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KC-Blätter · 1931-09-01 · Nr. 4 (9.1931) · p. Seite 46

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Nr. 4 (9.1931)
Date
1931-09-01
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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46 Vertrauliche Beilage der K. C.- Blatter schaft im besonderen könne nur studentischer Sitte gemäß bekämpft werden. Indem wir meinten, das Wort „Judenjunge", das irgend ein Kommilitone einem von uns um 1900 herum in einer Auseinandersetzung an den Kopf warf, aus dem dunklen, unbewußten Gefühl des Herrentums heraus, welches den Juden jahrhundertelang geknechtet hatte, das sei mit denselben Methoden zu rächen wie das „Juda verrecke" des S.A.- Studenten. Wir unterschieden nicht zwischen damals und jetzt. Wir redeten uns kurzsichtig immer wieder ein: wir müssen so sein wie sie. Wir müssen Couleur tragen, müssen auf Mensur stehen. Denn nur so erringen wir der anderen Anerkennung. Wir haben nicht nur seit 1918 ihre Anerkennung nicht erlangt, wir haben die anderen, die uns als Mitkämpfer willkommen wären und die, denen wiederum unser Verband als Bundesgenosse genehm erscheint, vor den Kopf gestoßen. Wir haben uns regelrecht zwischen die Stühle gesetzt, sind heute als Korporation isoliert und alle Bestrebungen unsererseits, die Isolierung zu durchbrechen, scheitern an unserer Form, scheitern, weil uns die Zeit nicht ausreicht, Korporation zu sein — was wir zwar für ein Mittel des Abwehrkampfes halten — und wirksam für die Freiheit der deutschen Juden zu kämpfen. Wir müssen uns entscheiden. Entweder weiter wie bisher: Fechten Mensur und Couleur, Kneipe und Konvent. Dann steht aber der Kampf für unsere Freiheit nur im Z 3 unseres Statuts. Oder wirksamer Kampf. Die Entscheidung dürfte uns nicht schwer fallen. Wir haben verpaßt, uns in das Gleis der Evolution einzurangieren. Die Frankfurter Beschlüsse kamen zu spät. Es wäre uns weniger hart angekommen, wenn uns eine Umstellung im Verlauf der letzten Jahre geglückt wäre. Heute müssen wir das Steuer plötzlich herumreißen, müssen eine Revolution Hervorrufen, um das Versäumte wieder einzuholen, ja — um auf einen Satz, der eingangs gesagt ist, zurückzukommen, nur um im Chor mitzuwirken bei dem Schauspiel einer weltgeschichtlichen Umwälzung. Denn Korporationen werden zum Objekt des Geschehens werden! Ich weiß, wie wenig Zustimmung diese Zeilen bei denen finden, die mit Leib und Seele Korporationsstudent sind. Doch ist es zu unterstreichen, daß es sich nur um vorläufige Maßnahmen — wenn solche ergriffen werden — handeln soll. Daß wir uns von der starren Korporationsform lösen müssen, wissen mit mir viele von uns. Denn die Geschichte ist darüber bereits zur Tagesordnung übergegangen. Was endgültig an die Stelle des Bisherigen treten soll, weiß heute noch niemand. Jede Lösung — auch die, die jetzt vorgeschlagen wird — ist eine Zwischenlösung. Stellen wir also die Forderung zur Diskussion — zu einer Diskussion allerdings, die sich von der Kostbarkeit der Zeit leiten lassen muß — Umstellung von der Korporation zur Kampftrupp c. Eine Aufgabe, deren Notwendigkeit von allen eingesehen wird, an die wir aber bisher noch nicht intensiv genug Herangehen konnten. Warum? Weil wir durch unsere Formen gehandicapt waren. Versuchen wir es also einmal so: Suspension der Straßen-Couleur für vorläufig zwei Semester. Suspension des Fechtens und der Mensuren. Abschaffung der offiziellen Kneipe. Immer nur für das nächste Jahr, für zwei Semester. Dafür körperliche — um nicht zu sagen militärische — Durchbildung der K. C.er, möglichst bis zum dreißigsten Lebensjahr. Die Anregungen von Kbr. Löwenstein (Kleinkaliberschießen usw.) können wertvolle Anleitung geben. Wir müssen unsere Kampfesweise anzupassen suchen der unserer Gegner, die anders zu kämpfen gelernt haben wie mit dem Säbel. Wir müssen Bundesgenossen dort suchen, wo wir sie finden, wenn wir nicht mehr das Zeichen des Reaktionismus tragen: die Couleur. Denn wissen denn die Leute, die links von der Staatspartei stehen, was uns unsere Farben bedeuten? Nämlich den Ansporn für den Kampf um Freiheit, um Freiheit der deutschen Juden, letzten Endes um Freiheit für alle geknechteten Menschen. Wissen sie, daß wir beflügelt sind von dem alte r jüdischen Ideal der Humanität. Sie wissen es nicht und wir werden keine Zeit haben, es ihnen zu sagen. Unsere Tendenz, unser Ideal, unser Ziel

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