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KC-Blätter · 1931-10-01 · Heft 10 (Oktober 1931) · p. Seite 170

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 10 (Oktober 1931)
Date
1931-10-01
Page
Seite 170 (sequence 12)
Language
German
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170 K. C.-BIätter Nachr.-Hest rüstungsproblems eine fast vollständige Aebereinstimmung der beiden Standpunkte. Die französische amtliche These der Abrüstung wurde fast einhellig abgelehnt und im Gegenteil die Abrüstung als hefte Gewahr für die Sicherheit bezeichnet. Selbst als von deutscher Seite — und zwar von einem Sozialisten — erklärt wurde, daß ein Scheitern der Abrüstungskonferenz wahrscheinlich den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund nach sich ziehen würde, zeigten die Franzosen hierfür absolutes Verständnis. Den Niederschlag dieser Debatte findet man in folgenden Sätzen des Protokolls: „In gleicher Weise erlegt diese demokratische Auffassung von der nationalen Souveränität den Negierungen eine Abrüstungspolitik auf, die auf gleichen Rechten und Pflichten beruht. Die Delegierten des Marseiller Kongresses lehnen jegliche Form von Aufrüstung ab und sind der Ansicht, daß die Anglcichheit in der Abrüstung der europäischen Nationen und der ganzen Welt eine ständige Gefährdung des Friedens darstellt. Der Kongreß ist weiterhin der Meinung, daß es im Hinblick auf die Sanierung der europäischen und Weltwirtschaft notwendig ist, daß die durch den Weltkrieg entstandenen finanziellen 4 Lasten stark vermindert werden und richten einen Appell an die Solidarität und das Interesse aller beteiligten Staaten. Das durch den Krieg entstandene Defizit in den Budgets der einzelnen Länder soll durch entsprechende Verkleinerungen des Wehretats ausgeglichen werden." Der politische Teil des Protokolls schließt sodann mit den Worten: „Schließlich weisen die Delegierten im Hinblick auf die außerordentliche Schwere der europäischen Krise auf die Dringlichkeit der erforderlichen Reformen hin, deren Umsetzung in die Tat notwendig ist, um allen europäischen Völkern, insbesondere Deutschland, das Recht auf eine freie und gerechte Existenz zu gewährleisten." Neben diesen rein politischen Fragen traten die Probleme, welcher Weg zu einer wahren Annäherung führe, in Anbetracht der kurzen Zeitdauer des Kongresses etwas in den Hintergrund. Es ist ja auch verständlich, daß man sich über einen „moäus proeeclencli", wie ich es einmal nennen möchte, schnell einigt, wenn man sich erst über die Notwendigkeit und Erreichbarkeit des Zieles einig ist, wozu in diesem Fall die politische Debatte das beste Mittel gewesen war. So einigte man sich sehr schnell auf ein Protokoll, das hier auszugsweise wiedergegeben sei: „Der. 2. Deutsch-französische Kongreß fordert, diejenigen als Verbrecher zu behandeln, die den Krieg verherrlichen oder rechtfertigen und ihre Landsleute zum haß gegen die Nachbarvölker aufreizen. Die deutschen und französischen Studenten stellen mit Bedauern die im allgemeinen ungenügende Kenntnis der lebenden Sprachen und besonders des Deutschen bei den französischen Studierenden fest. Siebetonen die Nützlichkeit dieses Studiums für die deutsch-französische Annäherung und verlangen von den berufenen Stellen, die in diesem Sinne notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um dem Deutschunterricht den Platz zu geben, der ihm zukommt. Der Kongreß fordert die Schaffung eines internationalen geschichtlichen Lehrbuches und wünscht, daß sich die Lehrer weigern, Geschichtsbücher zu gebrauchen, die den Krieg nicht als ein Verbrechen betrachten. Der Kongreß fordert von den verschiedenen Regierungen die Schaffung eines oder mehrerer internationaler Zentren, wo die Studierenden verschiedener Nationalitäten sich während der Ferienzeit treffen können. Der Kongreß wünscht in der Frage der Studienplanangleichung das gegenseitige Kennenlernen zu erleichtern und besonders bei den zukünftigen Erziehern jede Lehrberechtigten durch einen Befähigungsnachweis zu ergänzen, der die genügende Kenntnis einer fremden Sprache bezeugt. Am diese Reform durchzuführen, sollen Stipendien in genügender Anzahl zu gewähren sein und die fremden Länder beiderseitig gleichwertige Maßnahmen ergreifen, die zum Ziel des Kennenlernens der Menschen untereinander führen.

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