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KC-Blätter · 1931-10-01 · Heft 10 (Oktober 1931) · p. Seite 162

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 10 (Oktober 1931)
Date
1931-10-01
Page
Seite 162 (sequence 4)
Language
German
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162 K. C.-Blätter Nachr.-Hest überall weitgehendes Verständnis gefunden, namentlich auch bei den Vertretern der studentischen Verbände. Es ist weiterhin bemerkenswert, daß die geplante Verschiebung auch bei einer großen Anzahl deutschnationaler und nationalsozialistischer Gruppen durchaus gebilligt wurde. Inzwischen waren jedoch bereits eine Anzahl namentlich nationalsozialistischer Vertreter nach Graz abgereist und versuchten von dort aus die Abhaltung des Studententages zum ursprünglichen Zeitpunkt durchzusetzen. Der Vorstand der D. St. und die Aeltesten hielten jedoch an ihrer ursprünglichen Maßnahme fest. Die nationalsozialistischen Vertreter warteten indessen in Graz das Ergebnis der auf den 16. Juli einberufenen Hauptausschußsitzung in Berlin ab und „beherrschten inzwischen das Straßenbild von Graz", ihre einzige Tätigkeit, die eine nationalsozialistische Pressemeldung aus jenen Tagen zu berichten weiß. Man könnte noch hinzufügen, daß in diesen Tagen in Graz die unsinnigsten Gerüchte in Umlauf gesetzt wurden, der Vorstand habe Angst vor der Auseinandersetzung mit den Nationalsozialisten, seine Kasse stimme nicht, er habe sich durch Severing oder einen anderen Sozialdemokraten zur Absage des Studententages verleiten lassen usw. usw. So unsinnig diese Gerüchte sind, so müssen sie hier kurz genannt werden, um die ganze feindselige Zuspitzung zu erklären, die der Studententag durch dieses Vorspiel erhalten $at. Die schon erwähnte Hauptausschußsitzung beschloß dann auch mit der vorauszusehenden Stimmenmehrheit die Abhaltung des Studententages. Der Vorstand betonte ausdrücklich, daß er an seiner ursprünglichen Meinung festhalte» aber angesichts des erwähnten Beschlusses nun doch nach Graz fahren werde. Diese Vorverhandlungen hatten zur Folge, daß das Verhältnis der verschiedenen Gruppen bis zum äußersten verschärft worden ist." Wenige Tage darauf schrieb der Reichsführer des Nationalsozialistischen Deutschen ' Studentenbundes, Baldur von Schirach, — derselbe, der später infolge der Krawalle an der Kölner Universität verurteilt und in Hast genommen worden ist, — im „Völkischen Beobachter" vom 2./3. August 1931: „Als die Delegierten der Deutschen Studentenschaft am 21. Juli in Graz einstimmig zwei Nationalsozialisten zu Vorsitzenden wählten, begingen sie damit eine Handlung, die für unser ganzes Volk tiefe symbolische Bedeutung hat. Für die nationalsozialistische Bewegung fand ein fünf Jahre langer ununterbrochener Kampf um die Hochschule an diesem Tage seinen vorläufigen Abschluß; die Welt aber erkannte in dem einmütig bekundeten Willen der deutschen Studenten das Aufdämmern einer nationalsozialistischen Zeit. Verklungen sind die überwältigenden Kundgebungen des 14. Deutschen Studententages, aber geblieben ist die einstimmig erwählte Vertretung des Mannes, der seinen Schatten über die Grazer Tage warf — noch nie seit dem 14. September ist die Macht Hitlers dem deutschen Volk so anschaulich offenbart worden. Die Bedeutung dieses Tages beruht aber nicht allein auf der Machtäußerung des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes, bedeutsam ist auch, daß selbst Gruppen, die dem Nationalsozialismus sehr fern stehen, aus Vertrauen zu der sachlichen Eignung der vom N.S.D.St.B. vorgeschlagenen Kameraden diesen ihre Stimme gaben. Der N.S.D.St.B. sah sich in den ersten Jahren seiner Entwicklung einem allgemeinen Mißtrauen gegenüber. Die früheren Führer der Deutschen Studentenschaft hielten die nationalsozialistische Hochschulbewegung für die Todfeindin der Deutschen Studentenschaft. Aber die zielbewußte, sachliche Arbeit der nationalsozialistischen Kammervertrieter» hat sich sehr schnell Vertrauen und Anerkennung weitester studentischer Kreise erobert und heute gibt es kaum einen Studenten, der nicht weiß, daß der N.S.D.St.B. das stählerne Rückgrat der Deutschen Studentenschaft ist." Was war geschehen? — Es ist schwer für den, der in Graz nicht dabei gewesen ist, über die Vorgänge auf dem Studententage zu berichten. Aber man sollte bei dieser, für unser ganzes Volk sicherlich tief symbolischen Wahl nicht nur die abgeschlossenen Tatsachen registrieren, nicht nur ihre Auswirkungen zu würdigen suchen. Man muß sich vielmehr bemühen, die Dinge so zu sehen, wie sie entstanden sind. Erst dann wird es möglich sein,

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