KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 8-9 (August 1931)
- Date
- 1931-08-01
- Page
- Seite 142 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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142 K. C.«BlätLer Nachr.-Heft den durch die Abbaumaßnahmen noch mehr verschlechtert. Gerade die jungen Lehrkräfte sollen ausgeschaltet werden, Leute, von denen noch am ehesten Verständnis für die modernen Tagesfragen erwartet werden konnte. Wenn wirklich jemals eine Auffrischung des in den höheren Schulen herrschenden Geistes möglich sein sollte, so kann sie im wesentlichen nur aus den Reihen der jungen Pädagogen kommen, die in den Gärungen der neuen Zeit selber groß geworden sind. Gewiß gibt es sehr viele nach jeder Richtung hül. treffliche Lehrer älteren Jahrganges, und ebenso unter den Jüngeren viel unbrauchbares Material, aber das ändert nichts an der Gesamtseststellung. Bedenklich erscheint auch die Erhöhung der Klassenfrequenzen, weil es nunmehr selbst dem bestmeinenden Erzieher praktisch unmöglich wird, seine Schüler zuverlässig in der Führung zu haben, und sie zu den Quellen klassischer Erkenntnisse zu leiten. Zu befürchten ist, daß jetzt ein Hochschulnachwuchs groß wird, der noch weniger Verständnis für die ethischen Zwecke der Wissenschaft haben wird, und von vornherein nur dressiert wurde, das Pensum des Unumgänglichen zu bewältigen. Um dieser Gefahren willen betrachten wir den geplanten Erziehungsabbau mit ernster Sorge, ohne natürlich zu der politischen und wirtschaftlichen Zweckmäßigkeit der Verordnung Stellung nehmen zu dürfen. Vorschläge zur Hochschulreform. Der unlängst verstorbene Hochschullehrer Professor Grotjahn hat einen kurzgefaßten Plan zur Studienreform ausgearbeitet, der im „Sozialistischen Willen" (Heft 2) veröffentlicht ist. Des Interesses halber geben wir nachstehend die ohne nähere Begründung erschienenen Programmpunkte wieder. „1. Die Bezeichnungen Universität, Fakultät, Professor und Student werden durch Hochschule, Hochschulfach, Hochschullehrer und Hochschüler ersetzt. 2. Das Hochschuljahr beginnt am 1. Oktober und umfaßt ein Vorlesungssemester und ein Feriensemester. 3. Das Vorlesungssemester beginnt am 1. Oktober, vormittags 8 Ahr, und schließt am 31. März, abends 10 Ahr; es wird nicht durch Ferien unterbrochen. Jeder Hochschüler hat sich einer strengen Kontrolle der Anwesenheit während der von ihm belegten Vorlesungen zu unterziehen. 4. Das Feriensemester beginnt am 1. April und dauert bis zum 30. September. Während seiner Dauer finden keine Vorlesungen statt, um den Hochschullehrern Zeit für. Forschung und den Hochschülern Gelegenheit zur häuslichen Arbeit oder zur praktischen Betätigung oder zum Geldverdienen zwecks Erleichterung des Hochschulbesuches zu gewähren. 5. Die Berechtigung zum Besuch einer Hochschule gewährt das Bestehen einer Aufnahmeprüfung, die vor einem Prüfungssenat abzulegen ist. Dieser besteht aus wissenschaftlich und psychologisch vorgebildeten, hauptamtlich und nur für die Abhaltung von Prüfungen angestellten Prüfern, die selbst nicht Hochschullehrer sein dürfen. 6. Außer dem Schein für die bestandene Aufnahmeprüfung ist vorder Zulassung noch eine Bescheinigung beizubringen, daß der Betreffende mindestens ein Jahr lang eine dem gewählten Studienfach entsprechende praktische Betätigung ausgeübt hat, also der Jurist etwa eine solche als Gerichtsschreiber oder Gefängniswärter, der medizinische eine solche als Krankenwärter, der Philologe eine solche als Schulgehilfe. 7. Die Hochschullehrer sind entweder hauptamtlich oder nebenamtlich angestellt. Die hauptamtlich angestellten Hochschullehrer dürfen eine anderweitige Tätigkeit gegen Entgelt nicht ausüben. Die Anstellung erfolgt auf Bewerbung um eine freigewordene Stelle nach Anhörung der hauptamtlichen Hochschulfachmitglieder durch einen bei jedem Kultusministerium zu errichtenden Landeshochschulausschuß. Die Privatdozentur und die Habilitation fallen fort. 8. Das Kolleggeld wird durch ein festes Hochschulgeld ersetzt, das Anbemittelten auf begründeten Antrag zu erlassen ist. 9. Die Abschlußprüfungen werden von einem Ausschuß von Fachsachverständigen abgehalten, der nur zur Hälfte aus Hochschullehrern besteht." Es wird sicherlich gute Weile haben, bis die vielen zur Zeit vorliegender