KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 5 (10.1931)
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 58 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2268830-2268996-9971336--4181-3524217- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
58 Vertrauliche Beilage der K. L.-Blätter Umstellung von der Korporation zur Kampftruppe. Der Vorschlag von Kbr. Reichmann erscheint mir mehr als eine Utopie zu sein. Ich kann mir noch nicht vorstellen, wie diese Umstellung erfolgen soll. Gewiß, das Korporationsmäßige ist rasch abgetan; aber was dann? Die Ausbildung im K. L., wie sie in den Beschlüssen des Frankfurter K.L.-Tages vorgesehen ist und wie sie von Kbr. Reichmann gefordert wird, soll und kann doch nur den K. C.er befähigen, im Falle, daß er persönlich angegriffen wird, sich zur Wehr zu setzen. Mit Recht sagt Kbr. Reichmann, daß heute der Kampf für unsere Freiheit nur im § 3 des Statuts steht; meiner bescheidenen Meinung nach wird das nur noch mehr der Fall sein, wenn der Vorschlag von Kbr. Reichmann verwirklicht werden sollte. Denn eine jüdische S.-A. ist doch von vornherein ein Schlag ins Leere. Auch ich glaube, daß wir uns den Weg zu den republikanischen Studentengruppen durch Ab sch affen der Kneipen und Mensuren ebnen werden. Von den Indifferenten wird keiner dann zum Antisemit werden. And eingefleischte Antisemiten bezeichnen uns ja heute auch als Feiglinge. Bis dahin stimme ich dem Vorschlag von Kbr. Reichmann vollauf zu. Aber nun die Couleur? Ich selbst bin sehr weit davon entfernt, mit Leib und Seele „Korporations"-- student zu sein und ebenso weit entfernt, begeisterter Anhänger des Straßencomments zu sein. Die Couleur müssen wir unbedingt beibehalten. Heute weiß doch der größte Teil der nichtjüdischen Kommilitonen zumindest, daß es K. C.er gibt; auch der Freistudent sieht durch die Couleur, daß es K. C.er gibt. Vor 2 Semestern hat sich in Frankfurt wieder eine Gruppe der F. W. V. aufgetan. Wer von den nichtjüdischen Studenten weiß etwas davon? Wieviele Studenten wissen etwas z. B. von der Deutsch- Demokratischen Studentengruppe? In den praktischen Kursen habe ich beobachten können, daß sich nichtjüdische Kollegen fast ausschließlich nur mit K. C.ern über Antisemitismus und ähnliche Dinge unterhalten haben, und nur sehr, sehr selten mit anderjüdischen Kommilitonen. Ansere Fcden zeigen dem Außenstehenden nur. daß wir jederzeit bereit sind, Fro - und Antwort zu stehen, und „daß w.r jeden Angreifer zu wehren wissen \ Mit der Abschaffung der Coule? wird der K. C. zur Bedeutungslosigk. st herab sinken. Auch mein Vorschlag stellt nur ein- Zwischenlösung dar. Ob er zu derwirklichen ist, kann ich heute noch nicht ganz übersehen. Jedenfalls ha ich seine Verwirklichung für möglich. Mein Vorschlag geht dahin: Erfassen aller republikanischen Gruppen, wenn möglich auch der republikanischen Freistudenten im Deutschen Studerüen- Verband. In diesem Gremium werden wir uns Verständnis auch verschaffen können für die Berechtigung unserer Couleur; nachdem wir ja „die Zeichen des Reaktionismus" abgelegt haben, die für die Existenz des K. C. entbehrlich sind, nämlich Kneipen und Mensuren. Jede Gruppe behalt natürlich ihre Eigenart und arbeitet selbständig entsprechend ihrer Tendenz; innerhalb des republikanischen D.St.V. aber bilden alle Gruppen zusammen eine gemeinsame Front gegen die Reaktion auf den deutschen Hochschulen. Als K. C.er werden wir weiter unsere erste Aufgabe darin sehen, den Antisemitismus zu bekämpfen; als Mitglieder des D.St.V. haben wir mitzukämpfen gegen die Reaktion auf den Hochschulen, wo und wie wir sie dau.n antreffen. Wie ich schon anfangs erwähnte, halte ich eine jüdische S.-A. für ein totgeborenes Kind. -u Rahmen des D.St.V. wird es a w möglich sein, dem Rowdytum auf dm Hochschulen ein starkes Bollwerk e. tgegenzustellen. Gewiß werden sich ni tzt alle republikanischen Studenten, sonders die radikal-pazifistischen, m er „militärischen" Ausbildung uu - ziehen. Aber ich glaube, es gibt > nug Kommilitonen, besonders in m sozialistischen und demokratischen Gr epen, die sich einer Ausbildung un erziehen werden, wie sie heute ber ts den „Schutzformationen" des Rer rbanners zuteil wird. Schließlich kö: te man dem Reichsbanner die sbildung dieser Gruppe, nennen .'.r sie „republikanische S.-A." oder „ u-