KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1931)
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 174 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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174 K. E.-Blatter Nachr.-Heft Ueber Bord sind die alten Traditionen, wertlos die Schwüre der Treue an den jüdischen Bundesbruder, mag er auch noch so wacker einst mit blanker Wehr die Burschenehre verteidigt haben! In früheren Zeiten, als man sich noch nicht „durchgerungen" hatte, da konnte man mit Recht singen: Die alten Burschen leben noch, noch lebt die alte Treue. Heute hat man dieses schöne Lied zur Lüge werden lassen, wie manches andere Burschenideal. Geblieben ist von all der Herrlichkeit nur noch: 0 jerum, jerum, jerum! Krieg um Krieck? Professor Krieck, der Leiter der Pädagogischen Akademie in Frankfurt, ist strafweise an die Akademie in Dortmund versetzt worden. Er hatte bei einer Sonnenwendfeier der Studentenschaft seine Rede mit dem Ausruf geschlossen: „Heil dem Dritten Reich!" Gegen seine Disziplinierung protestierte er mit der Begründung, den Ausdruck „Drittes Reich" keineswegs im Sinne der nationalsozialistischen Terminologie gebraucht zu haben. Nehmen wir an, daß er wahr spricht, so ist auf keinen Fall zu leugnen, daß Professor Krieck eine sehr große Unvorsichtigkeit begangen hat. Der Begriff des „Dritten Reiches" ist sämtlichen Volksschichten heute gleichbedeutend mit dem Hitlerparadies. Es gibt vielleicht einige gelehrte Kreise, die diesen Ausdruck auch im unpolitischen Sinne aus der Kulturgeschichte her kennen, aber wenn Herr Professor Krieck glaubte, seine studentischen Zuhörer würden seine Redeweise nicht im landläufigen, sondern im speziellhistorischen Sinn auffassen, dann hat er erstens chre geschichtlichen Kenntnisse überschätzt, und zweitens ihnen zugetraut, daß sie anstelle des Naheliegenden aufs Verborgene geraten würden. So kompliziert ist die Psyche seiner Hörer bestimmt nicht gewesen; der heutige deutsche Student weiß schon, wenn er vom „Dritten Reiche" sprechen hört, daß .er „Deutschland erwache!" zu erwidern hat. Möglicherweise hat Herr Krieck in professorater Zeitfernheit darauf vertraut, daß die Studentenschaft den Wald vor Bäumen nicht sehen werde, aber dann hat er immer noch äußerst fahrlässig gehandelt, denn in einer politisch erregten Zeit darf man vor einem politisierten Auditorium keine Worte verwenden, die eindeutig parteipolitisch gestempelt sind — sofern einem eben an Parteipropaganda nichts gelegen ist. Die nicht allzu harte Bestrafung scheint daher durchaus angemessen. Lehrreich ist dieser Fall, nicht nur als Beitrag von der Gefährlichkeit des Wortspiels, sondern auch im Hinblick auf das, was sich anschließt» oder besser, nicht anschließt. Es ist ganz sicher, daß die republikanische Studentenschaft darauf verzichten wird, diese Angelegenheit auszuschlachten und sich Methoden irgend einer Gewaltjustiz anzumaßen. Wäre die republikanische Studentenschaft von derselben Gehässigkeit, Unduldsamkeit und Unaufrichtigkeit beseelt, wie manche anderen Kreise, dann würde die traurige Liste der Lessing-, Gumbel-, Baumgart-, Dehn-, Nawiaski- Fälle wieder um einen vermehrt werden. Bei uns aber ist es noch nicht zum Sport geworden, einem Dozenten es durch ewige Semester nachzutragen, daß er einmal auf dem schlüpfrigen Boden der Dialektik gestrauchelt ist, und dies zum Vorwand zu nehmen, gegen politisch mißliebige Personen gewalttätig zu demonstrieren. Vielleicht lernen andere Kreise ebenfalls ein Stückchen dieser Selbstzucht. Leider sieht es noch nicht so aus. Eben erst haben die rechtsradikalen Studenten beschlossen, die Universität Halle zu boykottieren, weil ihnen der dortige Theologe Professor Dehn keine hinreichend sympathische politische Gesinnung hat. Dieser Auszug der Radaumacher wäre nur dann zu begrüßen, wenn er sich ausnahmslos auf alle deutschen Universitäten bezöge, denn nicht nur Halle, sondern die anderen Universitäten ebenfalls gedeihen besser ohne sie. Waffenring nnd Hakenkreuz. Das Verhältnis zwischen den im Waffenring zusammengeschlossenen Korporationen und den nationalsozialistischen Studentenbünden kann man vielleicht kennzeichnen durch die These: „Man tötet das, was man am meisten liebt." Jedenfalls haben beide Teile trotz inniger Liebe zueinander die geheime Angst, der eine könnte irgendwie dem anderen einmal tödlich werden. Darum ist ihre Ein-