KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1931)
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 171 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachr.-Heft K. C.-Blätter 171 Es sollen die gesetzgeberischen und praktischen Möglichkeiten aufmerksam untersucht werden, um die fremden Studierenden und besonders die deutschen bzw. französischen Studenten am Leben der Hochschule teilnehmen zu lassen." Außer den Debatten wurden auf dem Kongreß von außenstehenden Politikern mehrere Referate gehalten, über die eine Diskussion im allgemeinen nicht stattfand. Mit einer einzigen Ausnahme bewegten sich diese Vorträge im Nahmen einer Bejahung der Verständigungsarbeit. Nur Herr Lucien le Foyer, der Sekretär der französischen Friedensgesellschaft, hielt es für angebracht, nach allgemeinen Lobreden auf den Pazifismus sehr scharf gegen Deutschland Stellung zu nehmen. Er sprach von der Heiligkeit der Verträge, der Berechtigung der Reparationen — „Deutsche Kanonen haben Frankreich zerstört" —, ja er stellte sogar die Behauptung auf, daß Deutschland den größeren Teil der Kriegsschuld zu tragen habe, da es unzweifelhaft der Ängreifer gewesen sei. Von deutscher Seite wollte man gegen diese Ausführungen in schärfster Weise Protest erheben, doch kamen uns die französischen Studenten durch Abgabe einer Erklärung zuvor, in der sie von den Ausführungen dieses Redners abrückten und sie ausdrücklich bedauerten. So nahm auch dieser Zwischenfall ein versöhnliches Ende. Mag es nach den bisher gemachten Ausführungen so scheinen, als ob nur die Franzoserl von den Deutschen hätten lernerr können, so entspricht dies in keiner Weise den Tatsachen. Bedeutet es schon unendlich viel für das Verständnis für ein fremdes Volk, in dem betreffenden Land zu verweilen, so ist natürlich ein solcher Kongreß, bei dem man täglich mit Franzosen zusammen ist, hierfür noch bedeutend geeigneter. Klar und deutlich erkennt man das, was die beiden Völker trennt, sieht, welche Aufklärungsarbeit auch in Deutschland zu leisten ist, um erst einmal die psychologischen Voraussetzungen einer Annäherung zu schaffen. Wir müssen sehr viel Geduld aufbringen, um dem Durchschuittsfranzosen das deutsche Wesen näher zu bringen. Auf der anderen Seite muß aber auch dem Deutschen klargemacht werden, daß ein Volk, das lange nicht so industrialisiert ist wie das Deutsche, daß ein Volk, das im eigenen Lande Platz und Raum für jeden hat, daß ein Volk schließlich, das eine typisch bürgerlich - rentnerhafte Einstellung hat, nicht so ohne weiteres für die Nöte eines typischen Industrievolkes Verständnis haben kann. Hier muß der Hebel angesetzt werden, ohne gegenseitiges Verständnis ist eine wirkliche Annäherung eine Atopie und wird es auch immer bleiben. Wird die Arbeit des Deutsch-französischen Studentenkomitees, die im nächsten Jahre mit einem Kongreß im deutschen Osten fortgesetzt werden soll, in diesem Sinne aufgefaßt und durchgeführt, so kann und wird sie — davon bin ich überzeugt — auch ihr Teil beitragen zu einer wahren Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich und damit zur Sicherung des Friedens in der ganzen Weltk Gedanken zur Weizmannrede. Professor Weizmann, nach wie vor geistiges Oberhaupt der Zionisten, leitete die Arbeit des kommendeu Winters ein in einem großen Meeting der Berliner Zionisten. Seine Worte sind stets des Nachdenkens wert, auch für den Gegner. Nicht, daß sie zu überzeugen wüßten, im Gegenteil, sie erweisen die unüberbrückbare gedankliche Kluft zwischen hüben und drüben, sie rühren gerade an die Angelpunkte der weltanschaulichen Spannungen, und sind darum Anlaß tieferer Betrachtungen. Die „Heimatlosigkeit" des „jüdischen Volkes" ist nach Weizmann das Kernproblem» das sich dadurch besonders schärfe, weit alle Völker das jüdische Element nur bis zu einem gewissen Sättigungspunkte rezipieren könnten. Hier findet sich eine offensichtliche Anlehnung an die Herzlsche Randspannungstheorie. Das Fehlen eines akuten Iudenproblems in etlichen Ländern liege an der Nichterreichung der ^ättigungsgrenze. Weizmann demonstriert also eine angebliche Erscheinung, die man — obwohl er diesen Ausdruck nicht braucht — als psychischen numeru8 clausus bezeichnen müßte. Bei dem Versuch, für diese Behauptung Anterlagen beizubringen, gerät er in Widersprüche. Die „Gastvölker" und die Juden selber hatten auf die Aeberschreitung des Sättigungspunktes reagiert,' indem die Juden sich mehr als IWprozentig halten assimilieren