KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1931)
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 172 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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172 K. C.-Blätter Nachr.-Heft wollen, die Nationen aber mißtrauisch eworden seien. Das Mißtrauen kann och aber schwerlich darauf beruhen, daß die Völker des Judentums satt geworden seien; Mißtrauen in die Zuverlässigkeit der inneren Einbürgerung geht eher darauf zurück, daß eine restlose Eingliederung für wünschenswert gehalten wird. Dieses Problem der Eingliederung sieht Weizmann in einen: bemerkenswerten Lichte. Er meint, es fehle allenthalben an wahrer Assimilation, und wo sie von Juden erstrebt werde, da sei das nichts als ein Entfliehen. Nun muß man freilich sagen, daß die Flüchtidee in der jüdischen Kulturgeschichte bereits eine Rolle gespielt hat, aber im entgegengesetzten Sinne, sofern man nämlich die Herzlschen Gedankengänge als regelrechte Flucht vor den Unbilden der Heimatverhältnisse ansieht. Denn weniger das Wiedererwachen eines jüdischen Nationalgedankens stand an der Wiege des Zionismus, als vielmehr der Wunsch, sich vor all dem Ungemach der Verfolgungen auf eine schützende Insel zu retten. Die große gedankliche Scheidung wird offenbar, wenn Weizmann aus der Tatsache begonnener, aber angeblich nicht ganz vollendeter Assimilierung den Schluß zieht, das ganze Einbürgerungswerk müsse rückgängig gemacht werden. Die Logik der Geschichtsentwicklung kehrt sich gegen eine solche Forderung, die nichts anderes propagiert, als ein Schwimmen gegen den Strom der kulturellen Schicksalsbildung. An einem unheilbaren inneren Widerspruch krankt aber die ganze Theorie vom Sättigungspunkt schon darum, weil nach seiner eigenen Darstellung zwei völlig getrennte Schichten bestehen müßten: Die im seelischen numerus clausus befindlichen Juden, und die anderen, die angeblich „unverdauten". Ihnen zuliebe müßten die bereits eingegliederten aus ihren kulturnationalen Beziehungen gelöst, ihrer inneren Bestimmung grundlos entfremdet werden; anderenfalls gäbe Weizmann zu, daß die nationaljüdische Theorie nicht für alle Juden geschaffen sein könne. Zwei Alternativen, von denen jede ein Gefühl der Disharmonie erzeugt. Zur Erläuterung des wirklichen Heimatrechtes der Juden in Palästina führt Weidmann die Tatsache an, daß Palästina durch jüdischer Hände Fleiß urbar geworden sei. Uns scheint es bedenklich, den Autochthonenvegriff in die Nationenlehre zu übernehmen. Für die meisten der heute lebenden Völker, die doch der Autochthonengeneration an Lebensalter unermeßlich w§it nachstehen, bedeutete das eine Erschütterung des Nationalbegriffs. Hier zeigt sich die substantielle Kulturauffassung, die im Völkerleben unverwendbar ist, weil sie nicht mit der Entwicklung der Gebietsbewohnerschaften Schritt hält, und nicht dem zum Fortschritt drängenden Kräftespiel der Menschheit Rechnung trägt. Der unüberwindbare Kontrast unsererWeltanschauungen tritt hier zutage, und zugleich die — natürlich nicht im gehässigen Sinne behauptete — Verwandtschaft der zionistischen mit der nationalsozialistischen Doktrin. Selbst für zionistische Wünsche birgt diese Auffassung Gefahren, denn was wird, wenn sich die Araber auf die Autochthonenschaft berufen? Kann man dieser eminent praktischen und nur zu praktisch gewordenen Frage nach der Einstellung der Araber die bloße Formulierung entgegensetzen „trotz der Armut und Kleinheit des Landes, trotz der Araber besteht jüdische Sicherheit in Palästina?". Diese sehr vitale und aktuelle Frage hat Weizmann nur mit einer wohlklingenden, aber in nichts substantiierten Erklärung zu lösen gesucht. Auch hier nichts als der Plan, gegen die Strömung anzukämpfen, und der aufmerksame Betrachter der Zeitprobleme möge die Frage entscheiden, auf welcher Seite Konsequenz und Wirklichkeitssinn ist, und auf welcher Seite Schwarmgeisterei und Selbstbetrug. Unbedingter Antisemitismus! Lehrreiche Diskussion in der Deutschen Burschenschaft. — Alte und neue Traditionen. Daß die Deutsche Burschenschaft allen übrigen Bünden weit voran ist an Wildheit und Gehässigkeit ihrer Juden gegnerschaft, ist unseren Lesern nichts Neues. Die plattesten, hirnlosesten Behauptungen sind ihr gerade gut genug. In den „Burschenschastlichen Blätter" konnte man es lesen, wie arg die Juden es treiben als Mädchenhändler, Bordellhalter, Banditenkönige, Terroristen, Sittlichkeitsverbrecher. Nur der Ritualmord fehlt