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Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz · 1907-01-01 · Heft 1 · page 3

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Journal
Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz
Volume
1907-1908
Issue
Heft 1
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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4 der trockene Geschichtsschreiber, der aus mir spricht: es ist das dankbare Herz desjenigen, der ein grosses und edles Erbe angetreten hat, und dem es anheimgegeben ist, im Sinne des Erblassers Grosses und Edles weiterzuübem Direktor Philippson, geboren am 4. Juli 1S51 zu Magdeburg, entstammt einer Familie, aus der bedeutende Männer des Geistes hervorgegangen sind. Sein Oheim Ludwig Philippson war Rabbiner in Magdeburg; sein Name wird in der Geschichte seiner Glaubensgenoasen rühmend genannt und verdient es, auch über die engen Grenzen seiner Stammesangehörigen hinaus, auch ten deutschen Volke im allgemeinen, gekannt zu werden. Denn er war es, der durch Wort und Schrift im Sinne Mendelsohns und Leasings die Juden dem Deutschtum äusserlich und innerlich zu nähern suchte. Eine von ihm vor mehr als 50 Jahren gegründete Zeitschrift wirkt heute noch in gleicher Absicht Dass Philippson von seinem hervorragenden Onkel in seiner Jugend manche Anregung erhalten, ist gewiss anzunehmen. Aber auch sein Vater, der zwar als Kaufmann wenig im öffentlichen Leben hervortrat, der aber seinem Bruder, dem Rabbiner Dr. Ludwig Philippson, an geistiger Begabung nicht nachstand, wirkte im Yerein mit seiner geist- und gemütvollen Mutter segensreich auf die Erziehung des Knaben. Er besuchte das Königliche Dom-Gymnasium seiner Vaterstadt und verliess dieses zu Ostern IS69 mit einem glänzenden Keifezeugnisse, worin es unter andern: heisst; »An seiner sittlichen Reife zu selbstständigem Universitätsstudium ist nicht zu zweifeln.« Auf den Universitäten Bonn, Leipzig und Berlin widmete er sich dem Studium der Sprachwissenschaft, insbesondere der neueren Philologie. Es war ihm nicht vergönnt, mit der Waffe in der Hand für das deutsche Vaterland in der glorreichen Zeit von 1870|71 zu kämpfen. Desto ernster fasste er die Aufgabe, sein Leben dem Dienste des Vaterlandes in einer anderen Weise zu widmen, nämlich dadurch, dass er sich mit Ernst nnd Eifer auf seinen künftigen Beruf als Erzieher der deutschen Jugend vorbereitete. Auf der Hochschule waren berühmte Männer seine Lehrer, Von diesen nenne ich nur wenige weltbekannte Kamen: Dietz, den Begründer der romanischen Philologie, den Shakespeare-Forscher Delhis und den Germanisten Simrock, welchen ihr Schüler als den Übersetzer und Umarbeiter der schönen deutschen Heldensagen, die ihr in verschiedenen Klassen leset, kennt In Leipzig wurde der 22jährige Jüngling zum Doktor der Philosophie promoviert, und ein Jahr später, im Herbst 1874, erwarb er sich auf Grund einer Prüfung vor der Kgk Wissenschaft!. Prüfungskommission ein Zeugnis ersten Grades, das ihm die Befähigung aussprach, in drei Fächern (Deutsch, Französisch und Englisch) in den obersten Klassen der höheren Schulen zu unterrichten. Mit einem ebenso vorzüglichen Ergebnisse leistete er das sogenannte Probejahr am »Plnlanthropin« ab, einer der unserigen, wenigstens was den Ursprung und das Alter anbelangt, ähnlichen Anstalt in Frankfurt a. M. Auf dieser Realschule war er bis zur Berufung in sein hiesiges Amt, nämlich bis Ostern 1886, als ordentlicher wissenschaftlicher Lehrer tätig. Die Aufgabe, die einem Leiter der Jacobsonschule zufällt, erfasste er mit edler Begeisterung, wenn er sich auch bewusst war, dass sie keine leichte sei. In einem an seinen Amtsvorgänger Dr. Arnheim gelegentlich seiner Bewerbung um das Direktorat gerichteten Schreiben bemerkte er folgendes: »Es bietet ja Ihre Schule gerade das seltene Ideal einer ganz auf sich beruhenden, echten und allseitigen Unterrichts- und Erziehungsanstalt, an deren Erhaltung und Weiterbildung seine Lebenskraft zu setzen, die schönste Aufgabe für jeden Schulmann sein muss.« Nachdem der 35jährige Mann zum Direktor der Jacobsonschule vom Kuratorium gewählt und vom Herzogl. Staatsministenum bestätigt worden war, wurde er am 4. Mai 18S6 in

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