KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1931)
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 165 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2268830-2268996-2269007--4080-3524186- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nachr.-Heft K. C.-Blätter 165 alle Staatsbürger gleich behandelt werden sollen und will den preußischen Studentenschaften nur gestatten, mit gleichartigen außerpreußischen Studentenschaften einen Zusammenschluß vorzunehmen. In Oesterreich aber herrscht das Volksbürgerprinzip, wie man es nennt. Nur derjenige, der deutsch ist, d. h., der von den österreichischen Studenten als deutsch angesehen wird (und das ist zum Beispiel kein Jude, mag er auch die deutsche oder österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, mag er auch in Deutschland sogar zwangsmäßig Mitglied der D.St. gewesen sein), kann Mitglied einer Deutschen Studentenschaft sein. Es ist zuzugeben, daß in Oesterreich die Dinge anders liegen mögen, als bei uns im Deutschen Reich. Man hat außerdem in Oesterreichs politischer Welt eine starke Richtung, die den Standpunkt der dortigen Studentenschaften teilt. Der frühere Bundeskanzler Seipel z. B. hat in seinem Begrüßungsschreiben an den Studententag u. a. geschrieben: „Ich begrüße die Deutsche Studentenschaft insbesondere als den Träger und Vorkämpfer des großen volksbürgerlichen Gedankens, dem wir an unseren Hochschulen zum Siege verhelfen wollen, weil wir in ihm zugleich eine der wichtigsten Grundlagen sehen, auf der man zur Befriedigung der berechtigten Ansprüche des deutschen Volkes und damit zur Befriedung der Welt gelangen kann." Aber kann man es Preußen so verübeln, wenn es sich z. B. nicht ohne weiteres an eine noch unbekannte, vielleicht in Zukunft einmal $a schaffende Regelung binden will, die der österreichische Staat vornehmen könnte. Kann man es ihm verübeln, wenn es nicht in Blanko ein österreichisches Studentenrecht unterschreibt, das vielleicht dem deutschen und preußischen Verfassungsrecht zuwiderläuft? Das tut die Deutsche Studentenschaft und glaubt durch ihren Vorsitzenden zu solchem Verhallen Preußens sagen zu müssen: „Eine solche Haltung muß bei einer Regierung, die sich nach außen bei jeder Gelegenheit als anschlußfreudig bezeichnet, mit Recht unverständlich erscheinen." Auch wir glauben, daß der Anschluß einmal kommen wird, daß er einmal kommen muß. Wir wünschen mit derselben Kraft und derselben Aufrichtigkeit wie die D.St., daß dre großdeutsche Einigung einmal Tatsache werden möge. And wir haben immer und auch jetzt noch daran festgehalten: Die wirkliche, alle Studenten umfassende, großdeutsche Studentenschaft kann ein mächtiger Kulturfaktor des Deutschtums, ein gewaltiger Vorkämpfer Großdeutschlands sein. Aber wir glauben, daß es eben eine einheitliche Studentenschaft sein muß, die wirklich alle deutschen Studenten umfaßt, d. h. alle diejenigen, die deutsch der Staatsangehörigkeit, der Muttersprache, denr Willen und der Hingabebereitschaft für Deutschland sind. Es stimmt nicht gerade zuversichtlich, wenn, als das klare, hochschulpolitische Ziel der Zukunft der Kampf gegen Preußen bezeichnet wird. Es wäre, meinen wir. richtiger — nicht nur für die D.St. —, wenn die Parole hieße: Einigung mit Preußen! Wir werden, so scheint es, aus dresem unseligen studentischen Zwist nicht herauskommen, solange die D. St. nur ihre, nicht aber die Belange des Staates, die Belange des D. St. V und anderer großer studentischer Gruppen in geeigneter Weise berücksichtigt. — Es läßt sich der Eindruck nicht verwischen, als ob der bisherige Vorstand der D. St. darüber verärgert gewesen ist» daß nicht der Preußische Kultusminister selbst, sondern „nur" ein Ministerialdirektor die Verhandlungen geführt hat. Wir wissen nicht, aus welchen Gründen dies geschehen ist. Wir fürchten allerdings, daß der neue Vorstand weniger Neigung und weniger Möglichkeiten zu unmittelbaren Verhandlungen mit dem Minister haben wird, und wir vermuten, daß auch der Minister, wenn überhaupt, lieber mit den Herren des Vorjahres als mit denen des kommenden Jahres verhandelt haben würde. Die Kampfparole von Graz wird wohl der weiteren Entwicklung einen Riegel vorgeschoben haben! — Ansere grundsätzliche Gegnerschaft zur D. St. in dieser Frage verhindert allerdings nicht» ihr in einem anderen Denkst Du daran?!