KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1931)
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 163 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachr.-Heft K. C.-Blätter 163 richtige Schlüsse zu ziehen, der ferneren Beobachtung die zweckmäßige Richtung zu weisen, und überhaupt ein klares Bild zu erhalten. Wir geben wieder der „Academia" das Wort: „.... als Schluß der Beratungen die Neuwahlen. Die lange Vorgeschichte ist in vielen Einzelheiten zwar sehr aufschlußreich, ihre ausführliche Darstellung würde aber zu weit führen. Die Nationalsozialisten - hatten als ihre Forderung die Wahl zweier Mitglieder in den dreiköpfigen Vorstand angemeldet. Die Verbände haben sich mit guten Gründen bemüht, die Aufstellung nur eines nationalsozialistischen Kandidaten zu erreichen. Dres ist trotz sehr starker Bemühungen nicht gelungen. Insbesondere gestalteten sich wegen der ganzen Zuspitzung der Lage die Verhandlungen sehr schwierig. Von den beiden Kandidaten, die zunächst vorgeschlagen wurden, erregte der eine so starke Bedenken, daß sich kein dritter Mann für den Vorstand finden lassen wollte. Auch die studentischen Verbände verlangten mit dem berechtigten Hinweis auf ihre bisherige Arbeit in der D.St. eine. stärkere Berücksichtigung. Kurz vor den Wahlen in der Vollsitzung gelang es schließlich, einen Einigungsvorschlag herauszubringen, der so sehr als Erlösung empfunden wurde, daß die ganzen Wahlen in kürzester Zeit einstimmig durchgeführt werden könnten." Der neue, einstimmig gewählte Vorstand besteht aus den Herren Lienau (N.S.D.St.B.), Askevold (N.S.D.St.B.) und Gierlichs, der bereits dem früheren Vorstande angehört hat. Eine Verlegenheitswahl also, die um so mehr Verwunderung erregen muß, als z. B. die „Wingolfsblatter" (Folge 8) feststellen: „Das Endergebnis der Arbeit in den Ausschüssen des Studententages, ist, daß die Vertreter gerade des N.S.D.St.B. stark enttäuscht haben; nirgends konnten sie auch nur einen wesentlichen neuen Gedanken beibringen." Es ist nicht neu, daß gerade die Kreise, die die Deutsche Studentenschaft führen, die Vorkämpfer derer sind, die gegen Demokratie und gegen Parlamentarismus auftreten. Nun ist zwar die Verfassung der D. St. durchaus demokratisch; sie ist auch, wenn man so will, in gewissen Grenzen als parlamentarisch anzusehen. Aber, daß die Studentenschaft das genau nachmacht, was ihre Gesinnungsfreunde sonst — und nicht immer mit Unrecht — gegen Demokratie und Parlamentarismus geltend machen—,was andere Richtungen als mißverstandene Demokratie und als mißverstandenen Parlamentarismus ansehen , das sollte zu denken geben. Es ist kein Zweifel: Die Nationalsozialisten sind heute in der D.St. in der Mehrheit. Nicht, daß ihre Organisation es wäre; man schätzt den N.S.D.St.B. auf etwa 4000 Mitglieder; aber man spricht davon, daß an den deutschen Hochschulen etwa 60000 bis 80000 Studenten nationalsozialistisch wählen und mgn weiß, daß viele, die den Listen ihrer Korporationsverbände ihre Stimmen geben, in Wahrheit Nationalsozialisten sind. Man kann also das Drängen des N.S.D.St.B. zur Macht verstehen, kann aber gleichzeitig das Unbehagen all derer nachfühlen, die bisher die Leitung der D.St. innehatten. Es ist auch den Lesern dieses Blattes nichts Neues, daß der Nationalsozialismus auf dem Führerprinzip beruht; einer befiehlt und die anderen haben zu folgen. Was lag da näher, als zu fürchten, die D. St. werde in Zukunft nicht mehr von der Studentenschaft und ihren gewählten Organen, sondern vom Braunen Hause in München geleitet werden? Es ist ein Verdienst des bisherigen Vorsitzers der D. St., Referendar Schulz, daß er in seiner großen, hochschulpolitischen Rede diese Gefahr offen und ehrlich aufgezeigt hat. Nach der von der D. St. herausgegebenen Korrespondenz hat er gesagt: „Im Gegensatz zu früher nimmt die Mehrzahl der deutschen Studenten eine klare scharf umrissene Haltung ein, und zwar nicht nur zu den Fragen der Politik, sondern auch im Sinne persönlicher Entscheidung zu den an ihn herangetragenen Partei¬ oder bewegungspolitischen Programmen. Die Deutsche Studentenschaft hat keinerlei Veranlassung, sich gegen diese Entwicklung zu wehren. Zu einer' Gefahr für sie kann diese erst werden, wenn eine oder mehrere innerhalb der Studentenschaft zur Macht gekommene Bewegungen versuchen, der