass sich der Lehrer als Erzieher betätigen muss und dass er mehr, als wohl an andern Anstalten geschieht, der erziehlichen Aufgabe auch in der Unterrichtsstunde sein Augenmerk zuwendet. Wie durch solche Verhältnisse jeder Lehrer seine Eigenart mehr ausbaut und der Unterrichtsstunde ein schärferes Gepräge gibt, so ist der Einfluss des Leiters einer Anstalt "wie die unsere es ist, auf die Entwicklung derselben und das Leben darin von besonders hervortretender Bedeutung. Und so ist die Zeit, in der Dr. Philippson die Schulleitung hatte, von Anschauungen beeinflusse die sich wenig mit denen berühren, weiche unter dem vorangegangenen Direktorate galten, Xeben pädagogischen Grundsätzen, die unverrückbar feststehen, und neben Einrichtungen, die sich von alters her bewährt haben und die als liebgewonnene Überlieferungen und Einrichtungen erhalten werden, können die Gesichtspunkte, welche als massgebend für die aasübende Erziehungskunst angesehen werden, schroffe Gegensätze zeigen. Bis zu der Zeit, zu welcher Di\ Philippson die Leitung der Schule übernahm, hatte es als Gesetz gegolten* dass die Schülerschaft, welche das Internat bildete, streng abgeschlossen innerhalb der Grenzen der Anstalt lebte. Diese Schranken fielen, als der Verstorbene Direktor wurde, und den Schülern wurden Freiheiten zugestanden, die der heutigen Generation selbstverständlich sind, zu jener Zeit aber Übergänge und Veränderungen bedeuteten, die ausserordentlich erschienen. In der ersten Konferenz, die Dr. PhHippson mit den Lehrern der Anstalt abhielt, sprach er sich über seine Erziehung&anschauungen aus: »Das Internat soll der uns anvertrauten Jugend das Elternhaus möglichst ersetzen : sie soll sich hier heimisch und wohl fühlen, und indem ich gern das grosste Mass der Freiheit gewähren will und stets versuchen werde, die Eigenart des einzelnen Schülers zu berücksichtigen, soll die Jugend für das Leben erzogen werden. Die Schüler sollen, wenn sie einst Hanner geworden sind, froh und dankbar der Zeiten gedenken, die sie in Seesen verlebten.« Das waren die leitenden Gedanken seines Programms, und diesen Grundsätzen ist er treu geblieben. Der Dank dafür fehlte ihm nicht: bei der dankbaren Verehrung, die ihm die Schüler über die Schulzeit hinaus zuteil werden Hessen, sind schlimme Ausschreitungen und Störungen der Disziplin sehr selten gewesen. Vertrauen erweckt Vertrauen, und die Erwartung, dass in der Seele eines Enaben der Anruf an sein Ehrgefühl meist Erfolg habe und die guten Geister wecke, hat ihn nie verlassen. Wie tief ihn auch Enttäuschungen und Undankbarkeit trafen, die Überzeugung schwankte nie in ihm, dass Güte und Milde, ein Verständnis- und liebevolles Eingehen auf das schwerzuverstehende Wesen eines Kindes vielfach helfend und rettend wirken, wo Strenge und starres Festhalten an Grundsätzen nur schädigend beeinflussen und die Hoffnungen, welche die Eltern auf die Hilfo der Erzieher setzen, zu nichte machen. Statt kühler Gerechtigkeit gab er Liebe und Vertrauen und glaubte fest, dass der jugendliche Geist leichter geleitet und höher gehoben werde, wenn in dem Geiste des Kindes die Überzeugung Wurzel fasst, dass der Erzieher der treue Freund ist, der auf Grund seiner Lebenserfahrung stützen und fördern will. — So bezeichnen die Jahre, in denen der Verstorbene Leiter unserer Anstalt war, eine Einlenkung in neue Bahlen der Erziehimg: nicht abgeschlossen und ausgeschlossen von dem Leben soll der Schüler seine Jugendjahre hinbringen; er soll in frühen Jahren schon lernen, dass die Schule für das Leben vorbereitet, das er an der führenden Hand des Lehrers beobachten lernt. Nicht sollen die Jahre der Schule Zeiten der Entbehrung erlaubter and berechtigter Freiheiten sein, nicht schmerzlicher Verzicht der Freuden und Genüsse, die

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