Mannheim
Compact Memory

Unsere Tribüne · 1925-02-02 · 2 (02.02.1925) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Unsere Tribüne
Volume
2 (1925)
Issue
2 (02.02.1925)
Date
1925-02-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2822530-2822543-2822545--067-3524231
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

4P Nr. 2 Unsere Tribüne SeHe 3 )er Höhepunkt des Fußballjudentums. ,.Ich tekmirc es offen und frei: Der Empfang von euer war nicht so stürmisch wie im Vorjahre.*1 Herr ir. Körner erzählt, von Paliistina zurückgekehrt, in dieeri Worten eines jener politischen Scillafeiinraergchcimisse. die besser verborgen blietfbn. -~ nach der Auf fasung bürgerlicher Zioniaten wenigstens. " Also von der Hakoah hat man in Palästina nichts lehr wissen wollen. Jüdische Arbeiter wollen oben nicht greifen, daß man fürs Fußballspielen anständig bezahlt, iirs Pioniertum aber von der jüdischen fußballspielenden Veit im Stich gelassen werden soll. Jüdische Arbeiter ollea einfach nicht verstehen, daß zu den Zionistenmigressen die Hafeoaü samt übrigem J ugendanhang geiört°. während die Arbeiterorganisationen Palästinas ihre rewählten Vertreter nicht hinschicken können, weil nicht einig Geld da ist. Jüdische Arbeiter verstellen weiter nicht las ganze Klimbam bezahlter Mnskeljudon, weil sie wissen, laß anständig bezahlte Menschen sich ruhig ihre Muskeln .jitwickeln können, ohne riskieren zu müssen, als Pioliore alle Leiden des Beginnens auf sich zu nehmen. i lh\d das erste Staunen vor den Fußballjudcn ist nnn- Tiehr einer Entrüstung gewichen. Die Arbeiterschaft Palästinas sieht nun die Kulturlosigkeü des bürgerlichen Sports,, seine verrohenden Wirkungen im jüdischen Volkstum, seine praktische Wertlosigkeit und Interesselosigkeit ür jede universelle jüdische Aktion. Nun wird man es zusanuuenzuleimen versuchen. Man ivird sehen, ob sich im Kähmen der Hakoah „etwa.- für Palästina, wird machen lassen". So wie die Macher immer ttwas „machen". Hie jüdische Arbeiterschaft der ganzen Welt weiß nunmehr, daß sie vom Fußba.lljudentum nichts mehr m hoffen hat. Hingegen dürfte das folgende eine (ienugtuuiig für die Hakoah bedeuten. ,.E in Oran gen v c r k il u f c r w i r f t s eine n v o ile u K o r b in die L u i* t." Versteht sich, so enthusiastisch können Menschen nur bei einem Hakoa.h-Match. .sein. Man überlege doch •inen vollen Korb Orangen! Aber noch ganz andere Dinge geschehen in diesem Bericht: der ..Morgenzeitung". Der orientalischen Phantasie ist bei: .einer orientalischen Tournee keine Schranke gesetzt. Nicht ,nur Menschen „werfen sich rückwärts gegen das Goalnetz und küssen den darunter liegenden Ball', das tun doch im besten Falle nur Aegypten wenn die heimische Mannschaft ein Goal schießt, iondern es geschehen auch politische Dinge auf so eiuer eise, Herr Dr. Körner spricht es in"tiefster Ueberzeugung ms:. „Die Araber, sind .unsere besten■ .Kreun.de. Man weiß |dort, daß die Hakoah .bemüht ist. hier festen Fuß zu fassen und sich dann üirer heiligen Pflicht für 'Kiez Israel!vi>llk'ü.mnicu zu widmen". Bis dorthin hat aber der Orangen Verkäufer seinen Korb wieder vallgenornmen und es bleibt der Hakoah weiter vorbehalten, ihn 'bei .ihrer nächsten Orient tournee weiter seineu Korb werfen zu sehen, dorthin, wo der Bluff dos Fußballjudentums hingehört — in die Luft. «■■»■«■■«■■■■«■■■«■■■■■«■»■■■■■■■■•■■■■■■■■■■■■■««■■■■■■■•» ■«•••«■■■■•»■■■«■■■■■■«■««^■•«■»«■«■■■«••■«■■■■■»■■■■»■■»"a Jüdische r S a m m e 11 a g. Mit Genehmigung dos Herrn Bürgermeisters hat der Magistrat der Bundeshauptstadt Wien der „Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge" für de« 22. und; 215. Februar as. cf. einen Sammeltag zugunsten der Wiener jüdischen. L<1ürsorgeinstitutioneu bewilligt. Das Büro des (Sammeltages befindet sich f., Scitenstettengasse 4, IL Stock. ■••■■■■■■■■«■■■■■■■■■^■■•■■•■■■■■■■M«aaaaaaaa«a«■■■■■■■■■■■■ «■■aaa«aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa«aaBaaaaa Nun hat Herr Dr. Plaschkes „Moire*. Herrn T)r. Wasehkes beliebt es, besondere in der letzten «Seil, über steine Gegner herzufallen, sie mit yßeloidimgeri «u überhäuten und wenn die Beleidigten die <Ruhe verlieren und Herrn Plaschkesgebührend jabfertigen, Tennt dies'er noble Mann zum Kadi. Man .gewinnt den Eindruck, daß Herr Or. Plaschkes eine (Freude daran hat, seine Gegner und die jüdische Ocffentlichkcit. mit seiner werten* Person zu behelligen, iftun haben die Beleidigten sich zur Wehr gesetzt und;Herrn Dr. Plaschkes Gleiches mit Gleichem vergolten, sie haben diesen, noblen Herrn vor das öffentliche Gericht zitiert. Herr Dr. Plasbhkos hat sich wohl gefühlt, solange er, durch die Immunität als Gejmetnderat geschützt, unantastbar war. Nun hat der Landtag 'die Auslieferung des Herrn Dr. Plaschkes beschlosisen 'und er wird, wie jeder Sterbliche für seine 'Aonßerungen -vor Gericht einstehen müssen. Da geriet Herr ür. Plaschkes in. Wut und versacht durch große Auf- Imachung der „Geschichte" setner Atislieferung Aufsehen zu erregen. Uetwsenöen Sie uns gleicb öen fälligen Betrag. Sie ersparen uns damit uiel Geld und Zeit und tragen zur Ausgestaltung unseres Organes bei. Ivs ist nicht verwunderlich, daß Herr Dr. Plaschikes 'leere, dumme Ausreden vorschützt, um über rlie (Tatsache hinwegzuläuschen, daß ihm bange ist, eine ieventuelle -'Verurteilung v»r dem öffentlichen Gericht (könnte tlen Nimbusi dieses tapfern Herrn in den Augen (seiner 'Hakoah-Zionisteii trüben. Der einfältige Kleinbürger und der beschränkte Fußballzionist verehren in 'diesem vorlauten, unangenehmen Politiker ihren, tapferen Verteidiger, wenn er rinn wie jeder gewöhnliche 'Bürger vor einem Gericht verurteilt wird -•- '\vas 'bleibt noch von seiner Größe übrig? Herr -'Dr. Plaschkes bemüht, sieh auch noch, Geimeinderat Hermann und Präsident Dr. Dauneberg mit Vea*dächtiguugen. 'in seine Affäre hinein zu zerren, das hält w wohl für die, einem .Hakoah-Heldeu gebüh-i jriende -Bimsongebärde, aber die beiden Genossen werden es sich wohl überlegen, sich mit'Herrn Dr.Plaschikes zu beschäftigen. , i , , i; . . ■ i Diesmal wird Herr Dr. Plaschkes seinem Schicksal 'nicht entgehen, er wird den von ihm Angegriffenen (Rede. 'Stehen müssen. Daß sich der Kultusvorsteher Herr «Dr. Plaschkes besonders schlecht fühlt, weil er jsich 'iür Beleidigungen gegen, die ihm verhaßten Angestellten der Kultusgemeinde zu verantworten haben wird, .ist. ohne weiters begreiflich. Wir fühlen, es ihm nach, er tut uns1 aufrichtig leid, der arme Poldi. „Wie Jnur ein Mensch sich so in den Praß vertiefen kann!" regt;sich Klingetauf, will sich erheben und fortgehen.. Aber er geniert sich, so einfach hinauszugehen. Er weiß, die Wirtin, die an der Kassa sitzt., wird ihn an der Tür aufhalten und fragen: „Haben Sie nichts gehabt.?". Er sitzt und blickt auf die Wirtin. .Sie sitzt au der Kasse und., wirft ihre Blieke auf die Gäste und Klinger erinnert sich, 'daß seine Midier ebenso auf die Muschiks aufzupassen, pflegte, wenn sie an einem Markttag ins Haus kaineu, um sieh zu erwärmen. ,:,Räuber und Diebe," beschließt er grimmig hei sich, jedem hangt tun seine Hanl, immer 'fürchtet. Hijan, bestohleu. zu werden, einer bespitzelt den andern Diebe! ruft er in Gedanken aus und sein blasses Gesicht verzerrt sich. v\Vas ist gefällig?" unterbliebt ihn die Kellnerin in seinen Gedanken, und stellt sich vor ihn. hin mit ihrer weiten Schürze, leere Gläser in der Hand. Klinger ist lief erschrocken und bestürzt a.nlworer: „Ein Glas Milch." „Mit Sejnmein?" fragt: das Mädchen weif er. „Mit Semmeln,'' bringt er slamlnelnd heraus und vor SchYccken klopft ilmi das' Herz zum .Zerspringen. ,,Wäs iiiaciie ich jelzt, womit soll ich bezahlen?" nagt, es ihm im Kopf. Und es wird ihm heiß und kalt, seine Augen blicken so wild umher, als hätte er eben Winand eiföchl&gen. w«t .fürchte, erkannt zu werden. fet Die Kellnerin brachte ihm bald ein Glas Milch und einige Semmeln auf einen n Teller und ging zu einem anderen Tisch. „Nun, was kann, man machen," beruhigt er sich, „jetzt will ich essen, es wird wohl bald ein Bekannter 'klommen." , i!;; Va' beginnt zu essen und blickt zur Tür, die sich jeden Augenblick öffnet und alle mögliche Personen hereinläßt - aber lauter wildfremde' Gesichter. Sein Schrecken wird größer und größer. tir sitzt tüchtig in der Patsche - wie wird er jetzt fortgehen? Und jeder Dissen bleibt ihm im Hals stecken und (würgt ihn. Nach dem Essen wird sein Schrecken noch größer. Die Tür öffnet und schließt sich und wie zum -Trotz kommt keiner von den Bekannten, als. wären sie alle gestorben; die Augen schmerzen ihm schon vom Starren auf die Tür und er beschließt wenigstens einige Minuten nicht mehr hinzu blicken - - denn schließlich, würde ein. Bekannter kommen, so würde er doch auf ihn zutreten. Wie er aber das. Geräusch der gehenden Türe hört, hält er es nicht mehr aus und blickt hin, und seine Geduld reißt - wieder niemand. Alle Kintretendeu sehen ihn so feindlich an. %o ekelhaft! . . . Wie sicher sie sich bewegen, wie (sicher sie sich an die Tische setzen und nachher ,au der Kasse bezahlen! Zufriedene, häßliche Men- (Schluß folgt.) *" '• 1 —VI.-lH,.»Ld 111 r . ,.f, Aus ter Wiener pisAen eemeinfle. Eine öffentliche Sitzung des Kttltusvorstandes. Außer Budgetimcl Steueraitigelegenlioiteiii pflegte der Vorstand immer binteaverschlossenen Türen, ztic verluuiclelai. Die Herren Jüdisehmiitionalen, di> sieb .<?ons-t gerne aufs detmokratische Roß setzen, haben es auCb. g^ernc |feschen, wenn sie von ihren Wählern an der Ai-beit im Vorst.-i.adG nicht gesehen werden. Als einer der ersten Erfolge unserer Mandataro darf es verzeichnet werden. d?tß nunmehr öfter öffentliche Sitzungen stattfinden werden. Der kleine. Sitzungssaall setzt zwar der Oeffentlichlceifc der S{f,?,unge(n sein- .eng© Grenzen, bei ernsten Bemühen wird sich w.>hl \ eine Möglichkeit erweisen, die Sitzungen des V.n-standes einer breiten Oeffentlichkeit, zügänglich zu machen. Das. ist eine der wichtigsten Erziehuugsaufgaben, tlie noch zu lei^ steil sein, wird; rlas Interesse der jüdischen Wähler für ihro Gemeinde muß geweckt werden. Das ist auch der omwigo gangbare Weg zur finanziellen und geistigen Gesundung der Gemeinde. Der Antrag bezüglich des Publikatiousorgaues, den unsere Mandatare eingebracht haben, bezweckt, ja aueb, die jüdische Bevölkerumg für die (.{emein.de zu gewirmon. Wir sind sehr neugierig, wie sich die I Ter reu Jüdischnationnlcn bei Behandhmg dieses Antrages verholten, weiden. » In der öff-ciLtlicheia Sitzung hat auch Dr. Hader da^ gegen. Protest eingelegt, daß maai bloß aus formalen Giüu^ deai die „Vereinigung" bei No.minie.rung der Bezirlcaver-. trauensniänner gekürzt hat. Einwendungen und Anträge« Einwendungen. 1. Gegen den Beschluß des Vertreterkollegiums-auf Entlassung von neun exmittierten Nebenlehrern t>erufen wir au den Kultuslvorstemd, woil derselbe ohirte die in allen solchen Fällen iiblidhe Milwirkung der Personalverlrclimf'- zustande gekommen ist. Ohne in das 'Merifcorische dieser Frage trinzugohen, beantragen wir die Hiickvervv.oisting dieser Angel egenbeit. an das Verttelerkollegiums zwecks' Aysr Sprache mit den 'Personalvei trolerti tunf nenerli^herj AntragiStelhing im Plennrn.' 2. .O.ege^i den .Beschluß, .des Vertreterkollegiums1, wonach die Beiträge für den Verband der Angestellten der. Israelitischen Kultusgemeinde nicht mehir, wiio bisher, von der Ist. Kultusgemeinde eingehoben werden sollen, erheben wir nach ^.131 des' Statutes Berufung an den Kultusvorstand. (Nicht gegen den Teil des! Beschlusses, der die Verwaltung der YerbaTidsgelder durch die Gemeinde aufhebt.)!! i . , t * Anträge. l.DerKulttisvorstand beschließt, unverzüglich einamtliches Publikationsorgan heiaiisy;ugebeu, das unter Kontrolle eines aus 'Vertretern aller Parteien zusammengesetzten Redakttonsko-mitees; die für die OetTent-. lichkeil, beslhnmlen ßescliliisse des Vorstandes kundmachen soll. i '; . Das Amtsblatt der Isr. Kulhisgenieinde sollferneir :von Zeil zu Zeil Berichte über den. Stand der lusl.jüitloiien der Gemeinde enthalten und über die laufende \Ver\valluiigslätigkeil, insbesondere in den Koinmisis'ionen, informieren. ' , . - \ , . s r' Ein Teil dieses zii schal'l'enilei; Ocganes soll (,1er ständigen Kröiterung von (Jemeindefragen, Mitteilungen. Uber jüdische Institutionen, .die nicht tintor der. Terwallnn^ der Gemeinde stehen', ferner''Berichlea über die Veiwaltungstäligkeil Anderer .Itidengeniei'n^ den aus der ganzen Welt ge\Vtdm,et sein. 2. Der Kultus vorstand beschließt die Einsetzung eines aus Vertretern aller Parteien zusammengesetzten Ausschusses, 'der darüber zu wachen hat, daß die staatsgesetzlich gewährleisteten Rechte der Juden nicht verletzt werden. Der Ausschuß soll aus 13 Mitgliedern bestehen; von denen mindestens sieben dem Kullusvorstand a|n,- ^ehören müssen. Eine bezeichnende Interpellation, Wie lächerlich die Verhälfcuisfir-. in der Kullusgeinoiaido \vnreu und noch sind, ersieht, man au.s der rutelitolgwiden lnlorpcllni ion, die die Maindanire der ...Walilvereinigiuift* für soziali; Tätigkeit" einzid>iiugwi ^ene'iiiyl waren: Die »eiertigten Mandatare haben juwh der Iv.utaLi A'oislaiid.ssitzuuo in einer Uufce>rri'dmi.<j; uiit, dem Präsidium den Erlaß einer I'HfivsU^Jweisu'i^r verlangt, wiuuieh die Kinsjelil in die Protokolle dor Vertreleriwid Yorstandssit/imgen zu jeder Zeit mö^lieh gemacht werden rfnltt:^. Das Präsidium hai sieh auf diese* Y^rlaugen hin auf deji Standpunki gestellt, da.ti.aur die ProlokcHle der laufenden Mandalsperiode zugäaiglieh zu .sein haben, die t'riifierea* Feriodeu jedoch nicht eingesehen werden köjuteu. Aui die?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.