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KC-Blätter · 1931-08-01 · Heft 8-9 (August 1931) · p. Seite 139

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 8-9 (August 1931)
Date
1931-08-01
Page
Seite 139 (sequence 13)
Language
German
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Nachr.-Hest K. C.«Blätter 139 wie das vom „frenetischen Unernst" ist in seiner unheimlichen Prägnanz nahezu das Todesurteil einer ganzen Generation. Aber wer fauu sich der Wucht dieser absolut zutreffenden Feststellung entziehen — angesichts der Tatsache, daß weite Studentenkreise heute nicht nach Leistung und Verdienst fragen, sondern nach Stammbaum und Blutmischung, daß der Begriff der akademischen Würde mit bewußtem Wollen allerorts beiseite geschoben wird, daß Persönlichkeiten wie Gerhart tzauptmann oder Thomas Mann schlankweg die Dichterqualität abgesprochen wird, einzig, weil sie Republikaner sind? Thomas Mann hat wahr gesprochen — und was wird aus einer Jugend, die keine Wahrheit zu hören vermag? Spiet mit Worten. Mit dem Feuer spielen, ist gefährlich: mit Worten soll man aber ebenfalls vorsichtig sein. Zweideutige Ausdrucksweise führt oft dazu, daß der Hörer und Beurteiler sich das aussucht, was gerade nicht gemeint war. Ihn vom Gegenteil zu überzeugen, ist schwierig, wenn das Mißtrauen seinen Stachel nun einmal zurückgelassen hat. Was soll man z. B. davon halten, wenn der neue ungarische Kultusminister Ernszt geäußert hat, ein scharfer numeruZ elau5U5 müsse im Bildungswesen durchgeführt werden? Nach allen bisherigen Erfahrungen konnte man das eigentlich nur auf eine konfessionelle Auslese der Hochschulanwärter beziehen. Nunmehr hat der Minister erklärt, ihm läge jedwede Anwendung des Veschränkungsprinzips nach konfessionellen Gesichtspunkten fern. Auf alle Fälle erscheint auch jetzt noch die ganze Angelegenheit reichlich undurchsichtig, und der Optimismus, den z. V. die „Jüdische Rundschau" hierbei äußert, zumindest voreilig. Erst die Zukunft wird lehren, ob der numeru8 e1au8U8 in Ungarn auch fernerhin b e i b e h a l t e n wird im Sinne einer Vergewaltigung der jüdischen Bürgerschaft. E i n z u - führen braucht man ihn allerdings in dieser Form nicht, weil er schon existiert. Uns scheint, daß die Ministerworte geeignet sind, eine jede Entwicklung, wie immer sie beschaffen sein mag, vorauszusagen. Ob die Unvorsichtigkeit des Wortes gewollt war oder nicht, soll nicht untersucht werden. In die Gruppe unvorsichtiger Worte gehört auch der Ausdruck „Unsere Leute". So scheint es jedenfalls, wenn man die Septembernummer des „Nationaldeutschen Juden" vornimmt. Dort wird mitgeteilt, daß nichtjüdische Leser dieses Ausdruck als eine Entgleisung angesehen hätten, weil er als Spitzenüberschrift der Augustnummer gedient hatte. Indem nun der „Nationaldeutsche Jude" beteuert, nicht entgleist zu sein, gibt er einen aufschlußreichen Kommentar darüber, wie man als deutscher Jude den Begriff „unsere Leute" auffassen müsse, und wie nicht. Verwerflich sei die Vorstellung, die Herr Siegmund Zwischenfeld von diesem Begriff habe. („Zwischenfeld" sind alle die Juden, die zwischen Naumann und den Zionisten stehen.) „Unsere Leute" sind also nicht alle die Menschen, die, ohne Rücksicht auf Volkszugehörigkeit, durch das gemeinsame Bekenntnis zum jüdischen Glauben sich verbunden fühlen. Nach Ansicht des „Nationaldeutschen Juden" sollen es die sein, „denen das Deutschtum mehr ist, als papierenes Staatsbürgertum oder zufällige Reisegemeinschaft im gleichen Boot, denen es vielmehr, um Friedrich Hielschers Worte anzuwenden, eine Gemeinschaft der „Seelentümer" ist, eine innere, angeborene, zwingende und beherrschende Verbundenheit mit dem deutschen Volke für heute und für immer". Sofern diese Erklärung, die sich durch Präzision nicht auszeichnet, richtig verstanden ist, lehnt es Naumann ab, außerhalb der Volkszugehörigkeit Bindungen anderer Art anzuerkennen. Man könnte freilich der Meinung sein, daß das Volksbewußtsein völlig unberührt bleiben kann dadurch, daß ethische Beziehungen, die über Nationalgefühl gar nichts aussagen sollen, zwischen Angehörigen verschiedener Länder bestehen. Wir versagen es uns aber, offiziell zu diesen Fragen Stellung zu nehmen, und wollen unsere Leser vielmehr dazu anregen, von sich aus mit diesem Fragenkomplex sich auseinanderzusetzen.

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