KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 8-9 (August 1931)
- Date
- 1931-08-01
- Page
- Seite 141 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachr.-tzeft K. C.« Blätter 141 lich aus der Tätigkeit des Berliner Seelsorgers geworden, nachdem sich eine peinliche Hineinmengung politischer Momente irr die Seelsorgerarbeit ergeben hat. Als Studentenrabbiner fungiert Dr. Prinz, desserr unbestreitbares Geschick als Kanzelredner ihm aus politischem Gebiet nicht immer treu bleibt. Die erste Veranstaltung, die im vergangenen Semester von Herrn Prinz abgehalten wurde, war alles andere als ein objektiver Appell an die gesamte jüdische Studentenschaft. Sie konnte es schon deshalb nicht sein, weil neben der gesamten jüdischen Studentenschaft sehr viele Jugendliche eingeladen waren, die mit der Universität nichts zu tun hatten. Daß es Herrn Prinz weniger an einer Betreuung der Studenten, als an einer parteipolitischen Beeinflussung gelegen war, ging schon hieraus hervor. Der Inhalt seiner Ansprache bestätigte das aber mit sehr wünschenswerter Klarheit. Es kommt ihm, nach seinen eigenen Worten, darauf an, „den Weg des jüdischen Studenten in das jüdische Volk zu ebnen, und die jüdische Studentenschaft zu politisieren". Wir erklären hierzu, daß wir eine „Politisierung" nur insoweit anerkennen könnten, als es sich um objektive Schulung in politischen Fragen handeln würde. Auch das aber ist nicht Aufgabe des Seelsorgers» der sich darauf beschränken muß, dem jüdischen Studenten die ethischen und seelischen Werte des Judentums nahezubringen. Aufs allerschärfste aber lehnen wir es ab, daß von der Tribüne des Studentenpriesters herab einseitige Propaganda für den zionistischen GÄanken gemacht wird.Das Verhalten des Lerrn Dr.Prinz ist um so schärfer zu verurteilen, als er vor der Versammlung von verschiedenen Seiten auf die Notwendigkeit absoluter Neutralität hingewiesen worden war, und Neutralität ausdrücklich versprochen hatte! Abbau der Erziehung? Die Sparverordnungen, die tief in das Bildungswesen des Volkes einschneiden, interessieren auch uns aus mancherlei Gründen. Der geplante Abbau der Junglehrer bedroht die Zukunft derjenigen jungen Verbandsbrüder, die sich der philologischen Laufbahn zugewandt haben. Erbringt ferner eine sehr ernste Gefährdung der kulturellen Ausbildung des Aniversitätsnachwuchses. Schon heute muß beklagt werden, daß auf den höheren Schulen keine hinreichende Erziehung im Sinne eines klassischen Bildungsideals stattfindet. Es strömen in die Universitäten Scharen von Abiturienten, die nur zum geringen Teil wirklichen Studienernst mitbringen, die zwar entschlossen sind, ihr spezielles Berufsfach mit vorgeschriebenem Examenseifer zu betreiben, die aber nicht dazu erzogen wurden, die Universität als Stätte universaler Geistespflege zu empfinden.. Die Achtung vor der Wissenschaft als solcher, die keine Handwerkslehre, sondern eine in sich selbst begründete, absolute Bestrebung ist, wurde auf den höhereu Schulen nicht erlernt. Anderenfalls wäre es unmöglich, daß unzählige Studenten ihr Herz an Schlagwörte hängten, deren Sinn zu erfassen sie sich niemals bemühten. Es wäre — ein Beispiel für viele — undenkbar, daß Studenten über Dawes- und Poungplan sich ereiferten, und doch eine Vorlesung, die über die einschlägigen Fragen gratis referieren sollte, unbesucht ließen. Das geschah in München; und es geschieht an allen Orten, daß Studenten die Reichsverfassung .befehden, ohne je ein Exemplar davon in der Hand gehabt zu haben, und daß sie sogar über die Protokolle der Weisen von Zion sich auslassen, von denen kein Sterblicher je ein Exemplar in der Hand halten konnte. Diese Oberflächlichkeit und die damit zusammenhängende Intoleranz gegenüber andersartigen Wellauffassungen kommt zum großen Teil auf das Konto einer nicht in die Tiefe dringenden Schulerziehung. Nicht minder beruht die Staatsfeindschaft der Studenten auf ungenügender, wenn nicht gar böswilliger Schulausbildung. Wird doch der Mulus, wenn er die Universität bezieht, nicht erst dort zum Haß gegen den heutigen Staat erzogen, sondern er kommt in den allermeisten Fallen schon mit vollendeter Kriegsbereitschaft von der Schule. Diese für die Hochschulentwicklung grundlegenden Verhältnisse wer-