KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 5 (10.1931)
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 57 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Vertrauliche Beilage der K. C.-Blätter 57 Werker sich mit uns unterhalten wollen, wenn wir ihnen etwas geben können. Wir müssen lernen, nicht nur zu besitzen, sondern auch zu geben, nicht nur vom Brot, auch vom Herzen, auch vom Wissen. — Solange im Korporationsstudententum noch ein Fünkchen glimmt, aus dem wir noch ein helles, wärmendes Feuer zu schüren hoffen dürfen, solange ist es unsere Pflicht, alles zu tun, was die Flamme auflodern lassen kann. Dein Vorschlag, der den Korporationen ihre charakteristische Form nehmen will, die mir noch berechtigt zu sein scheint, bis es sich erweist, daß sie hohl ist und bleiben muß, wäre erst diskutabel, wenn schon etwas versucht worden Ware, sie neu zu beleben. Es ist noch nichts geschehen. — Ans, heute, fehlt nicht die Befähigung, uns fehlt der Wille oder sogar nur die Initiative. Wenn wir alle, die wir noch die Begeisterungsfähigkeit in uns fühlen, daran arbeiten, daß die Schranken fallen, die zwischen Korporierten und den Nicht- Korporierten bestehen, durch Kennenlernen der Menschen, durch Durcharbeitung der Begriffe, die alle fortwährend ihr eigen nennen, ohne sie je begriffen zu haben, wenn wir uns — und gerade als bewußte Korporationsstudenten — um Verständnis und Verstandenwerden bemühen, wenn wir erkennen, daß es nicht nur nicht unter unserer Würde ist, sondern uns ehrt, wenn wir vermitteln helfen zwischen Glücklichen und Anglücklichen — dann haben wir wieder Lebensberechtigung. Es ist kein Gegensatz zwischen Korporation und sozialem Verständnis. Denn es ist nicht wahr, daß es das Wesen der Korporationen sei, ein Sammelsurium pseudo-fertiger Menschen zu bilden. — Es ist das — leider auch von uns zu häufig verkannte — Wesen der Korporationen, junge Menschen durch das gegenseitige Äufeinander-Einwirken zu erziehen zu ernsten, verantwortungsbewußten, reifen, heiteren Menschen. Dieses Äufeinander-Einwirken unserer Kbr. Kbr. muß lebendig gemacht werden. Es ist der Schlüssel zu dem Tor, aus dem, wenn es geöffnet ist, diejenigen.marschieren werden, die sich überall Freunde machen werden, aus dem die Träger der späteren, besseren Zeit heraustreten werden. Wenn in unseren Verbindungen Zeit ist für ruhige Aeberlegung und Unterhaltung, wenn unsere Kbr. Kbr. sich Erkenntnisse erarbeiten und sie verwerten lernen, wenn sie Zeit haben zu klären und zu denken, dann bricht die Morgenröte herein, die wir alle ersehnen, Studenten und Mcht-Studenten. And es wird sich dann von selbst der Abbau des Judenhasses in schnellen Schritten vollziehen, wenn unsere christlichen Kommilitonen das gleiche tun: Arbeiten und Denken. — Wir haben den Berechnungen der Osafs entsprochen, als wir die Selbstbesinnung ihres Trommelns wegen aufgaben. Laßt uns unerschütterlich den Weg gehen, der immer der beste gewesen ist: den Weg der Erkenntnis! Es ist zu lange geschwiegen worden in unserem Kreis, weil zuviel Belangloses gesagt wurde. Soll eine Erhebung durch unsere Reihen gehen, soll der Begeisterungsschwung der Gründungsjahre unseres Verbandes wieder auflodern, soll in uns der Kampfgeist wieder lebendig werden, dann achtet nicht des Lächelns der Verlegenheit derer, die uns nicht verstehen wollen! Dann brecht das Schweigen, das um Jahre zurückbringt» das uns hilflos macht! Dann hört auf den alten studentischen Ruf: K.C.er sur§ite! Dann aber bedenkt auch, ob Ihr gewappnet seid für die Erhebung. -Ihr seid es nicht! Deshalb hört, was ich auch in Form eines Euch allen geläufigen Wortes sagen möchte, das Fazit meiner Aktivität: Silentium ex! — Lolloguium! Lieber Ernst, ich wünsche sehr, daß diese Zeilen, die alle wirklichen K.C.er lesen werden, weil selbst Anvollkommenes heute diskutiert werden muß, aufrüttelt. Es muß etwas geschehen! Die Zeit ist knapp. Wir beide werden, das weißt Du, zusammenstehen, wenn es gilt, tätig Anteil zu nehmen an den Nöten unserer Generation. Wir werden treue K. C.er sein nach unserer Aeberzeugung und unserem Gefühl. Möge der Ernst der Lage von allen erkannt werden. — Laß Dich grüßen; in herzlicher Bundesbrüderlichkeit! Alfred Pinkus (Sprev., Rhen.-Pal.)