KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1931)
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 167 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachr.-Heft K. C.«Blätter 167 die Folge einer übereifrigen Regie? Oder war es etwa das Nachlassen jugendlicher Spannkraft und Begeisterungsfähigkeit?" Jetzt, nach noch nicht zwei Jahren, schreibt der Berichterstatter der „V. C.-Rundschau" (Heft Nr. 6) über den Grazer Studententäg: „Aeb erblickt man den Gesamt« studententäg, so war er in seinen Beratungen und Verhandlungen durch große Ruhe gekennzeichnet. Man möchte fast geneigt sein, zu sagen, daß die Ruhe zu groß war, wenigstens die der Vollsitzung. Wenn auch strittige Punkte bereits in den Ausschüssen, die sich mit allen Aufgabengebieten der D. St. befaßten, erledigt sein mochten» so zeigte doch der Studententag bei den Vertretern der Einzelstudentenschaften und der Kreise kaum einmal eine längere und tiefere Wortführung. Man vermißte diesmal ein etwas lebendiges Mitgehen, ein Sichbemühen um Erkentnisse des hochschulpolitischen und allgemeinpolitischen Geschehens, ein eigenen politischen Gedanken und Forderungen Ausdruck gebendes Moment." Hier wie dort — das gleiche Bild. — Bei der D.St. ist es vielleicht noch trauriger, wenn man bedenkt, daß gerade diejenigen, die in der Studententagsarbeit selbst „stark enttäuscht" haben, die neuen Führer sind. Wir glauben: Soll die Studentenschaft aus der Krise heraus, an der sie seit langen Jahren leidet, dann muß sie ihre Kraft nicht mehr im innen- und hochschulpolitischen Kampfe verbrauchen. Sie wird ans Aufbauen gehen müssen und alle Kräfte sammeln, die in den deutschen Studenten stecken. Diese Sammlung aber wird sie bald und nachdrücklich betreiben müssen. Wir fürchten, sie wird es nicht tun. Wir bedauern dies. Denn es würde uns zwingen, die D. St. auch fernerhin zu bekämpfen. Abwehr! Der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus L. V." erläßt folgenden Appell zur Bekämpfung des Rowdytums: Aufruf zur Abwehr. Mit bitterem Schmerz und tiefer Scham haben die am jüdischen Neujahrstag auf dem Kurfürstendamm Berlins gegen jüdische Mitbürger gerichteten pogromartigen Ausschreitungen fanatisierter Hakenkreuzler die Herzen aller anständig empfindenden Deutschen erfüllt. Mit bitterem Schmerz, daß Dausende — davon viele, die sich zu den gebildeten Kreisen rechnen — eine Heldentat darin sehen, wenn sie in Haufen über harmlos sich eines hohen religiösen Feiertags erfreuende Mitbürger herfallen, auf sie einschlagen, sie verletzen, die Einrichtungen öffentlicher Wirtschaften demolieren. Herzensbildung beginnt mit der Achtung vor dem Mitmenschen und der Rücksichtnahme auf ihn. Die, welche sich solcher Verpflichtung hier entzogen haben, schließen sich aus der Reihe der Gebildeten aus, sinken auf die Stufe wüster Radaubrüder hinab. Nicht zuletzt aber auch die, welche an solchen pöbelhaften Exzessen ihre stille Freude haben, und die Partei, welche sie entschuldigt oder verteidigt, die die Gewalttat gegen Andersgläubige oder Andersstämmige propagiert. Jeder anständig empfindende Mensch muß weit von solcher Gesinnung und Antat abrücken. Aber auch mit tiefer Scham müssen uns solche traurigen Vorgänge erfüllen. Stellen sie doch Deutschland in den Augen des Auslands auf die tiefe Kulturstufe des zaristischen Rußlands. Je mehr uns die Siegermächte die militärischen Waffen genommen haben, um so mehr sind wir darauf angewiesen, unsere Weltgeltung wieder mit den Waffen des Geistes und der Gesittung zurückzuerobern. Das Wort Wilhelms I. bei Antritt der Regentschaft: „Preußens Aufgabe ist es, moralische Eroberungen in Deutschland zu machen" geht heute dahin: Deutschland muß sie in der Welt machen. Das Ansehen, das deutsche Wissenschaft, Kunst und Technik unserm Volk in der Welt wieder erringen, wird aber beschmutzt durch derartige Akte der Roheit und Anduldsamkeit. Sie wirken im Ausland um so gefährlicher, als hinter ihnen eine Partei steht, die durch ihre systematische Iudenhetze die moralische Verantwortung dafür trägt. und die aus den letzten Wahlen als die zweitstärkste Partei hervorgegangen ist. Der größte Teil der exzedierenden Hakenkreuzler steht in so jugendlichem Alter, daß sie an dem Weltkrieg noch