KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 4 (9.1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 45 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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vertrauliche Beilage der K.C.=Blätter ITur für K. C.er — Bis Handschrift gedruckt. 193 t September Br. 4 K. C.er surZite! Von Ernst Reichmann, Sprev., Rhen.-Pal. Der Zeitabschnitt vom 14. September 1930 bis zum 13. 3uli 1931 wird trotz seiner zehnmonatigen Kürze in der Geschichte späterhin eine eigene Aeberschrist erhalten. „Vom Ende der Demokratie und von den Anfängen der Diktatur in Deutschland", so öder ähnlich wird man diese Aebergangszeit benennen. Man wird sie einzugliedern haben in ein Geschehen, das — weltgeschichtlich gesehen — nicht nur die Ereignisse der großen französischen Revolution übertrifft, sondern das den Schlußstrich zieht unter die Geschichtsperiode, die mit der „Erklärung der Menschenrechte" begann. Wir haben in dem. geschichtlichen Schauspiel, dessen Prolog eben abgeklungen und dessen erster Akt beginnt, mitzuspielen. Ob als Protagonisten oder im Chor bleibt uns heute noch überlassen.' Allerdings, Zuschauer wird es nicht geben. Die Studentenverbindungen, die in Form von Korporationen bestehen, haben seit 1918 weder die heraufkommende Zeit noch den neuen Menschen begriffen. Zu jedem Verständnis fehlte ihren Angehörigen neben dem Willen das Vermögen. Stammend aus den Sturm- und Drangjahren des Liberalismus, die Tradition von 1813, von 1848 vor Augen, immer als erstrebenswürdigstes Ziel, konnten sie sich nicht selbst aufgeben, als die Abenddämmerung sich über die strahlende Sonne der bürgerlichen Epoche zu senken begann. Sie klammerten sich an ihre Ideale, die bis jetzt niemals versagt hatten, die jetzt aber versagen mußten, weil nicht zur rechten Zeit Männer aus ihren Kreisen aufstanden, die geschickt und weitblickend ihre erstarrte Form in Bewegung brachten. Der Mann, der dazu imstande war — Stresemann — wurde vor der Zeit zerrieben, weil er allein — unverstanden und gehindert von den Seinen — kämpfte. 2n Nr. 29 der „Literarischen Welt" zeigt ein Aufsatz „Krach und Krise in der Studentenschaft" das, was war, was ist, was wird. Ich habe bei der K. C.-Redaktion angeregt, bei der Schristleitung der L. W. die Erlaubnis zum Nachdruck dieses Aufsatzes in den K. C.-Blättern zu erwirken. „Die Universitäten haben aufgehört Stätten der Forschung zu sein" — sagt der Autor des Aufsatzes, Friedrich Sternthal. „Sie sind Drillanstalten geworden, Fabriken, in denen Juristen, Theologen, Aerzte, Lehrer usw. fabriziert werden. Von einer Fabrik darf man nichts anderes erwarten als Fabrikware" (aber keine berufenen Führer des Volkes). Die Zeit, in welcher der Akademiker zum Führer berufen war, ist — so meint der Autor — vorbei. Die Studenten sind über diesen Zustand „beleidigt". And nicht nur darüber. Sie sind beleidigt, „weil es zuviel Studenten, also zuviel Konkurrenten gibt...., sie sind beleidigt, weil sie nicht einmal wissen, ob sie von einer jahrelangen, entbehrungsreichen Beschäftigung .... auch nur die nackte Existenz haben werden". Die letzte Ursache von allem sieht der Autor dann sehr, sehr weitblickend in einer Verlagerung des weltgeschichtlichen Mittelpunktes, Europa ist vom Zentrum der Weltgeschichte an ihre Peripherie gerutscht. Es ist ein Aufsatz, der deshalb große Beachtung verdient, weil er die Stellung des Akademikers in der heraufkommenden Zeit festzulegen und zu umgrenzen sucht. Die Studenten, die Akademiker im allgemeinen geht er an, uns K. C.er aber im besonderen. .Wir K.C.er haben den Fehler der anderen Korporierten — nämlich den Fluß der Geschichte zu leugnen und jeder Entwicklung die starre Form entgegenzustellen — nicht nur mitgemacht, wir haben ihn nachgemacht. Wir haben ihn — uneingestanden — als Fehler erkannt und trotzdem nachgemacht, indem wir in der Gegenwart mit den Methoden der Vergangenheit fochten. Indem wir glaubten, Antisemitismus sei ein unverrückbar feststehender Begriff, seine Bekämpfung geschehe in einmaliger Form, Antisemitismus in der Studenten-