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KC-Blätter · 1931-10-01 · Heft 10 (Oktober 1931) · p. Seite 175

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 10 (Oktober 1931)
Date
1931-10-01
Page
Seite 175 (sequence 17)
Language
German
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Nachr.-Heft K. C.-BlätLer 175 stellung zueinander bestimmt durch ein dauerndes Wechselspiel von Hinneigung' und Abkehr. Im Juni konnten wir berichten, daß zwischen Waffenring und N.S.B. ein Freundschaftsvertrag geschlossen wurde (s. K.E.-Bl. Nachr.- Heft 6, S. 97), der auch die beiderseitigen Kompetenzen gegeneinander absteckte. Ratifiziert wurde dieses Abkommen freilich nur von der Deutschen Burschenschaft, der Reformburschenschaft, dem Weinheimer S.C. und beit Landsmannschaften. Mit Ausnahme der Reformburschenschaft haben die Korporationen den Vertrag nunmehr wieder gekündigt; wie verlautet, infolge der Grazer Vorgänge, die ja ein krasses Abbild nationalsozialistischer Begehrlichkeit waren, (s. Bericht an anderer Stelle der Bl.) Die Korporationen erleben es, daß manch einer die ganze Hand nimmt, dem man den kleinen Finger reicht. Wie werden sie sich weiterhin verhalten? Die Tatsache, daß unzählige ihrer Mitglieder dem Nationalsozialismus huldigen, ist ebenso unbestritten wie die Schädigung, die den waffenstudentischen Traditionen daraus erwächst. Eigentlich gibt es nur den Versuch, durch intensivste Erziehungsarbeit die Umkehr zu erzwingen, oder den Gang durchs Joch. Der augenblickliche Schwebezustand wird offensichtlich von den Korporationen selber als unbehaglich empfunden; das dauernde Hin und Her ihrer Entschließungen ist kein Zeichen innerer Ruhe. Die soziale und Politische Struktur der deutschen Studentenschaft. Die Zeitschrift „Arbeit" veröffentlicht in ihrem Augustheft von 1931 sehr lehrreiches Material über die Zusammensetzung der deutschen Studentenschaft. Wir ersehen aus anliegender Tabelle 1 das Anwachsen der immatrikulierten Studierenden Ohne auf die verschiedenen Ursachen dieses Anwachsens einzugehen, ist festzustellen, daß im Verhältnis zur gesamten Bevölkerungsbewegung fast eine Verdoppelung der Zahl der Studierenden eingetreten ist. Auf 100 000 Einwohner kamen im Jahre 1914 106,4, im Jahre 1930 bereits 192,7 reichsdeutsche Studierende. Beim Vergleich der Zahl der Studierenden von 1914 und 1930 zu der Gesamtbevölkerung der gleichaltrigen Schicht (18 bis 25 Jahre) zeigt sich ein ähnliches Ergebnis. Die Studentenschaft hat nicht nur absolut, sondern auch relativ zugenommen. Bei der Betrachtung der Zusammensetzung der Studentenschaft nach der sozialen Stellung der Ellern, zeigt sich, daß die Hochschulen vorwiegend vom Bürgertum (etwa 9/io der Gesamtheit) beschickt werden. Hier hat das Mittel- und Kleinbürgertum mit 56 v. H. den größten Anteil. Die unteren Schichten (Arbeiter, Anterbeamte und einfache Angestellte) sind nur mit etwa 9 v. H. beteiligt. Bei der Einteilung der sozialen Stellung der Eltern in folgende Gruppen: 1. die obere Schicht (Fabrikbesitzer, Direktoren, Großlandwirte, leitende Privatangestellte, höhere Beamte, freie Berufe mit akademischer Bildung), 2. die mittlere Schicht (Mittelstand im landläufigen Sinn), 3. die untere Schicht (Arbeiter, untere Beamte und untere Militärpersonen), ergibt sich folgendes Bild: (vgl. Tabelle 2) Die Beteiligung der oberen Schicht ist also im Rückgang begriffen, die des Mittelstandes und der unteren Schicht nimmt ständig zu. Nahezu 50 o/o der Studentenschaft sind Beamtenkinder. lieber die Gliederung der reichsdeutschen Studierenden seit 1928 vgl. Tabelle 3. Irr letzter Zeit haben die Nationalsozialisten die unbestrittene Führung. Ideologisch werden von ihnen ungefähr 50o/o aller Studierenden erfaßt. 2Nan kann das Anwachsen des Nationalistischen Deutschen Studentenbundes an den Mandatszifsern der Wahlen zur privaten Deutschen Studentenschaft ablesen, (vgl. Tabelle 4) Auch der Vorstand der Deutschen Studentenschaft weist eine nationalsozialistische Mehrheit auf: die Nationalsozialisten stellen den ersten und dritten Vorsitzenden. Die republikanische Gegenorganisation zur rechtsgerichteten Deutschen Studentenschaft ist der „Deutsche Studentenverband", in dem die politischen Studentenorganisationen von den Sozialisten bis zum Zentrum und einige republikanisch gesinnte Verbindungen zur Koalition zusammengeschlossen sind.

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